Wirtschaft

Von Pierer über Corona-Politik "Aufpassen, dass man Autorität bewahrt"

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Von Pierer war von 1992 bis 2005 Vorstands- und von 2005 bis zum 25. April 2007 Aufsichtsratschef der Siemens AG.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Politik in der Corona-Krise ist eine Herausforderung. Öffentliche Beschimpfungen sind fast Alltag. Nicht nur als Siemens-Chef stand Heinrich von Pierer vor schwierigen Entscheidungen. Der ehemalige Stadtrat plädiert für mehr Verständnis. Andererseits müssten Fehler aber auch rasch und souverän behoben werden.

Der ehemalige Chef von Siemens, Heinrich von Pierer, wirbt um mehr Verständnis für die Politiker in der Pandemie. Von Pierer stand nicht nur von 1992 bis 2005 an der Spitze von Siemens, sondern saß auch 18 Jahre im Stadtrat von Erlangen. "Diese Entscheidungsprozesse sind immer ähnlich. Sie brauchen immer Mehrheiten. Sie haben immer Leute, die Sie nur schwer überzeugen können", sagt der Ex-Firmenchef eines Dax-Konzerns im Podcast "Die Stunde Null".

"Es ist derzeit nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Das Virus richtet sich halt nicht danach, wenn Leute sagen: Das muss zu Ende sein. Da muss man mehr Verständnis haben, das würde manchen ganz guttun." Kritik an Politikern, vor allem in Talkshows, führe oft dazu, dass man "ihnen am Zeug flickt, wo immer es geht. Das ist in der Wirtschaft in der Form nicht der Fall".

Fehler müsse man allerdings "schnell korrigieren", sagte von Pierer. "Das habe ich auch machen müssen. Aber man muss dann aufpassen, dass man seine Autorität bewahrt." Er erzählte von einer Erfahrung, wie er nach gut einem Jahr ein Werk in England wieder schließen musste, "weil es gar keine Produkte gegeben hat, die man dort hätte produzieren können".

Von Pierer war bis 2005 Siemens-Chef, danach rückte er an die Spitze des Aufsichtsrates, bis er im Zuge der Korruptionsaffäre zurücktreten musste. In seinem neuen Buch ("Die Kunst des Machbaren") berichtet er in zahlreiche Anekdoten über seinen Weg an die Spitze, Verhandlungen in China oder Malaysia oder die Diskussionen um den "Shareholder-Value".

Oft kam ihm bei seiner Karriere der Zufall zu Hilfe, aber er bekam auch früh Tipps wie "In der Sonne bräunt’s sich besser" - ein Rat, von Erlangen in die Zentrale nach München zu wechseln. Ein Vorgesetzter riet ihm zudem, dass man als Chef immer "ein Klima zaubern müsse".

Mehr zum Thema

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie Heinrich von Pierer mit dem chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin über Hegel reden musste
  • Wie er es auch als CEO schaffte, regelmäßig Tennisturniere zu spielen
  • Wie er 3000 Mitarbeiter nach der iranischen Revolution von Baustellen zurückholte

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Quelle: ntv.de, ddi

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