Wirtschaft

Worte statt Taten Chinas Notenbank beruhigt die Märkte

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Erst fallen die Kurse kräftig, dann ziehen sie an.

(Foto: REUTERS)

Um an den Finanzmärkten Eindruck zu schinden, müssen Notenbanken nicht unbedingt überzeugende Maßnahmen ergreifen. Deutliche Worte reichen in der Regel aus. So gelingt es Chinas Zentralbank problemlos, die Börsenkurse nach oben zu treiben.

Eine verbale Intervention der chinesischen Notenbank hat an den Märkten für merkliche Entspannung gesorgt. Nach einer fulminanten Erholung im späten Geschäft beendete der Aktienmarkt in Schanghai den Handel nur noch mit einem kleinen Minus. Zwischenzeitlich hatten die Sorgen um eine drohende Kreditklemme den Shanghai-Composite um mehr als 5 Prozent in die Tiefe gerissen. Doch diese Verluste konnten im späten Verlauf fast vollständig aufgeholt werden. Bereits am Vortag hatte der Index aus Angst vieler Investoren vor einer drohenden Kredit-Klemme mit einem deutlichen Minus geschlossen.

Der Grund für die Erholung: Die People's Bank of China hatte versichert, die Liquiditätsrisiken im Interbankenmarkt weitgehend unter Kontrolle zu haben. Vize-Direktor Ling Tao kündigte an, die Zinsen auf eine "vernünftige Spanne" zurückzuführen. Was das genau heißt, verriet er allerdings nicht. Aber Investoren reichte das offenbar aus. Auch dass die Pressekonferenz erst nach Börsenschluss stattfand, störte sie nicht. Denn die Zentralbank hatte offenbar vorher Informationen durchsickern lassen - daraufhin ging es an der Börse aufwärts.

Exzessive Kreditvergabe

Anfang Juni hatte die Notenbank die Zügel auf dem Kreditmarkt angezogen, um der Gefahr einer Kreditblase vorzubeugen. Das allerdings verunsicherte nicht nur Investoren, sondern auch Banken. In der vergangenen Woche wurde berichtet, der chinesische Interbankenmarkt sei zeitweise praktisch zum Stillstand gekommen. Die Geldhäuser hatten Angst, sich gegenseitig Geld zu leihen und verlangten für einwöchige Kredite untereinander zweistellige Zinsen. Die große staatliche Bank of China sah sich sogar genötigt, Gerüchte über ihre Zahlungsunfähigkeit zu dementieren.

Am Montag hatte sich die Lage mit einem Satz von 7,53 Prozent wieder etwas beruhigt. Am Dienstag fiel der Zins weiter auf 6,5 Prozent. Im Vergleich mit dem weitgehend konstanten Niveau von 3,3 Prozent in den Monaten vor Juni sind die Zinsen aber nach wie vor fast doppelt so hoch. Der jüngste Anstieg der Geldmarktsätze sei nur vorübergehend, versicherte Ling. Saisonale Faktoren, die sich auf die Geldmarktsätze auswirken, würden nachlassen.

Mit einer Intervention könnte die Notenbank die kurzfristigen Zinsen schnell wieder nach unten bringen. Analysten gehen jedoch davon aus, dass sie die Turbulenzen bewusst in Kauf nimmt. Die Zentralbanker versuchen ihrer Meinung nach, die Kreditvergabe der Banken und Investitionen zu drosseln, die sie als exzessiv und riskant ansehen.

Denn es mehren sich die Zeichen, dass die Regierung um den seit drei Monaten amtierenden Staatspräsidenten Xi Jinping bei der Konjunktur das Tempo deutlich zurückfahren will. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hatte in der vergangenen Woche klargestellt, dass er die Qualität des Wachstums verbessern will. Dazu soll auch aus dem aufgeblasenen Finanzsektor des Landes Luft abgelassen werden.

"Die neue Führung des Landes hat einen ganz anderen Fokus als die alte", schrieb Goldman-Sachs-Experte Yu Song. Dies könnte zu einem geringeren, aber nachhaltigeren Wachstum führen. Der Analyst geht nach den jüngsten Daten davon aus, dass der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal weiter zurückgeht und die Wirtschaft nur noch um 7,5 Prozent wachsen könnte. 2012 hatte das Wachstum Chinas bei 7,8 Prozent gelegen - das war das schwächste Jahr seit 1999.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa/DJ