Wirtschaft
Am Arbeitsmarkt geht es laut Herbstgutachten weiter aufwärts.
Am Arbeitsmarkt geht es laut Herbstgutachten weiter aufwärts.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 26. September 2018

Wachstumserwartungen gesenkt: Forscher warnen vor schwerer Rezession

Die deutsche Wirtschaft wird nach Ansicht der führenden Forscher in den kommenden Jahren etwas langsamer wachsen. An Steuerüberschuss und Jobboom ändert das wenig. Allerdings nehmen die Risiken zu.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen im Falle einer Eskalation des Handelsstreits mit den USA mit einer schweren Rezession in Deutschland. In ihrem Herbstgutachten weisen sie zudem auf weitere Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung hin. Vor diesem Hintergrund senken sie ihre Wachstumserwartungen. An den sprudelnden Steuereinnahmen und dem Jobboom soll die Anpassung der Prognosen aber nichts ändern.

"Deutschland und Europa sind bisher zwar von dem von den USA ausgehenden Handelskonflikt weitgehend verschont geblieben", schreiben die Forscher in ihrem Herbstgutachten für die Bundesregierung. So seien die konjunkturellen Effekte der bisherigen Zölle gering. Aber "eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen". Vergeltungsmaßnahmen "dürften den Konjunktureinbruch in der EU abmildern und in den USA eine schwere Rezession auslösen".

US-Präsident Donald Trump beschwert sich regelmäßig darüber, dass die USA weit weniger Waren nach Deutschland und in die EU verkaufen als umgekehrt. Er hat vor einigen Monaten Strafzölle auf Aluminium und Stahl eingeführt. Auch Sonderabgaben auf Autos - dem größten deutschen Exportschlager - hat der Republikaner ins Spiel gebracht. Derzeit verhandeln EU und USA darüber, weshalb in dieser Frage eine Art Waffenstillstand herrscht.

Arbeitslosenquote sinkt weiter

Mit Blicke auf die deutsche Wirtschaft rechnen die Experten mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr nur noch um 1,7 Prozent. Für nächstes Jahr prognostizieren die Institute ein Plus von 1,9 (bisher: 2,0) Prozent. 2020 soll die Wirtschaft dann um 1,8 Prozent zulegen. Zur Begründung verwiesen sie auf einen sich abschwächenden Export sowie Produktionsengpässe wegen fehlender Arbeitskräfte.

Hinzu kämen der Handelsstreit mit den USA sowie der EU-Abschied Großbritanniens, "ohne dass erkennbar ist, wie sich das künftige Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gestaltet". Weitere Risiken seien Zweifel an der finanzpolitischen Stabilität Italiens sowie die Krisen in Schwellenländern wie der Türkei und Argentinien.

Mit Blick auf die öffentlichen Kassen rechnen die Wirtschaftsforscher trotz steigender Ausgaben in diesem Jahr mit einem Rekordüberschuss im Staatshaushalt von rund 54 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr sollen die Einnahmen immerhin noch um 40 Milliarden Euro über den Ausgaben liegen.

Die Gutachter rechnen zudem mit einem anhaltenden Jobboom. 2020 soll es rund 45,6 Millionen Beschäftigte geben, etwa 1,3 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Zugleich soll die Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent fallen, nach 5,7 Prozent im vorigen Jahr.

Die Gemeinschaftsdiagnose soll am morgigen Donnerstag in Berlin vorgestellt werden. Sie dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Prognosen. Diese rechnet bislang für das laufende Jahr mit einem BIP-Plus von 2,3 Prozent, für 2019 von 2,1 Prozent. Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.

Quelle: n-tv.de