Wirtschaft

Prominenter Jurist festgenommen Erster Anwalt wegen "Cum-Ex" in U-Haft

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Laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt arbeitete der Rechtsanwalt bei einer international tätigen Großkanzlei.

(Foto: picture alliance/dpa)

Juristen, Banken, Fonds, Berater: Viele waren an den "Cum-Ex"-Deals, dem bislang größten deutschen Steuerskandal, beteiligt. Festnahmen von involvierten Rechtsanwälten gab es bislang noch nicht - das ändert sich nun. Ein bekannter Anwalt soll am Griff in die Staatskasse beteiligt gewesen sein.

Im Steuerskandal um "Cum-Ex"-Aktien-Deals zu Lasten der Staatskasse sitzt erstmals ein Beschuldigter in Untersuchungshaft. Es handele sich um einen Rechtsanwalt, der bei einer international tätigen Großkanzlei gearbeitet habe, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Ihm werde Beteiligung an Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der Mann sei vergangenen Freitag in U-Haft gekommen.

Der Mann sei an seinem Wohnort in Hessen festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Details wurden nicht genannt. Bundesweit sei es die erste Festnahme eines Rechtsanwaltes wegen "Cum-Ex"-Geschäften. Laut "Süddeutscher Zeitung" herrschte bei dem Anwalt Fluchtgefahr. Die Zeitung bezeichnet den Verdächtigen als "prominenten Steueranwalt". Unter anderem sei er für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer tätig gewesen, bis er diese auf eigenen Wunsch verlassen habe.

Die "Cum-Ex"-Affäre gilt als größter Steuerskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Banken, Fonds und Berater sollen sich über Jahre über komplexe Aktiengeschäfte an der Staatskasse bedient haben, indem sie sich Steuern erstatten ließen, die zuvor niemand gezahlt hatte. Der Schaden geht in die Milliarden. In Bonn stehen inzwischen zwei frühere Aktienhändler vor Gericht.

Bei "Cum-Ex"-Deals nutzten Investoren eine Lücke im Gesetz. Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende war den Behörden nicht mehr klar, wem die Papiere gehörten. Finanzämter erstatteten Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Dem Staat entstand ein Milliardenschaden. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. Diverse Staatsanwaltschaften ermitteln seit Jahren zu dem Komplex.

Quelle: ntv.de, agr/dpa