Wirtschaft

Ruinöse Spirale aus fallenden Preisen? Draghi schaut sich Eurokurs genau an

Krim-Krise, Konjunkturängste aus China - der Euro kennt seit Wochen nur eine Richtung: nach oben. Die 1,40er Marke ist greifbar. Das sorgt allerdings in der EZB für einiges Kopfzerbrechen.

Den jüngsten Anstieg des Euro-Kurses verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) mit zunehmender Aufmerksamkeit. Wegen der niedrigen Teuerung werde die Aufwertung der Gemeinschaftswährung immer relevanter, wenn es darum gehe die Stabilität des Preisniveaus zu beurteilen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Ähnlich hatte sich zuvor Bundesbank-Präsident Jens Weidmann geäußert. Er hatte gesagt, die Aufwertung des Euro könne zu einer Veränderung der Teuerungserwartung führen und müsse deshalb bei der Reaktion der Geldpolitik berücksichtigt werden.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,13

Der Euro hatte sich zuletzt bis auf fast 1,40 Dollar verteuert. Dies kann die Exporte und damit die Konjunktur bremsen und würde so für zusätzlichen - aus Sicht der EZB unerwünschten - Druck auf das Preisniveau sorgen. Eine ruinöse Spirale aus fallenden Preisen, sinkendem Konsum und deshalb verzögerten Investitionen sieht Draghi allerdings nach wie vor nicht. Die Risiken für eine Deflation bezeichnete er als "sehr limitiert".

Draghi überrascht mit Untätigkeit

Mit derselben Begründung hatte die EZB vergangene Woche auf eine weitere Zinssenkung verzichtet und den Leitzins bei 0,25 Prozent belassen, dem niedrigsten Stand seit Einführung des Euro. Draghi warnte allerdings, je länger die Teuerung niedrig bleibe, desto größer würden die Risiken. Die EZB sei deshalb jederzeit bereit einzuschreiten. "Sollten die Teuerungserwartungen sich aus ihrer Verankerung lösen, würde das mit zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen beantwortet."

Das von der EZB vergangene Woche wiederholte Versprechen, den Leitzins auf dem erreichten niedrigen Niveau noch für eine längere Zeit zu belassen oder sogar noch weiter zu senken, wirkt laut Draghi wie eine zusätzliche geldpolitische Lockerung. "Dies sollte die Nachfrage nach Krediten unterstützen und einen sich selbst verstärkenden Kreislauf von höheren Investitionen, steigendem Konsum, Wachstum und einem leicht anziehenden Preisniveau in Gang setzen."

Quelle: ntv.de, bad/rts

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