Wirtschaft
Sponsorenaktion im Bremer Weserstadion: Nachdenklich steht ein Balljunge vor einem riesigen Transparent mit dem Volkswagen-Logo.
Sponsorenaktion im Bremer Weserstadion: Nachdenklich steht ein Balljunge vor einem riesigen Transparent mit dem Volkswagen-Logo.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 18. Oktober 2015

Razzia bei VW in Frankreich: Ermittler gehen gegen Volkswagen vor

Über Europas größtem Automobilkonzern brauen sich noch mehr dunkle Wolken zusammen: In Frankreich lassen die Behörden Geschäftsräume von VW durchsuchen. Dobrindt informiert seine EU-Kollegen. Europaweit drohen kostspielige Verfahren.

Im Zuge des Volkswagen-Skandals haben Ermittler in Frankreich dem dortigen VW-Unternehmenssitz einen unangemeldeten Besuch abgestattet. Die VW-Zentrale im nordfranzösischen Villers-Cotterêts sei durchsucht worden, hieß es aus Kreisen der französischen Justiz. Die informellen Angaben bestätigten einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Journal du Dimanche".

Die französischen Ermittler haben sich demnach auch Zugang zu den VW-Büros in Roissy im Norden von Paris verschafft. Die Durchsuchungen sollen bereits am Freitag stattgefunden haben. Es seien Unterlagen und Datenträger beschlagnahmt worden, hieß es.

Zähe juristische Aufarbeitung droht

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Abgastests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut.

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Die französische Justiz hatte bereits Anfang Oktober ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eingeleitet. In Frankreich waren in den vergangenen Jahren knapp eine Million Diesel-Fahrzeuge mit der manipulierten Software verkauft worden. Weitere Ermittlungen in den übrigen Absatzmärkten des VW-Konzerns dürften folgen.

VW verstieß gegen Europarecht

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat der Wolfsburger Automobilkonzern bei den Abgastests von Diesel-Fahrzeugen auch gegen Europarecht verstoßen. Das zumindest teilte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in einem Schreiben an 31 europäische Amtskollegen mit.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" verwies Dobrindt in dem zweiseitigen Brief auf einen Bescheid des Kraftfahrt-Bundesamts vom Donnerstag. Darin habe die Kontrollbehörde festgestellt, dass es sich bei den von VW in bestimmte Diesel-Fahrzeuge eingebauten Softwareprogrammen um unzulässige Abschalteinrichtungen handle.

Dabei handelt es sich demnach um einen Verstoß gegen einen Artikel der EU-Verordnung Nr. 715/2007. Die Verordnung regelt unter anderem die Typgenehmigung von Autos hinsichtlich der Emissionen und den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen.

"Schadensersatz und Strafrechtsverfahren"

Die formelle Festellung eines Verstoßes gegen EU-Recht hat für Volkswagen konkrete juristische Folgen: "Mit diesem Schreiben muss der VW-Konzern jetzt europaweit mit Schadensersatzforderung und Strafrechtsverfahren rechnen", erklärte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte am Donnerstag einen verpflichtenden Rückruf für alle VW-Fahrzeuge mit manipulierter Motor-Software in Deutschland angeordnet. Allein in Deutschland zwingt der mit Abstand größte Rückruf in der VW-Firmengeschichte 2,4 Millionen Autofahrer nächstes Jahr dazu, mit den Dieseln zur Nachbesserung zu fahren. Der Rückruf soll im Januar 2016 starten und dürfte sich bis zum Jahresende hinziehen. Europaweit muss der Konzern insgesamt 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen.

Quelle: n-tv.de