Wirtschaft

Kredit in Aussicht Goldman will Argentinien helfen

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Eine Wechselstube in Buenos Aires.

(Foto: REUTERS)

Argentinien ist vom Kapitalmarkt abgeschlossen und braucht dringend Geld. Goldman Sachs ist offenbar bereit, dem Land einen Kredit in Milliardenhöhe zu bewilligen. Ganz billig wird der allerdings nicht.

Argentinien kann einem Zeitungsbericht zufolge erstmals seit Jahren auf einen milliardenschweren Kredit ausländischer Geldgeber hoffen. Das Land stehe kurz vor einer Vereinbarung mit der US-Bank Goldman Sachs über ein Darlehen von rund einer Milliarde Dollar, berichtete die Zeitung "Pagina/12". Zudem gebe es Gespräche über weitere, ähnliche Kredite. Bei dem Geschäft mit Goldman Sachs solle Argentinien einen Zins von 6,5 Prozent zahlen.

US-Dollar / Argentinischer Peso
US-Dollar / Argentinischer Peso 42,08

Das Land ist seit der Pleite im Jahre 2002 vom Kapitalmarkt abgeschnitten, da die Auseinandersetzungen mit vielen Gläubigern noch andauern. Das Haushaltsdefizit ist mit 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar vergleichsweise gering. Da die Regierung das aber nicht durch Kreditaufnahme an den internationalen Finanzmärkten finanzieren kann, hat die Zentralbank die Notenpresse angeworfen. Das schwächt die Landeswährung Peso und treibt die Inflation. Sie liegt nach offiziellen Angaben derzeit bei mehr als 10 Prozent.

Hinzu kommt, dass Argentinien sich zu einem Großteil in Fremdwährungen verschuldet hat. Um entsprechende Forderungen zu erfüllen, muss die Notenbank auf ihre Devisenreserven zurückgreifen. Damit versucht sie gleichzeitig, dem Verfall des Peso entgegenzuwirken.

Moody's stuft Bonität herab

Die Reserven sind der Agentur Moody's zufolge seit 2011 um knapp die Hälfte auf zuletzt noch 27,5 Milliarden Dollar gesunken. Das weckt Zweifel daran, ob Argentinien seine Schulden an ausländische Gläubiger zurückzahlen kann, zu denen auch Deutschland gehört. Moody's hatte Argentiniens Kreditwürdigkeit deswegen jüngst auf die drittschlechteste Note herabgestuft. Die US-Ratingagentur begründete den Schritt auch mit einem "wechselhaften politischen Umfeld". Dieses mache es wahrscheinlich, dass die Reserven in diesem und dem kommenden Jahr unter Druck bleiben dürften. Folgen der Politik seien eine sehr hohe Inflation, ein Verfall der Landeswährung, Kapitalflucht und wirtschaftliche Stagnation.

"Wir schauen uns derzeit nichts so genau an wie die Devisenreserven", sagte Moody's-Analyst Gabriel Torres. Der Pariser Club - eine informelle Gruppe staatlicher Gläubigern - hat Argentinien vor diesem Hintergrund zu Verhandlungen über noch ausstehende Auslandsschulden von knapp zehn Milliarden Dollar eingeladen. Diese sollen am 26. Mai beginnen.

Argentiniens Wirtschaft war 2013 um 3,0 Prozent gewachsen. Dank einer guten Soja-Ernte und eines Rekordabsatzes der Autoindustrie konnte das Vorjahreswachstum von nur 1,9 Prozent übertroffen werden. Die Erwartungen für 2014 sind jedoch pessimistischer. Analysten sagen für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1 Prozent voraus. Restriktive Regierungsmaßnahmen hätten im ersten Quartal 2014 den Konsum stark gedrosselt.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa/AFP

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