Wirtschaft

Höhere Abschreibungen für Athen Banken fürchten teuren Schnitt

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(Foto: REUTERS)

Die Beteiligung europäischer Banken am Rettungspaket für Griechenland könnte die Institute teurer zu stehen kommen als bislang bekannt. Die Deutsche Bank rechnet vor, dass die stark gestiegenen Risikoprämien für griechische Staatsanleihen auch den freiwilligen Beitrag der Finanzhäuser erhöht. Das bedeutet für die Banken höhere Abschreibungen.

Griechenland könnte für Europas Banken zu einem Fass ohne Boden werden. Die Institute müssen sich darauf einstellen, dass sie deutlich weniger von dem Geld zurückbekommen, das sie dem hoch verschuldeten Euro-Land geliehen haben, als noch im Sommer bei der Vereinbarung des Rettungspakets gedacht.

Die Deutsche Bank rechnete vor, dass sich die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nicht nur auf die ausgehandelten 21 Prozent belaufen, sondern de facto auf 25 Prozent und mehr. Das Geldhaus wollte damit eigentlich Befürchtungen in der Politik entgegentreten, die Banken kämen bei der Griechenland-Rettung zu billig davon. Tatsächlich befeuerte es aber die Sorgen der Anleger, dass eine Pleite des Landes etliche Banken in den Abgrund ziehen könnte, weil ihr Kapitalpolster zu dünn ist. Die europäischen Aktienmärkte gingen auf Talfahrt.

Mit Renditen steigt die Beteiligung

Athen bekommt frisches Geld (Private Sector Involvement, PSI). Es sieht vor, dass Banken und Versicherer ihre alten Griechen-Bonds gegen neue mit längerer Laufzeit tauschen. Damit geht ein 21-prozentiger Bewertungsabschlag einher, den die Wirtschaftsprüfer mit den Halbjahresbilanzen der Finanzinstitute gefordert hatten.

Wie die Group Controllerin der Deutschen Bank, Charlotte Jones, erläuterte, wurde damals allerdings mit einer Rendite auf griechische Staatsanleihen von neun Prozent kalkuliert. Inzwischen liegt sie deutlich höher, weil die Kurse der Anleihen am Markt deutlich gefallen sind. "Heute gibt es keine griechischen Staatsanleihen mit Renditen unter 13,75 Prozent", erklärte Jones. "Falls die PSI zu Marktzinsen umgesetzt wird, die höher als neun Prozent sind, erhöht sich mit jedem weiteren Anstieg des Zinssatzes um einen Prozentpunkt der Barwertabschlag für Investoren um knapp über vier Prozentpunkte."

Banken widersprechen Billig-Gerüchten

Der Bankenverband hatte in der vergangenen Woche klargestellt, dass der Kurs für die griechischen Anleihen, auf die ein Abschlag von 21 Prozent für die Finanzhäuser fällig werden soll, erst noch fixiert wird. Damit widersprach der Verband Berechnungen des finanzpolitischen Sprechers der Grünen, Gerhard Schick, wonach der starke Kursverlust griechischer Staatsanleihen den tatsächlichen Beitrag der Gläubigerbanken deutlich schmälern würde. Schicks Berechnungen zufolge würden sich die Banken unter dem Strich lediglich mit 8,3 Prozent beteiligen. "Das vom Internationalen Bankenverband entworfene Tauschangebot stellt ausdrücklich klar, dass die Zinsen für neue griechische Bonds bis zum endgültigen Tauschangebot angepasst werden, so dass ein Barwertverlust von 21 Prozent für die privaten Gläubiger erreicht wird. Dies gilt auch bei sich verändernden Marktkonditionen."

Dass die Renditen in absehbarer Zeit wieder heruntergehen, ist derzeit nicht in Sicht - im Gegenteil, die Unsicherheit ist nach wie vor groß. Das konkrete Umtauschangebot der griechischen Regierung liegt voraussichtlich erst im Oktober vor und nach wie vor ist unklar, wieviele Gläubiger sich an der Umschuldung beteiligen. Je weniger es am Ende sind, desto größer müsste theoretisch der Schuldenschnitt sein, damit die nötige Entlastung für Griechenland zusammenkommt. Die Regierung in Athen spielt offenbar auch schon einen Schuldenschnitt um 50 Prozent durch, wie zwei griechische Zeitungen berichteten. Offiziell wurde das dementiert.

Wie groß ist das Loch?

Die große Frage ist, ob der europäische Bankensektor nach der Finanzkrise 2008 und den staatlichen Stützungsmaßnahmen in vielen Ländern inzwischen ausreichend gewappnet ist, wenn sich die Schuldenkrise zuspitzt. Damit werden sich über das Wochenende auch Notenbanker und Banker auf der IWF-Herbsttagung in Washington beschäftigen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Banken ein Kapitalloch von mindestens 200 Mrd. Euro haben. Manche Analysten gehen sogar noch weiter. Die französische Finanzaufsicht AMF rechnet damit, dass 15 bis 20 europäische Banken ihre Kapitaldecke stärken müssen, wie AMF-Chef Jean-Pierre Jouyet sagte. Das entspricht in etwa der Zahl an Instituten, die den letzten europaweiten Stresstest nur knapp bestanden hatten.

Die EU-Kommission versuchte zu beruhigen. Die Institute seien heute deutlich besser aufgestellt als vor drei Jahren. "Es gibt keinen großen europäischen Plan, die Banken in Europa zu rekapitalisieren", sagte ein Sprecher. So oder so, Experten wünschen sich eine große Lösung. Sollte es zu einer Rekapitalisierung kommen, dann müssten alle verfügbaren Quellen genutzt werden, sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater: "Eigentümer, Gewinne und in einigen Fällen auch der Staat - wobei ein europäisches Vorgehen hier sinnvoll wäre."

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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