Wirtschaft
Man kennt sich, unter anderem von der gemeinsamen Arbeit an Projekten wie dem Eurofighter "Typhoon".
Man kennt sich, unter anderem von der gemeinsamen Arbeit an Projekten wie dem Eurofighter "Typhoon".(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 12. September 2012

Megafusion der Waffenbauer: BAE verhandelt mit EADS

Es ist eine Nachricht, die Rüstungsexperten in aller Welt elektrisiert: Die beiden mächtigsten Waffenschmieden Europas sprechen offen über einen Zusammenschluss. Wenn es mit der Fusion klappt, entstünde der weltgrößte Rüstungskonzern - und EADS-Chef Enders müsste zwischen Briten und Franzosen vermitteln.

Waffenbau zusammen mit Franzosen, Deutschen und anderen Kontinentaleuropäern?
Waffenbau zusammen mit Franzosen, Deutschen und anderen Kontinentaleuropäern?(Foto: REUTERS)

In der Rüstungsbranche bahnt sich ein historischer Zusammenschluss zweier schwergewichtiger Branchengrößen an: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS führt mit seinem britischen Konkurrent BAE Systems Fusionsgespräche. Sprecher der beiden beteiligten Unternehmen bestätigten die Angaben.

Es gebe Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, hieß es in einer von BAE Systems am Abend veröffentlichten Mitteilung. An dem gemeinsamen Unternehmen würde EADS demnach die Mehrheit von 60 Prozent halten und BAE Systems die restlichen Anteile.

Angestrebt werde zudem eine doppelte Börsennotierung: Beide Unternehmen sollen als eine Gruppe agieren, aber an der Börse getrennt geführt werden, teilte BAE Systems mit. Die neu entstehende Gruppe EADS/BAE soll demnach von ein- und demselben Vorstands- und Aufsichtsgremium geführt werden.

"Es kann keine Gewissheit bestehen, dass die Gespräche letztendlich zu einer Transaktion führen werden", erklärte EADS in einer eigenen Mitteilung. Auch müsse der EADS-Verwaltungsrat noch zustimmen.

Europa wächst zusammen

EADS ist mit seiner Tochter Airbus einer der weltweit führenden Luft- und Raumfahrtkonzerne und zählt wie BAE Systems auch im Rüstungsbereich zu den weltgrößten Unternehmen. Mit mehr als 133.000 Mitarbeitern kam EADS im vergangenen Jahr auf einen Rekordumsatz von 49,1 Mrd. Euro. Unter dem Strich verdiente der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern eine Milliarde Euro netto.

BAE Systems kam im Jahr 2011 mit mehr als 90.000 Beschäftigten bei einem Umsatz von 19,2 Mrd. Pfund (24,3 Mrd. Euro) auf einen operativen Gewinn von 1,6 Mrd. Pfund.

Die Politik will mitsprechen

Beide Unternehmen sind in zahlreichen Ländern der Welt als Rüstungslieferanten tätig, darunter in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Saudi-Arabien und Australien. Es sei in Vorbereitung eines Zusammenschlusses auch mit mehreren Regierungen gesprochen worden, hieß es aus dem EADS-Umfeld.

Der multinationale Konzern EADS ist die Mutter des Flugzeugbauers Airbus, des Hubschrauberherstellers Eurocopter, der Verteidigungssparte Cassidian und der Raumfahrttochter Astrium.

BAE Systems entwickelt über seine weit verzweigte Tochterunternehmen und Beteiligungen unter anderem Jagdflugzeuge, Bomber, Militärtransporter, schwere Kriegsschiffe, U-Boote, Geschütze, Schützenpanzer, zivile Passagierjets und Munition.

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In den BAE-Werften arbeiten Schiffbauer derzeit auch an dem neuen britischen der Queen-Elizabeth-Klasse, das derzeit wichtigste Prestigeprojekt der britischen Royal Navy, das als milliardenschweres Rüstungsvorhaben nicht eine Projektsfläche patriotischer Empfindungen abgibt, sondern auch vor allem die britische Machtsstellung auf den Weltmeeren untermauern soll.

Branchenexperten hegen Zweifel

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Fusionsverhandlungen berichtet. Die Aktien von BAE Systems waren daraufhin stark gestiegen. Aus Analystensicht dürfte ein Zusammenschluss der beiden Konzerne durchaus sinnvoll erscheinen, vor allem mit Blick auf die Kernkompetenzen in den Bereichen Luftfahrt.

Offen ist bislang allerdings noch, wie EADS-Chef Enders wird EADS-Chef nach einem Zusammenschluss mit BAE etwaige nationale Befindlichkeiten und offensichtlich kulturelle Differenzen in den "Proporzspiele" bei Airbus integrieren will.

Frankreich und Deutschland haben bislang stets eine Art Machtbalance im Aktionärskreis von EADS aufrechterhalten, wobei der französische Staat direkt an EADS beteiligt ist, auf der deutschen Seite hat Daimler den maßgeblichen Einfluss.

Daimler bleibt beim Teilausstieg

Der Stuttgarter Autobauer hält trotz der Pläne für einen Zusammenschluss von EADS und BAE Systems an seinem Teilausstieg bei dem französisch-deutschen Fusionspartner fest. "An den Absichten von Daimler, seinen Anteil an der EADS bis Jahresende weiter zu verringern, hat sich nichts geändert", bestätigte ein Sprecher.

"Wir führen weiterhin auch unsere Gespräche mit der Bundesregierung bezüglich der Transaktion mit der KfW." Daimler will seine EADS-Beteiligung von 15 Prozent halbieren und will einen 7,5-Prozent-Anteil an die Staatsbank KfW loswerden. Am freien Markt wäre ein solches Anteilspaket angesichts des geringen Streubesitzes der EADS-Aktie schwer zu platzieren.

Der Luft- und Raumfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, hatte noch am Dienstag bestätigt, dass noch in diesem Jahr mit einem Abschluss der Gespräche mit Daimler zu rechnen sei. Die französischen Großaktionäre von EADS müssen der Transaktion aber zustimmen.

EADS und BAE arbeiten bereits seit längerer Zeit auf mehreren Tätigkeitsfeldern eng zusammen. Zurzeit bauen beide Unternehmen gemeinsam an dem Kampfjet Eurofighter "Typhoon" mit. Auch an dem europäischen Raketenbauer MBDA sind beide Firmen als Aktionäre beteiligt. Auch Fusionspläne hatte es schon gegeben. Die kamen aber bisher nicht zum tragen.

Im Jahr 2000 hatte der ehemalige EADS-Chef Rainer Hertrich erklärt, dafür gebe es momentan keine wirtschaftliche Begründung. Er wollte aber weitere Gespräche schon damals nicht ausschließen.

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Quelle: n-tv.de