Wirtschaft

Milliardenfache Dankbarkeit China kauft sich Loyalität zusammen

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Mit milliardenschweren Entwicklungshilfen erkauft sich China wichtige Absatzmärkte und vor allem Loyalität.

(Foto: REUTERS)

China päppelt mit umfangreichen Auslandshilfen die Wirtschaftsleistung von Dutzenden Entwicklungs- und Schwellenländern auf. Steigender politischer Einfluss und neue Absatzmärkte sollen am Ende die Investitionen lohnenswert machen.

Die Straßenverhältnisse in großen Teilen von Kambodscha sind übel. Fahrzeuge rumpeln stundenlang über Schotterpisten, um Menschen oder Güter durchs Land zu transportieren. Die Fertigstellung der Nationalstraße 214 im Norden wird deshalb sehnsüchtig erwartet. Das Projekt kurbelt die Wirtschaft an: 144 Kilometer Asphalt als Pfad in den Wohlstand. In zwei bis drei Jahren soll die Straße fertig sein. Das nötige Geld für ihren Bau, 116 Millionen US-Dollar, stammt aus China. Die Hilfsbereitschaft der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ist blankes Kalkül. Peking verschafft sich in Zeiten, in denen die geostrategischen Karten neu gemischt werden, mit großzügigen Krediten jede Menge Dankbarkeit und Loyalität in wirtschaftlich schwachen Staaten.

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Schulterschluss beim ASEAN-Treffen. Chinas Premier Li Keqiang (5. v. l.) ist sich der Loyalität Kambodschas sicher.

(Foto: REUTERS)

93 Schwellen- und Entwicklungsländer stehen auf der Liste, die China mit seiner Auslandshilfe über Fonds, Banken und staatliche Unternehmen unterstützt. Zwischen 2001 und 2011 hat die Volksrepublik die gigantische Summe von 671 Milliarden US-Dollar verteilt oder zugesagt, ergibt eine Studie der US-amerikanischen Denkfabrik RAND Corporation. Die Gelder fließen nach Afrika, Lateinamerika und in alle Teile Asiens. „Die chinesische Außenpolitik will die Unterstützung dieser Länder in internationalen Angelegenheiten gewinnen. China ist eine aufsteigende Macht, es braucht diese Unterstützung“, sagt Sun Fei vom chinesischen Verband für Internationale Investitionen.

Gradmesser ASEAN-Treffen

Der Loyalität Kambodschas kann sich China gewiss sein, wenn es beim Gipfeltreffen zwischen der Gemeinschaft südostasiatischer Staaten  ASEAN und der Volksrepublik in dieser Woche in Brunei abermals um territoriale Ansprüche im südchinesischen Meer geht. Schon im vergangenen Jahr streute China mit seiner Großzügigkeit in alle Richtungen Zwietracht unter den ASEAN-Staaten, denen es erstmals in 45 Jahren nicht gelang, eine gemeinsame Abschlusserklärung bei einem ihrer Gipfel zu verfassen. Das lag auch daran, dass Länder wie Kambodscha oder Myanmar nicht eindeutig Position beziehen wollten. Mit ihrem Geld macht die Volksrepublik schwache Mitglieder gefügig. Nach Myanmar flossen eine Milliarde Dollar zum Bau eines Damms, in Indonesien 1,9 Milliarden in ein Bergbau-Unternehmen. Auch in robusten Tigerstaaten wie Malaysia investiert die China State Grid 16,1 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien.

Die Dynamik des Geldverleihens der Chinesen nimmt von Jahr zu Jahr drastisch zu. 2001 waren es erst 1,7 Milliarden Dollar, 2009 bereits 125 Milliarden, und im Jahr 2011 stieg das Volumen auf gut 189 Milliarden. Der offizielle Verteidigungshaushalt der Volksrepublik war nicht einmal halb so groß. Im Vergleich dazu beträgt die Entwicklungshilfe 2013 der Bundesrepublik Deutschland 6,3 Milliarden Euro. China steckt drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in den Topf, Deutschland erreich t nicht einmal die 0,7 Prozent. China hat jedoch kein Geld zu verschenken, weshalb die Regierung ihre Entwicklungshilfe als Kredite vergibt mit drei Prozent Zinsen und 15 Jahren Laufzeit. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert Entwicklungshilfe dagegen als Subvention oder Zuwendung.

Proteste nach aggressivem chinesischen Abbau

Den Nehmerländern ist das egal. Das Geld ist günstig und schafft Perspektiven für Wachstum. Darin liegt auch die Strategie der Chinesen. Dankbarkeit und Loyalität sind nur ein Teil der Rechnung, die Peking aufmacht. Der andere Teil ist wirtschaftlicher Natur. China unterstützt gezielt Projekte zur Förderung von Rohstoffen wie Kohle, Öl, Gas oder Metall und zur Entwicklung der Infrastruktur. Die Idee ist, dass China zum bevorzugten Abnehmer der Rohstoffe wird, bestenfalls zu günstigen Preisen. Die Kreditnehmer hoffen auf den Zugang zu Technologien aus China, um die eigene Wirtschaft aufzuwerten. Gleichzeitig steigert der Verkauf der Rohstoffe das Bruttoinlandsprodukt. Die höheren Einnahmen sollen auch in wachsenden Import chinesischer Güter investiert werden. „China versucht, die Kaufkraft der Länder zu erhöhen, damit deren Nachfrage für chinesische Produkte steigt“, sagt Experte Sun.

Die Länder nehmen das Geld gerne an. Doch in der Vergangenheit sorgten die Konsequenzen der chinesischen Präsenz mancherorts für massiven Ärger. Erhebliche Umweltschäden seien entstanden durch „aggressiven chinesischen Abbau“ von Kohle oder Metallen, so die RAND- Studie. In Somalia und Kenia kam es zu Spannungen zwischen Einheimischen und chinesischen Arbeitern, die zum Teil zu Tausenden von den Investoren ins Land gebracht werden. Es gab auch Berichte über chinesische Manager, die auf afrikanische Arbeiter geschossen haben sollen. Dennoch gibt es gute Gründe für China, die Entwicklungshilfe fortzusetzen. Das Land schafft sich seine eigenen Absatzmärkte und stützt damit das heimische Wachstum.

Größter Empfänger chinesischer Auslandshilfen war zwischen 2001 und 2011 im Übrigen Venezuela mit 106 Milliarden und der Iran mit 89 Milliarden Dollar. Beide Länder sitzen auf riesigen Öl- und Gasreserven und sind mit den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, verfeindet.

Quelle: ntv.de