Wirtschaft
Gewerkschaften loben die Erhöhung des Mindestlohns - aus der Wirtschaft kommen kritische Stimmen.
Gewerkschaften loben die Erhöhung des Mindestlohns - aus der Wirtschaft kommen kritische Stimmen.(Foto: dpa)
Sonntag, 01. Januar 2017

34 Cent mehr pro Stunde: DGB: Höherer Mindestlohn steigert Kaufkraft

Zwei Jahre nach seiner Einführung wird der Mindestlohn erstmals erhöht. Der Deutsche Gewerkschaftsbund erwartet von den zusätzlichen 34 Cent positive Effekte, etwa bei der Kaufkraft.

Mit Beginn des neuen Jahres wird in Deutschland ein höherer Mindestlohn fällig: Die unterste Bezahlung steigt um 34 Cent auf nunmehr 8,84 Euro pro Stunde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund betonte, dies komme Millionen Geringverdienern zu Gute. Sie hätten bei einer Vollzeitstelle monatlich etwa 55 Euro mehr in der Tasche, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Jeder Cent Mindestlohn mehr bedeute mindestens 50 Millionen Euro mehr Kaufkraft pro Jahr, sagte er.

Der höhere Mindestlohn habe auch Auswirkungen auf die Arbeitszeiten bei Minijobs, betonte der DGB. Um die Grenze der geringfügigen Beschäftigung bei 450 Euro zu erreichen, müsse nun nur noch 50,9 Stunden monatlich gearbeitet werden. Körzell mahnte zugleich wirksame Kontrollen auch in kleineren Betrieben an, damit der Mindestlohn auch überall ankomme.

Positive Effekte bei Verdienstentwicklung

Eine DGB-Auswertung von Zahlen des Statistischen Bundesamts belegt den Angaben zufolge die positiven Effekte auf die Verdienst- und Beschäftigtenentwicklung. So seien die Verdienste bei Un- und Angelernten seit Einführung des Mindestlohns bis Ende des dritten Quartals 2016 bundesweit um 4,0 Prozent gestiegen. Im Westen lag das Plus demnach bei 3,5 Prozent, im Osten bei 9,6 Prozent. Frauen profitierten bundesweit mit einem Plus von 3,9 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten stieg bundesweit um 4,2 Prozent.

Die Anhebung zum Jahreswechsel ist die erste Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns seit der Einführung Anfang 2015. Bislang betrug die Lohnuntergrenze 8,50 Euro.

Kritik am Mindestlohn gab es immer wieder von Wirtschaftsseite. Bereits Mitte Dezember war IW-Tarifexperte Christoph Schröder in der "Welt am Sonntag" mit einer ernüchternden Einschätzung vorgeprescht: "Negative Beschäftigungseffekte sind vor allem durch ausgefallene Einstellungen zu beobachten. Ohne den Mindestlohn hätten 60.000 zusätzliche Jobs entstehen können."

Quelle: n-tv.de