Wirtschaft

"… dass du noch lebst" Elon Musk pöbelt gegen Bernie Sanders

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Elon Musk ist "Bloomberg" zufolge rund 285 Milliarden Dollar schwer.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/POOL)

Es ist nicht überraschend, dass Elon Musk so wenig Steuern wie möglich bezahlen will. Überraschend ist jedoch, wie infantil der reichste Mensch der Welt deshalb US-Senatoren beschimpft.

Elon Musk mag es, per Twitter zu eskalieren. Sein neuester Gegner: Bernie Sanders. Der US-Senator hatte am Wochenende angesichts der Steuervermeidung von Superreichen getwittert: "Wir müssen verlangen, dass die extrem Wohlhabenden ihren fairen Anteil zahlen. Punkt". Das hält der reichste Mensch des Planeten allerdings für keine gute Idee. "Ich vergesse ständig, dass du noch lebst", ätzte der Tesla-Gründer in Richtung des 80-Jährigen.

Der Hintergrund: In den USA wird über die Steuervermeidung von und über höhere Steuern für Superreiche diskutiert. Die Einkommens- und Vermögensschere hatte sich in der Corona-Krise noch weiter geöffnet.

Der Multi-Milliardär, dessen Vermögen "Bloomberg" auf rund 285 Milliarden US-Dollar schätzt, hat offenbar eine kurze Zündschnur. Ein Beispiel von vielen: Einen Rettungstaucher beim Höhlendrama in Thailand 2018 beleidigte er als "pädophilen Kerl". Zuvor hatte Musk den Einsatz eines von seiner Raumfahrt-Firma SpaceX gebauten Mini-U-Boots vorgeschlagen. Die Rettungsleitung lehnte das Angebot ab, da das Boot nicht geeignet sei. "Er kann sich sein U-Boot dahin schieben, wo es wehtut", sagte der britische Taucher.

Doch nicht nur Zurückweisungen durch Profis machen Musk rasend. Forderung nach höheren Steuern machen das auch. "Möchtest du, dass ich noch mehr Aktien verkaufe? Sag' es doch einfach", giftete Musk in Richtung Sanders.

Musk hatte vergangene Woche erstmals seit Jahren Tesla-Aktien verkauft - und er muss die eingestrichenen Gewinne versteuern. "Forbes" schätzt den Erlös auf rund 23 Milliarden Dollar und die fälligen Steuern auf satte 15 Milliarden Dollar.

Lukrative Optionen

Dahinter steckt allerdings kein Altruismus. Musk stieß die Aktien nur ab, um lukrative Aktienoptionen einzulösen. Als Tesla-Chef bezieht er weder ein Festgehalt noch bekommt er Bonuszahlungen. Seine Vergütung besteht allein aus erfolgsabhängigen Aktienoptionen - also dem Recht, Tesla-Aktien bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Er darf diese Optionen aber nur dann ziehen, wenn Tesla vorher vereinbarte Ziele erreicht, etwa beim Börsenwert.

2012 bekam Musk von Tesla das Recht eingeräumt, 22,8 Millionen Aktien für jeweils 6,24 US-Dollar zu kaufen - einzulösen bis August 2022. Damals kostete eine Tesla-Aktie weniger als 6 Dollar, mittlerweile ist eine mehr als 1000 Dollar wert. Das heißt: Musk kann für 145 Millionen Dollar ein Aktienpaket kaufen, das derzeit fast 23 Milliarden Dollar wert ist. Beim Ziehen der Option werden Steuern in Milliardenhöhe fällig.

Sanders ist eine Ikone der Linken. Der Senator des Bundesstaats Vermont bezeichnet sich als "demokratischen Sozialisten". Er ist nicht Mitglied der Demokraten um Präsident Joe Biden, arbeitet im Senat aber mit ihnen eng zusammen. Weltweit bekannt wurde er 2016 durch seine Kandidatur bei den Vorwahlen gegen Hillary Clinton.

Als Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Senats kooperiert Sanders mit Senator Ron Wyden aus Oregon, der die treibende Kraft hinter der Forderung nach einer "Milliardärssteuer" ist. Sie würde die rund 700 US-Steuerzahler treffen, die ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen oder drei Jahre in Folge mindestens 100 Millionen Dollar Jahreseinkommen erzielt haben. Sie müssten auf Kursgewinne bei Wertpapieren künftig Steuern zahlen - selbst wenn sie nur auf dem Papier existieren und nicht durch Verkäufe realisiert worden sind.

Wyden, Leiter des Finanzausschusses, war derweil Anfang des Monats von Musk angepöbelt worden. Anlass war, dass Musk vor seinem Aktiendeal auf Twitter zur Abstimmung gestellt hatte, ob er Aktien verkaufen solle, um Steuern zu zahlen. Wyden hatte daraufhin geschrieben: "Ob der reichste Mann der Welt Steuern zahlt, sollte nicht von den Ergebnissen einer Twitter-Umfrage abhängen." Es sei Zeit, für eine Milliardärssteuer. Für Musk war das offenbar zu viel und Grund genug, vulgär zu werden: "Warum sieht dein Profilfoto so aus, als wärst du gerade gekommen?"

Quelle: ntv.de

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