Wirtschaft

Sorge um Finanzkraft Bahn prüft Teilverkäufe

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(Foto: picture alliance / dpa)

In den kommenden Jahren will die Bahn einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag investieren. Fast die Hälfte muss dabei aus der eigenen Kasse kommen. Das vergrößert den Schuldenberg - also muss frisches Geld her.

Die Deutsche Bahn sorgt sich angesichts der anstehenden Qualitäts- und Investitionsoffensive um ihre finanzielle Zukunft. Um Geld in die Kasse zu bekommen, will der Konzern möglicherweise Teile von Tochtergesellschaften verkaufen. Der Aufsichtsrat forderte den Vorstand auf, ein Konzept für eine Minderheitsbeteiligung Dritter an der britischen Tochter Arriva und der Spedition Schenker zu erstellen. Eine Entscheidung über den Verkauf soll im Herbst dieses Jahres fallen, teilte die Bahn mit. Nach früheren Angaben aus Aufsichtsratskreisen erwartet die Bahn von den beiden Teilverkäufen insgesamt Einnahmen von rund 4,5 Milliarden Euro.

Bahnchef Rüdiger Grube plant, die beiden Tochtergesellschaften 2017 bis 2019 an die Börse zu bringen und dabei jeweils bis zu 45 Prozent der Anteile zu platzieren. Der Begriff "Börsengang" taucht jedoch in der Mitteilung zu den Ergebnissen der Aufsichtsratssitzung nicht auf.

Mit einer Veräußerung sollen die geplanten Vorhaben finanziell abgesichert werden. "Wenn wir nicht gegensteuern, wird die Verschuldung des Konzerns bis zum Jahr 2020 deutlich steigen", sagte Aufsichtsratchef Utz-Hellmuth Felcht. Von 2016 bis 2020 würden rund 55 Milliarden Euro brutto investiert. Davon müssten 20 Milliarden Euro aus eigener Kraft finanziert werden. Bahn-Chef Rüdiger Grube sagte, Arriva und Schenker sollten auch in Zukunft voll in der Konzernbilanz konsolidiert werden.

Holdingstruktur wird aufgelöst

Im Zuge des Konzernumbaus entschied der Aufsichtsrat, dass die zweistöckige Holdingstruktur von Deutsche Bahn AG und DB Mobility Logistics AG aufgelöst wird. In letzterer sind die Eisenbahnverkehrsunternehmen und der Bereich Dienstleistungen der Bahn gebündelt. Hintergrund für diese Entscheidung ist, dass ein Börsengang der DB Mobility Logistics AG nicht mehr angestrebt wird.

Die Bahn hatte im vergangenen Jahr trotz eines Rekordumsatzes unterm Strich ein Minus von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Es ist das erste Defizit seit zwölf Jahren. Gründe waren Sonderabschreibungen im Schienengüterverkehr und die Kosten für den Konzernumbau.

Der Verkehrsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Sören Bartol, betonte, die Entscheidung über einen Börsengang von Arriva und Schenker werde erst im Herbst fallen. "Ich rate dazu, die Diskussion nicht am Haushalts- und Verkehrsausschuss des Bundestags vorbei zu führen", fügte er hinzu.

Für den Sprecher für Bahnpolitik in der Grünen-Fraktion, Matthias Gastel, markierte die Aufsichtsratssitzung den "vorläufigen Endpunkt eines jahrelangen Expansionskurses des Bahn-Konzerns". Er sprach sich aber gegen eine Teilprivatisierung aus. "Entweder sollten Arriva und Schenker einen stärkeren Beitrag zum Kerngeschäft liefern und im Konzern bleiben oder man trennt sich langfristig komplett von beiden Konzerntöchtern", sagte Gastel.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa