Wirtschaft

"Wir bekennen uns ganz klar" Audi schwenkt um auf elektrisch

RTX13PUP.jpg

Ist das der Wagen, der Audi zum Umdenken zwingt? Ein i3 aus dem BMW-Werk in Leipzig.

(Foto: REUTERS)

Die Erfolgsmeldungen des Wettbewerbers aus München wecken in Ingolstadt begehrliche Blicke: Der Autobauer Audi kündigt nun einen strategischen Kurswechsel an. Auf einem Fachkongress enthüllt Audi-Chef Stadler neue Details.

Die Erfolgsaussichten des abgasfreien Fahrvergnügens stellt die deutsche Automobilindustrie vor gewichtige Fragen. Hersteller und Zulieferer müssen beurteilen, ob - und wenn ja, wie schnell - sich der Trend zur Elektromobilität auf deutschen Straßen durchsetzen kann.

Von der Antwort auf diese Fragen hängen kostspielige Investitionsentscheidungen und weitreichende technische Weichenstellungen ab. Entwicklung, Produktion und Unternehmensstrategie müssen sich langfristig zwischen Verbrennungsmotor, Hybrid-Lösungen oder reinem Elektroantrieb entscheiden. Wer den Anschluss verpasst - oder, bildlich gesprochen, auf das falsche Pferd setzt - der droht auf Jahre hinter der Konkurrenz zurückzufallen.

Nach langem Zögern eifert die Volkswagen-Tochter Audi nun doch den wichtigsten deutschen Wettbewerbern nach und plant den Bau eines komplett elektrisch betriebenen Fahrzeugmodells. "Wenn Markt und Technik reif dafür sind, bringen wir rein batteriebetriebene Elektroautos auf die Straße", sagte Audi-Chef Rupert Stadler auf einem Kongress des Fachblatts "Auto Motor und Sport".

Eigenes Ladekonzept

Wie die Zeitschrift dazu berichtete, plant Audi im Jahr 2017 einen elektrischen Geländewagen auf den Markt zu bringen. Statt per Kabel solle das Auto seinen Strombedarf über eine Induktionslösung beim Parken decken. Dazu benötigen Kunden spezielle Ladestationen mit entsprechender Ladetechnik im Boden.

Anders als die anderen Premiumhersteller Daimler und BMW hat Audi bisher noch kein Elektroauto im Angebot. Die Ingolstädter hatten in der Vergangenheit mehrere Ansätze für rein batteriebetriebene Fahrzeuge verworfen. Dafür gebe es keinen Markt, hieß es im vergangenen Jahr immer wieder vom Management. Man setze deshalb ganz auf Plug-in-Hybrid-Modelle.

Dabei liegen bei Audi längst produktionsreife Pläne für einen Kleinwagen A1 e-Tron und einen Supersportwagen R8 e-Tron in der Schublade. Doch die Arbeit an den beiden Vorzeigemodelle stellten die Ingolstädter im vergangenen Sommer überraschend ein. Parallel zum "Elektrogipfel" der Bundesregierung - die sich der Förderung des abgasfreien Indiviualverkehrs verschrieben hat - verwies der damals noch als Audi-Entwicklungsvorstand fungierende Technikspezialist Wolfgang Dürrheimer auf die unsicheren Absatzchancen und erklärte: "Wir müssen mit jedem Auto Geld verdienen." Nun folgt ein neuerlicher Kurswechsel, diesmal in Richtung Elektromobilität. "Wir bekennen uns ganz klar zum Elektrofahrzeug", kündigte Audi-Chef Stadler im März an.

Im Windschatten von BMW?

Für die neue Strategie gibt es ein leuchtendes Vorbild: Der Audi-Konkurrent BMW rührt seit vorigem Jahr lautstark die Werbetrommel für seinen elektrischen Stadtflitzer i3. BMW hatte zuvor bereits enorme Summen in die Entwicklung von Batterietechnik und Leichtbau-Karosserien gelenkt. Seit dem Marktstart im November schwärmen die Münchner von der großen Nachfrage in Form von Vorbestellungen - in hohen Verkaufszahlen hat sich dieses Interesse bisher allerdings noch nicht niedergeschlagen.

Wird der i3 und der für den Frühsommer geplante Hybrid-Sportwagen i8 ein Erfolg, könnte BMW die Konkurrenz bei der Technologie und beim Image als moderner und umweltfreundlicher Autobauer abhängen. Hersteller Audi, der für sich mit dem Spruch "Vorsprung durch Technik" wirbt, verfolgt das mit Sorge, ebenso wie Konzernmutter VW.

Reibungsfrei scheint die Debatte um Vor- und Nachteile von Benzinern, Hybrid-Fahrzeugen und reinen E-Flitzerns bei Audi allerdings nicht abzulaufen. Branchenkenner registrieren Anzeichen für heftige, konzerninterne Spannungen. Die Wolfsburger Zentrale entsandten eigens den VW-Entwicklungschef für den Aufbau einer Elektro-Modellreihe nach Ingolstadt.

Quelle: ntv.de, mmo/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen