Auch Netflix mit KursrutschHohe Ölpreise und schwächelnde Chip-Werte drücken Stimmung an Wall Street

Die Ölpreise steigen nach erneuten Angriffen im Nahen Osten weiter an. Anleger fürchten, dass dies die Weltkonjunktur schwächen könnte. Am Aktienmarkt belastet derweil ein enttäuschender Ausblick den Kurs von Netflix.
Kursverluste bei Netflix und wichtigen Halbleiterwerten machen den US-Börsen zum Wochenschluss erneut zu schaffen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte am Freitag 0,2 Prozent schwächer bei 52.425 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,7 Prozent auf 7481 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 1,2 Prozent nach auf 25.561 Punkte. Für lange Gesichter sorgte vor allem Netflix mit einem Kursrutsch um 7,5 Prozent. Der weltgrößte Streamingdienst legte bei Umsatz und Gewinn erneut zu. Mit seinem Ausblick blieb er jedoch hinter den Markterwartungen zurück. Zudem belasteten erneute Verluste im Halbleitersektor die Märkte. Branchenriesen wie AMD, Marvell, Micron und Nvidia gaben ebenfalls nach.
Die Anleger machen sich laut Finanzexperten zunehmend Sorgen, dass der starke Aufschwung bei Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) übertrieben war. "Der Ausverkauf weitet sich von den Chip-Werten auf den breiteren Markt aus. Das zeigt sich besonders an Indizes wie dem Nasdaq, der in so kurzer Zeit so stark zugelegt hat", sagte Chris Beauchamp, Chefanalyst beim Broker IG. "Die Anleger dürften befürchten, dass sich der Ausverkauf deutlich ausweitet - und durch die Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran noch verschärft wird."
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürfte die anlaufende Bilanzsaison im US-Technologiesektor werden. In der kommenden Woche stehen die Finanzberichte von Schwergewichten wie Alphabet, Tesla und Intel an. Auch Konzerne wie General Motors, 3M, AT&T, T-Mobile US, Lockheed Martin und American Express öffnen dann ihre Bücher.
Am Ölmarkt arbeiteten sich die Preise nach erneuten Angriffen im Nahen Osten weiter nach oben. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerten sich um jeweils 3,5 Prozent auf gut 87 und gut 81 Dollar je Fass (159 Liter). Auf Wochensicht war das der größte Preisanstieg seit rund drei Monaten. Auslöser sind die zunehmenden Angriffe zwischen den USA und dem Iran, die den Ölhandel durch die Straße von Hormus einschränken, sowie die Aufforderung Irans an die Huthi-Miliz, sich auf eine Schließung der Exportroute über das Rote Meer vorzubereiten. "Die Gefahr, dass das Rote Meer zu einem weiteren Brennpunkt für Lieferunterbrechungen wird, verkompliziert die Aussichten für den globalen Ölmarkt zusätzlich", kommentierte Tim Waterer, Chefanalyst beim Broker KCM.
Die infolge der Nahost-Spannungen angestiegenen Ölpreise stützten indes die Aktien der Energiekonzerne. Die Titel der Branchenriesen Exxon Mobil und Chevron legten um 1,7 und 1,3 Prozent zu. Nach unten ging es hingegen für Airlines und Kreuzfahrtanbieter. Die Furcht der Anleger vor steigenden Kraftstoffpreisen drückte die Kurse von Norwegian Cruise, Carnival, United Airlines und American Airlines.
Der durch den Nahost-Konflikt befeuerte Anstieg des Ölpreises schürte Sorgen vor einer schwächeren Weltkonjunktur und drückte damit auch auf den Kupferpreis. Kupfer zur Lieferung in drei Monaten fiel an der Londoner Metallbörse (LME) um 0,3 Prozent auf 13.543 Dollar je Tonne. Andere Industriemetalle wie Aluminium, Nickel und Zink tendierten ebenfalls schwächer. Der Anstieg beim Ölpreis schürte neue Sorgen über die Entwicklung der Inflation und die Auswirkungen auf die globale Wirtschaft.