Wirtschaft

Zündstoff vor Treffen in Washington IWF-Chef attackiert China

Vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington macht das Wort Währungskrieg die Runde. IWF-Chef Strauss-Kahn greift in diesem Zusammenhang China mit ungewohnter Schärfe an. Seiner Meinung nach ist die Unterbewertung des Yuan die Quelle der Spannungen. Weltbank-Präsident Zoellick warnt vor dramatischen Folgen für den Welthandel.

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Klare Worte von Dominique Strauss-Kahn.

(Foto: REUTERS)

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat China im Währungsstreit direkt angegriffen. Sollte die Volksrepublik ihre Währung nicht stärker aufwerten, könnte es zu einer neuen Krise kommen, sagte Strauss-Kahn der französischen Zeitung "Le Monde".

Die Unterbewertung des Yuan sei die Quelle von Spannungen in der Weltwirtschaft, "die dabei sind, zu einer Bedrohung zu werden". Der Konflikt dürfte das am Freitag beginnende Treffen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington bestimmen. Zuletzt wurden gar Warnungen vor einem Währungskrieg zwischen Industrie- und Schwellenländern laut.

Diese Wortwahl sei "zu militärisch", distanzierte sich Strauss-Kahn in Washington. Man müsse aber einräumen, dass "viele ihre Währung als Waffe verstehen, und das ist mit Sicherheit nicht gut für die internationale Wirtschaft".

Warnung vor Protektionismus

Weltbank-Chef Robert Zoellick warnte vor dramatischen Folgen, sollten sich die Spannungen zu einem ernsten Währungskonflikt ausweiten: Es bestehe die Gefahr, die Fehler der 1930er Jahre zu wiederholen, sagte er. Damals hatte eine Welle protektionistischer Maßnahmen den Welthandel zum Kollaps gebracht und die Weltwirtschaftskrise dramatisch verschärft.

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Lächeln für die Fotografen: Bei einem Fototermin zum Auftakt des Jahrestreffens der Weltbank vermag Robert Zoellick (2.v.l.) seine Sorgen noch recht gut zu verbergen.

(Foto: AP)

Die USA und die EU-Kommission werfen China vor, den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig zu halten und sich damit unfaire Vorteile im Außenhandel zu verschaffen. Die Regierung in Peking hatte zwar Mitte Juni die enge Bindung des Yuan-Kurses an den Dollar gelockert, seither hat der Yuan, der offiziell "Renminbi" genannt wird, aber nur gut zwei Prozent an Wert gewonnen.

Entspannungssignale aus Japan und Südkorea

Neben dem Konflikt um die chinesische Währung dürften auch Interventionen anderer Länder an den Devisenmärkten Thema des G7-Treffens sein. Zuletzt hatten mehrere Länder direkt am Markt eingegriffen, um ihre Währungen niedrig zu halten. So hatte Japan im September viele Milliarden Dollar gekauft, nachdem der Yen auf ein 15-Jahres-Hoch zur US-Währung gestiegen war. Der hohe Kurs belastet Japans Exportwirtschaft. Außerdem hatte Brasilien versucht, die heimische Währung Real zu drücken. Dazu hat das rasch wachsende Schwellenland den Steuersatz für ausländische Kapitalzuflüsse verdoppelt.

Signale der Entspannung kamen unterdessen von Japan und Südkorea. Japans Ministerpräsident Naoto Kan bekräftigte zwar die Bereitschaft seiner Regierung, gegen den Yen-Höhenflug erneut am Devisenmarkt einzuschreiten. Er erklärte zugleich aber auch den Willen zur Zusammenarbeit in Währungsfragen in der G7-Gruppe. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak teilte mit, im Rahmen des Treffens des 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) im November sollte auch über eine Abstimmung in Wechselkursfragen gesprochen werden. Südkorea ist Gastgeber des nächsten G20-Gipfels.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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