Wirtschaft

"Europäer bekommen ihr Geld zurück" Griechenland will liefern

Griechenland_Sorgen.jpg

Allen Beteuerungen zum Trotz. Es gibt keinen Grund für Entwarnung. Griechenland ist noch nicht gerettet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Griechenland nutzt das Abebben der täglichen Krisennachrichten, um für sich zu trommeln. An vorderster Front wirbt Notenbankchef Provopoulos um Vertrauen. Griechenland habe sich geändert und der Änderungsprozess werde anhalten. Das Sahnehäubchen kommt zum Schluss: Er verspricht den Europäern, alle Hilfsgelder zurückzuzahlen.

Provopoulos.jpg

Provopoulos versteh die Sorgen der europäischen Steuerzahler.

(Foto: REUTERS)

Athen übt sich dieser Tage in gebetsmühlenartigem Optimismus: Nachdem  der griechische Zentralbankchef Giorgos Provopoulos erklärt hat, dass "das Schlimmste vorüber" sei. Dass Griechenland, wenn nicht ökonomisch, so doch "psychologisch" die Wende geschafft habe, gibt er eine "Geld-zurück-Garantie" für die erhaltenen europäischen Hilfsleistungen.

"Die Europäer bekommen ihr Geld zurück", versprach Provopoulos der "Süddeutschen Zeitung". Das Versprechen kommt zu einem Zeitpunkt, wo einerseits Ruhe an der europäischen "Krisenfront" herrscht, andererseits die internationalen Gläubiger aber auch zu anhaltenden Kraftanstrengungen mahnen.

Er könne die Sorgen der europäischen Steuerzahler verstehen, erklärte der 62-Jährige dem Blatt weiter. Aber er könne versprechen: "Dieses Mal will die Regierung liefern." Griechenland befinde sich in einem Änderungsprozess. Die griechische Bevölkerung und die griechischen Politiker hätten verstanden, dass es um "die letzte Chance für Griechenland" gehe.

Das Problem mit den Steuern

Provopoulos räumte ein, dass Strukturreformen in der Vergangenheit nicht vernünftig umgesetzt worden seien. Das sei ein Fehler gewesen. Er kritisierte auch die Steuerflucht der Griechen. "Steuerflucht ist in allen Staaten ein Problem, aber in Griechenland ist sie besonders ausgeprägt", sagte Provopoulos. Seit 2010 hätten die Griechen 87 Mrd. Euro von ihren heimischen Bankkonten abgezogen - ein Drittel der gesamten Einlagen. Seit Juni 2012 aber hätten sie 15 Mrd. Euro davon wieder eingezahlt. "Das Vertrauen kehrt zurück", sagte Provopoulos.

Erst am Vortag hatte er der "Financial Times" ein nahes Ende der Krise in Aussicht gestellt. "Wir können optimistischer sein." Mit seiner Bilanz unterstreicht er vor allem die Äußerungen der internationalen Gläubiger, die dem Land vor kurzem bescheinigt haben, dass es auf dem richtigen Weg sei. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte zwei Wochen aber darüber hinaus darauf hingewiesen, dass noch "kraftvolle" Reformen nötig seien.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hatte vor zu viel Optimismus gewarnt. Zwei Drittel des Marathons seien zwar gelaufen, aber jeder weiß, dass dann bei einem Marathon das schwerste Stück noch vor einem liegt."

Griechen gehen am Stock

Während von offizieller griechischer Seite Fortschritte gepriesen werden, gärt es in der von den Sparmaßnahmen der Regierung gebeutelten Bevölkerung. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Protesten gegen die Sparpolitik.

Erst in der vergangenen Woche beendete die Regierung einen Streik im Nahverkehr und drohte U-Bahnfahrern mit ihrer Festnahme, wenn sie nicht wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Auch diese Woche wird gestreikt.  Am Donnerstag und Freitag sind vor allem der Bereich Gesundheitswesen und Fährverkehr betroffen.

Die griechischen Ärzte behandeln seit dem Morgen und für 24 Stunden nur Notfälle. Sie protestieren gegen Kürzungen ihrer Gehälter und fehlende Planstellen in Krankenhäusern.  Auch die Praxisärzte protestieren: Bis Freitag behandeln sie nur gegen Barzahlung Patienten. Die staatliche Krankenkasse EOPYY habe sie seit mehr als zwei Monaten nicht mehr bezahlt, teilte ihre Gewerkschaft mit.

Busse fahren in Athen nicht und auch die staatliche Eisenbahn OSE sowie die Fähren werden bestreikt. Die Seeleute, die bei den Fähren beschäftigt sind, protestieren gegen erhöhte Steuern und hohe Arbeitslosigkeit. Um die Mittagszeit wollten auch die Staatsbediensteten für drei Stunden die Arbeit niederlegen.

Das Finanzministerium veröffentlichte jüngst Zahlen, die zeigen, welchem finanziellen Druck die Bürger ausgesetzt sind. So zog die schwere Finanzkrise ein regelrechtes Aufblühen der Pfandhaus-Branche nach sich. Offiziellen Zahlen zufolge hat sich deren Zahl seit 2010 verneunfacht. Gab es damals 81 Pfandleiher, sind es heute 750.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/AFP