Wirtschaft

Keine Autos mehr in Australien GM hat genug von "down under"

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General Motors Holden Veritas (2008) in einem Autohaus-Schauraum in Australien

(Foto: REUTERS)

Keine Chevrolets mehr in Europa, das "Government Motors"-Image abgelegt, eine Frau an die Spitze berufen: Bei General Motors ist einiges in Bewegung. Vor allem das schwächelnde Auslandsgeschäft will der US-Konzern in Fahrt bringen - ohne Australien.

Der US-Autokonzern General Motors ordnet sich neu. Nachdem der Staat bei GM ausgestiegen ist und das Unternehmen sein defizitäres Europageschäft umbauen will, steht nun ein Chefwechsel an und der australische Markt auf der Tagesordnung. Die dortige Tochter Holden soll den Angaben zufolge bis 2017 aufgelöst werden, tausende Jobs sind von dem Ausstieg betroffen.

Für Australiens konservative Regierung bedeutet das einen Schlag ins Gesicht: Die Wirtschaft auf dem fünften Kontinent schwächelt bereits seit längerem, nachdem der Rohstoffboom in der Minenbranche zum Erliegen kam.

"Schwierigster Markt der Welt

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GM lässt Australien fallen, zehntausende Jobs sind bedroht.

(Foto: REUTERS)

"Die Entscheidung für den Produktionsstopp in Australien spiegelt den Gegenwind wider, den die Autobranche in dem Land zu spüren bekommt. Dazu gehören der anhaltend starke australische Dollar, hohe Fertigungskosten, ein kleiner Binnenmarkt und wohl der wettbewerbsintensivste sowie fragmentierteste Fahrzeugmarkt der Welt", erklärte der scheidende GM-Chef Dan Akerson.

Gewerkschaften und Lobbyisten der Autobranche schlugen schon vor der jetzigen Entscheidung Alarm. Sie warnten vor einem volkswirtschaftlichen Schaden von 21 Milliarden Australischen Dollar oder umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro, sollte die Autoproduktion "down under" völlig auslaufen. Bis zu 45.000 Jobs wären direkt und bei Zulieferern im Ernstfall gefährdet.

Das Aus für die GM-Produktion könnte auch einen Rückzug des mit Toyota letzten verbleibenden Autoherstellers in Australien einläuten, warnen die Fachleute.

Akerson macht GM fit

GM
General Motors (GM) 37,09

GM räumt derzeit auf seinen schwachen Auslandsmärkten auf. In Südkorea belasten relativ hohe Löhne und ständige Arbeitskämpfe. Das maue Auslandsgeschäft hatte die Gewinne im vergangenen Jahr nachhaltig gedrückt. GM plant eine massive Produktionskürzung. In Südkorea soll die Fertigung laut Insidern bis 2016 um etwa 20 Prozent verringert werden. Einen Teil der südkoreanischen Produktion will General Motors nutzen, um den australischen Markt zu bedienen, so die informierten Personen weiter.

In der vergangenen Woche machte GM bereits einen Riesenschritt, um die größten Schwächen in seinem internationalen Geschäft auszumerzen. Künftig will sich GM in Europa auf seine deutsche Tochter Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall konzentrieren. Die Marke Chevrolet werde ab 2016 nicht mehr angeboten, so GM.

"Europa ist ein Schlüsselmarkt"

Chevrolet ist nach Angaben von GM die viertgrößte Automarke der Welt. In Deutschland fristet sie allerdings ein Nischendasein: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren zum Stichtag 1. Januar 2013 von den 43,4 Millionen zugelassenen Pkw in der Bundesrepublik nur knapp 248.000 von Chevrolet. Die Marke hatte damit in Deutschland einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Die Fahrzeuge von Chevrolet für den europäischen Markt werden großteils in Südkorea gefertigt.

"Europa ist eine Schlüsselregion für GM", hatte Akerson gesagt. Gleichzeitig ist GM für die Luxusmarke Cadillac gerade dabei, die Planungen für eine Expansion in Europa in den kommenden drei Jahren abzuschließen, wie der Konzern weiter mitteilte. Bislang verkauft die Marke in Europa minimale Stückzahlen - und ist ein Konkurrent der deutschen Oberklassehersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz.

Frau übernimmt GM

Akerson versucht offenbar, seinem Ruf als Restrukturierer gerecht zu werden, und mit den nun eingeleiteten Maßnahmen seinem Nachfolger einen leichten Start zu ermöglichen. Der Verwaltungsrat von General Motors berief überraschend die 51 Jahre alte Mary Barra ans Steuer des Konzerns. Die bisherige Vize-Präsidentin ist derzeit für die weltweite Produktentwicklung verantwortlich. Barra wäre weltweit die erste Frau an der Spitze eines großen Automobilkonzerns.

Barra ist keineswegs neu im Geschäft. Sie ist eine Frau mit Benzin im Blut. Die Ingenieurin kam schon seit 1980 als Studentin zu dem Autobauer und hat seither Erfahrungen in der Fertigung, der Entwicklung und der Personalführung gesammelt. "Sie ist führend am neuesten Erfolg der Firma beteiligt und belebt die Produktentwicklung bei GM neu", betont das Unternehmen. Ihre Produkte seien von einer ungekannten Qualität und kämen beim Kunden besonders gut an.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/AFP/dpa

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