Wirtschaft
Solarworld braucht wohl wieder frisches Kapital.
Solarworld braucht wohl wieder frisches Kapital.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 22. März 2017

Erneuter Kursrutsch: Droht Solarworld die Pleite?

2013 droht Solarworld das Aus. Aber die Gläubiger stimmen für einen massiven Schuldenschnitt - und retten das Unternehmen. Nun sieht es wieder düster aus für den einstigen deutschen Solar-Highflyer.

Die Aktien von Solarworld müssen den zweiten Handelstag in Folge deutliche Kursverluste verbuchen. Nachdem die Titel am Dienstag bei 3,55 Euro rund 10 Prozent abgesackt waren, rutschten sie zur Wochenmitte weitere mehr als 7 Prozent ab. Am Dienstag lag das Tagestief bei 2,70 Euro, am Mittwoch nun bei 3,05 Euro. Grund für den Abwärtstrend ist laut Händlern die zunehmende Gefahr einer Pleite.

Nach einem Verlust von 28,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr sank das Eigenkapital der Aktiengesellschaft auf 2,6 von zuvor 30,8 Millionen Euro. "Das Unternehmen ist massiv von der Pleite bedroht", sagte Sven Diermeier, Analyst bei Independent Research.

Frisches Kapital benötigt

Im laufenden Jahr soll zwar der Verlust eingedämmt werden, operativ aber immer noch ein Minus stehen. "Das zehrt weiter am Eigenkapital", so Diermeier. Für ihn sei unklar, woher Solarworld-Chef Frank Asbeck neues Geld auftreiben will. "Extern neues Geld außerhalb des Aktionärskreises zu bekommen, wird schwierig", schätzt der Analyst.

Der Grund für den Verlust im vergangenen Jahr seien Rückstellungen und Wertberichtigungen wegen der eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen zur Erhöhung der Ertragsstärke, meldete das Unternehmen per Adhoc-Mitteilung.

China drückt weiter

Asbeck gelang es bereits einmal, eine Pleite abzuwenden. Im Jahr 2013 stimmten die Gläubiger einem massiven Schuldenschnitt zu und die Aktionäre einer Kapitalherabsetzung im Verhältnis von 150 zu 1. Als Investor konnte Asbeck, der in Branchenkreisen Sonnenkönig genannt wird, das Emirat Katar gewinnen. Doch eine wirkliche Trendwende gelang den Bonnern seither nicht. Die Billigkonkurrenz aus China setzt die heimische Produktion von Solarmodulen unter einen ruinösen Kostendruck.

Außerdem schwebt über dem Unternehmen das Damoklesschwert eines Gerichtsprozesses mit dem US-Siliziumlieferanten Hemlock. Beide Unternehmen streiten um 800 Millionen Dollar, die Solarworld nicht aufbringen könnte. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung um nicht abgenommenes Silizium.

Gewinnwarnung

Solarworld berief nun wegen des Verlusts von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der AG eine Hauptversammlung ein. Ein Datum für das Aktionärstreffen wurde noch nicht genannt. Das Unternehmen betonte, für den Gesamtkonzern habe sich das Eigenkapital inklusive aller Einzelgesellschaften zum 31. Dezember 2016 auf 120,5 Millionen Euro belaufen. Dies entspreche einer Eigenkapitalquote von 18 Prozent. Der Vorstand bestätigte zudem die vorab gemeldeten Konzerngeschäftszahlen 2016 und die Prognose für das Jahr 2017.

Im Februar hatte Solarworld schon über die operative Geschäftsentwicklung berichtet, die ebenfalls tiefer in die Verlustzone geraten war. Wegen des Preisdrucks rutschte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf minus 99 Millionen Euro, im Vorjahr hatte Solarworld einen Ebit-Verlust von 4 Millionen Euro geschrieben. Mit einem Konzernumbau und der Bündeldung von Aktivitäten an einzelnen Produktionsstandorten sowie dem Abbau von 400 Stellen bis 2019 will das Unternehmen gegensteuern. Das EBIT soll deshalb 2017 wieder steigen, allerdings noch in der Verlustzone bleiben.

Quelle: n-tv.de