Wirtschaft

Noch immer drohen US-Sanktionen Gaspipeline Nord Stream 2 verzögert sich

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Kritiker merken an, dass Nord Stream 2 den EU-Binnenmarkt bedrohe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Pipeline Nord Stream 2 soll russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland befördern. Eigentlich sollten die Leitungen bis Jahresende verlegt werden. Doch nun verzögert sich das Projekt.

Die Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2 verschiebt sich. Ursprünglich sollte zum Jahresende das erste russische Erdgas strömen. "Wir haben geplant, das Projekt in den nächsten Monaten im Einklang mit allen rechtlichen und technischen Vorgaben abzuschließen", teilte das Unternehmen mit. Ein Zeitpunkt für die Fertigstellung könne aufgrund des Wetters nicht genannt werden.

Bislang wurden den Angaben zufolge mehr als 2100 Kilometer des Doppelstrangs in der Ostsee verlegt, rund 300 Kilometer fehlen noch. Durch die doppelsträngige Leitung soll Erdgas aus Russland über mehr als 1200 Kilometer zu den europäischen Verbrauchern transportiert werden. Pro Jahr sollen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas die Pipeline nach Europa passieren - noch einmal so viel wie durch Nord Stream 1.

Derzeit werden vor der Küste Dänemarks Leitungen verlegt. Die Zustimmung des Landes Ende Oktober war die letzte große Hürde für das Projekt. Die Nord Stream 2 AG wartete mehr als eineinhalb Jahre auf den Bescheid. Alle anderen betroffenen Länder hatten dem Bau bereits früher zugestimmt. 

US-Sanktionen wegen Nord Stream 2 möglich

Befürworter von Nord Stream 2 argumentieren, die Leitung sei notwendig, weil die Eigenproduktion an Erdgas in Europa bis 2035 deutlich zurückgehen, der Bedarf aber annähernd gleich bleiben werde. Kritiker betonen dagegen unter anderem, dass Nord Stream 2 den EU-Binnenmarkt bedrohe sowie Milliardeneinnahmen der Ukraine als Transitland für russisches Gas gefährde. Etliche EU-Länder und auch die USA lehnen das Projekt ab.

Am Rande des Nato-Gipfels in London schloss US-Präsident Donald Trump Sanktionen wegen Nord Stream 2 nicht aus. "Wir haben das noch nicht wirklich entschieden", sagte Trump vergangene Woche im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nord Stream 2 sei ein Problem. "Aber es ist ein Problem, das Deutschland lösen muss", sagte Trump. Die USA sehen in dem Projekt eine Gefahr für die Energiesicherheit. Die Möglichkeit von Sanktionen steht seit längerer Zeit im Raum. Es gibt Spekulationen, wonach Sanktionen als Teil des US-Verteidigungshaushalts Ende des Jahres verabschiedet werden könnten.

Nord Stream 2 wird unter der Führung des russischen Gaskonzerns Gazprom errichtet. Mehrere europäische Firmen, darunter Uniper, die BASF-Tochter Wintershall Dea und die OMV, sind an der Finanzierung der Röhre beteiligt.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa