Wirtschaft
Mittwoch, 15. Februar 2012

Wachstumsdelle am Jahresende: Deutsche Wirtschaft schrumpft

Die deutsche Wirtschaftskraft erhält zum Ende des vergangenen Jahres erwartungsgemäß einen kleinen Dämpfer. Das BIP schrumpft allerdings etwas weniger als zunächst erwartet. Positive Impulse kommen vor allem von den Bauinvestitionen, negative dagegen vom Außenhandel.

Vor allem der Bausektor hat deutlich mehr investiert als im Vorquartal.
Vor allem der Bausektor hat deutlich mehr investiert als im Vorquartal.(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2011 zum ersten Mal seit fast drei Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Grund waren sinkende Konsumausgaben und fehlende Impulse vom Außenhandel, teilte das Statistische Bundesamt mit. Einen stärkeren Rückgang verhinderten steigende Investitionen: Vor allem Bauinvestitionen waren deutlich höher als im dritten Quartal 2011. Für das Gesamtjahr 2011 bestätigten die Statistiker ein Wachstum der deutschen Wirtschaft um 3,0 Prozent.

Ein Minus hatte es zuletzt auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 gegeben, das mit vier Prozent sehr stark ausfiel. Analysten hatten für das Jahresende sogar einen Rückgang von 0,25 Prozent erwartet. Im Sommer war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,6 Prozent gewachsen und damit etwas stärker als zunächst mit 0,5 Prozent angegeben.

Im Vergleich zum vierten Quartal 2010 stieg die Wirtschaftsleistung im letzten Quartal 2011 allerdings. Das preisbereinigte BIP war um 1,5 Prozent höher als im vierten Quartal  2010. Damit habe sich das Wirtschaftswachstum zum Jahresende 2011 zwar abgeschwächt, die Wirtschaftsleistung habe aber auch im zweiten Jahr nach der Wirtschaftskrise in allen Quartalen klar über  dem Niveau des Vorjahres gelegen, erklärten die Statistiker.

Schuldenkrise verunsichert

Experten führten das vorläufige Ende des deutschen Aufschwungs auf die nicht enden wollende Schuldenkrise in den Euro-Ländern zurück. "Sie hat zu einem drastischen Vertrauensschwund bei Unternehmen und Verbrauchern gesorgt", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Finanzmärkte mit Geld zu fluten, habe die Lage aber beruhigt.

Die Chancen für eine rasche Erholung sind deutlich gestiegen. Das GfK-Konsumklima ist so gut wie seit knapp einem Jahr nicht mehr, ebenso die ZEW-Konjunkturerwartungen der Analysten, während sich das Ifo-Geschäftsklima zuletzt drei Mal in Folge aufhellte. "Die deutsche Wirtschaft kommt mit einem blauen Auge davon", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. Ein weiterer Rückgang und damit eine Rezession könne im ersten Quartal verhindert werden. "Für die Menschen fühlt es sich nicht nach Rezession an: der Arbeitsmarkt ist stabil, die ersten Tarifabschlüsse in diesem Jahr fielen recht hoch aus", sagte Scheuerle. "Der Konsum wird in diesem Jahr wachsen."

Leichtes Wachstum 2012

Die Bundesregierung erwartet 2012 ein Wachstum von 0,7 Prozent. 2011 hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um drei Prozent zugelegt.

Quelle: n-tv.de