Wirtschaft
Die deutschen Exporte sind September unerwartet stark gesunken.
Die deutschen Exporte sind September unerwartet stark gesunken.(Foto: Christian Charisius/dpa)
Donnerstag, 08. November 2018

Gegenwind im Welthandel: Deutsche Firmen exportieren weniger

Die Aussicht auf neue Zollhürden, der geplante EU-Austritt der Briten und die Krise in der Türkei wirken sich negativ auf den deutschen Außenhandel aus. Im Herbst bekommen das die Exporteure stärker zu spüren als erwartet.

Gegenwind für Deutschlands Exporteure im September: Weltweit lieferten die Unternehmen Waren im Wert von insgesamt 109,1 Milliarden Euro aus, das waren 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr und 0,8 Prozent weniger als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Für Fachleute kommt der Rückgang überraschend: Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es im August noch ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben hatte. Immerhin: Die Inlandsnachfrage blieb im September stabil. Die Importe stiegen um 5,3 Prozent auf 90,7 Milliarden Euro.

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Die Export-Bilanz für die ersten neun Monate fällt weiter positiv aus: Die Ausfuhren von "Made in Germany" stiegen um 3,5 Prozent auf 988 Milliarden Euro. Dabei wuchsen die Geschäfte mit EU-Ländern mit einem Plus von 4,6 Prozent überdurchschnittlich, die Geschäfte mit der Eurozone legten sogar um 5,4 Prozent zu. Die Ausfuhren in Drittländer wie USA und China legten dagegen nur um 2,1 Prozent zu. Die Importe stiegen um 6,0 Prozent auf 813,6 Milliarden Euro.

WLTP hemmt die Autobauer

Die deutsche Exportwirtschaft hatte sich zuletzt bereits auf mehr Gegenwind eingestellt, denn Handelshürden, der drohende Brexit und schwächelnde Schwellenländer wie die Türkei bremsen derzeit den globalen Handel.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme: Deutsche Autohersteller wie Volkswagen haben Schwierigkeiten mit der Umstellung auf den strengeren Abgasmesszyklus WLTP, weshalb sie ihre Produktion drosseln mussten. Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet aber, dass die WLTP-Problematik nun schrittweise überwunden werde. Mit einer Belebung der Automobilindustrie rechnet die Behörde zum Ende des Jahres.

"Angesichts der vielen Unsicherheiten, insbesondere ausgelöst durch die direkten und indirekten Folgen der Handelsstreitigkeiten, blicken wir mit Vorsicht in Richtung Jahresende", hatte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, jüngst erklärt.

Quelle: n-tv.de