Wirtschaft

Deutsche Bank fährt Gewinn ein Die Ruhe vor dem Sturm

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Anshu Jain (li.) uns Jürgen Fitschen werkeln an einer neuen Strategie für die Deutsche Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutsche Bank schließt das Jahr überraschend gut ab. Doch die Zahlen trügen: Die Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen brauchen dringend eine neue Strategie und werkeln fieberhaft daran. Schon bald könnte kein Stein auf dem anderen bleiben.

Auf den ersten Blick hat das neue Jahr für Anshu Jain und Jürgen Fitschen gut begonnen. Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank haben 2014 den Gewinn auf knapp 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Und statt eines erneuten Verlustes hat ihre Bank im letzten Quartal sogar einen Gewinn geschrieben. Es ist ein kleines Hoffnungszeichen in ihrer bislang sehr durchwachsenen Bilanz. Drei rote Quartale haben sie in ihrer Amtszeit schon eingefahren. Dabei stehen sie gerade mal seit knapp zweieinhalb Jahren an der Spitze der Bank.

Die Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschlands größtes Geldhaus dringend eine neue Strategie braucht. Der Plan der Co-Chefs Jain und Fitschen ist bisher kaum aufgegangen. 2012 waren sie mit dem Versprechen angetreten, Milliarden einzusparen, um die Bank profitabler und stabiler aufzustellen. Seitdem hat die Bank zwar ihr Kapital deutlich aufgepolstert und eine Menge fauler Kredite und anderen Bilanzmüll entsorgt.

Doch der Aktienkurs hinkt dem der wichtigsten US-Konkurrenten hinterher. 12 Prozent hatten Jain und Fitschen als Renditeziel ausgerufen. Doch davon sind sie Lichtjahre entfernt. Was die Bank an Kosten eingespart hat, hat sie an anderer Stelle wieder ausgegeben. Deshalb müssen die Co-Chefs nun ihre eigene Strategie auf den Prüfstand stellen. Im Frühjahr wollen sie sie enthüllen. Und dabei könnte kein Stein auf dem anderen bleiben.

Dunkle Geschäfte bremsen Gewinn

Bisher hängt das Wohl und Wehe der Deutschen Bank daran, wie günstig und wie schnell sie sich bei Aufsehern und verprellten Kunden für die zahlreichen dunklen Geschäfte ihrer Vergangenheit freikaufen kann. Steigen die Rechtskosten, verhagelt ihr das sofort die Bilanz. Läuft es gut, sehen die Zahlen besser aus, so wie im letzten Quartal. 6000 Verfahren laufen laut Finanzchef Stefan Krause noch. Die Altlasten sind für die Bank mittlerweile so bedrohlich, dass Fitschen und Jain einen eigenen Vorstand dafür berufen haben. Als Troubleshooter kümmert sich Christian Sewing seit Januar um nichts Anderes als die diversen Skandale der Bank und was sie den Finanzriesen kosten werden.

Eine Menge dieser Altlasten haben Jain und Fitschen zwar schon abgearbeitet. Der EU haben sie Ende 2013 für die jahrelange Manipulation der Libor-Zinsen 725 Millionen Euro gezahlt. Doch die Geldbußen in den USA und Großbritannien stehen noch aus. "Die Belastung durch Rechtsstreitigkeiten bleibt hoch", räumte Jain am Dienstag in einer Telefonkonferenz ein. "Das wird auch 2015 eine Herausforderung sein."

Die richtig dicken Brocken kommen erst noch. Auch die Währungskurse soll die Bank als einer der größten Devisenhändler manipuliert haben. Die Aufseher in Washington und London haben fünf andere Banken deswegen bereits zu einer Strafe von 3,4 Milliarden Dollar verdonnert. Auch auf die Deutsche Bank kommt eine Millionenstrafe zu. Es sei nicht absehbar, wann die einzelnen Fälle zu den Akten gelegt werden könnten, sagte Jain.

Zudem hat die Staatsanwaltschaft München Fitschen und einige Ex-Vorstände wegen angeblichem Prozessbetrug in der Kirch-Affäre angeklagt. Sollte das Gericht die Anklage zulassen, wird die Verhandlung wohl noch in diesem Jahr beginnen. Dann muss der Deutsche-Bank-Chef vor Gericht.

"Unvermeidliche Kostensenkungen"

Die Bank steckt zudem in der Profitklemme. Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet die Märkte mit Geld und drückt die Zinsen in den Keller. Mit stabilen Bereichen wie dem Privatkundengeschäft, das Fitschen und Jain eigentlich gerne ausbauen würde, verdient die Bank kaum noch Geld. Ihr einstiges Ziel, drei Milliarden Euro vor Steuern mit den Privatkunden einzufahren, haben die Co-Chefs um Längen verfehlt.

"Dann bleibt nur eine Möglichkeit: Man muss die Kosten senken", hat Fitschen kürzlich in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" gesagt. Weitere Kostensenkungen seien "unvermeidlich". Nicht nur bei der Deutschen Bank sondern in der gesamten Branche. Das bedeutet schlimmstenfalls Entlassungen. Oder einen Verkauf von Geschäftsteilen.

Die Bank habe noch keine "ausreichenden Fortschritte bei der Reduzierung der Kosten" erreicht, deshalb "arbeiten wir mit Nachdruck an einer neuen Strategie", sagte Fitschen. Die Deutsche Bank steht womöglich vor einem Konzernumbau. Finanzchef Krause haben Fitschen und Jain dafür abgestellt, er kümmert sich seit November als Strategiechef um den neuen Masterplan. Dabei gibt es offenbar keine Tabus: Die Bank soll auch einen Verkauf der Postbank durchspielen. Wie es weitergeht, müssen Jain und Fitschen bald sagen. Im März stellen sie den Geschäftsbericht vor. Es wäre ein guter Zeitpunkt, das Geheimnis zu lüften.

Quelle: ntv.de