Wirtschaft

Weniger Spielraum der Länder IWF streicht die Prognosen zusammen

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Die Konjunkturaussichten trüben sich ein.

(Foto: imago/Winfried Rothermel)

Keine Rezession, aber viele dunkle Wolken: Der Internationale Währungsfonds kassiert seine Wirtschaftserwartungen. Zu groß seien die Risiken. Zugleich mahnten die Experten die Länder, ihre Schulden zu reduzieren. Andernfalls seien kaum Reaktionen auf eine Krise möglich.

Die Weltwirtschaft steht angesichts von Handelskonflikten und schwächelnden Wachstumsraten in einer Reihe von Ländern weiter unter Druck: Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Wachstumsprognose für 2019 nochmals um 0,2 Punkte auf nun 3,5 Prozent. "Eine globale Rezession steht sicher noch nicht vor der Tür", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorstellung des Berichts im schweizerischen Davos. "Aber das Risiko eines stärkeren Rückgangs des weltweiten Wachstums ist sicherlich gestiegen." Für Deutschland erwartet der IWF in diesem Jahr sogar nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent - im Oktober war er noch von 1,9 Prozent ausgegangen.

Der IWF mahnte zur internationalen Zusammenarbeit. Der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs sei geringer als vor der Finanzkrise 2008. "Multilaterale Kooperation wird daher wichtiger", betonte der Fonds. Deren Chefin Lagarde forderte die Staaten zudem dazu auf, ihre Schulden abzubauen. Das schaffe mehr Spielraum, um gegen künftige Krisen vorzugehen.

Abgastests, Schuldenkrise, "Gelbwesten"

Insgesamt sagte er IWF ein sich "abschwächendes globales Wachstum" voraus. Während die Weltkonjunktur 2018 noch um schätzungsweise 3,7 Prozent gewachsen sei, betrage der Ausblick für dieses Jahr 3,5 Prozent und für nächstes Jahr 3,6 Prozent. Der Pessimismus habe mit einer schwächeren Entwicklung in vielen Ländern in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu tun - darunter in Deutschland wegen der Probleme rund um den neuen Abgastest.

In Deutschland macht der Währungsfonds auch einen schwächeren Privatkonsum, eine schwächere industrielle Produktion vor allem in der Automobilindustrie und eine niedrigere Nachfrage aus dem Ausland für die Entwicklung verantwortlich. In Italien drückten eine niedrige Binnennachfrage und hohe Kreditkosten die Entwicklung und in Frankreich unter anderem die seit Monaten anhaltenden Straßenproteste. Insgesamt geht der IWF für die Eurozone in diesem Jahr von einem BIP-Wachstum von 1,6 Prozent aus. Damit senkte der Fonds seine Erwartungen für 2019 seit Oktober noch einmal um 0,3 Punkte.

Trumps Steuerreform geht die Luft aus

Für die USA werden für 2019 weiter 2,5 Prozent prognostiziert, während es 2020 nur noch 1,8 Prozent sein sollen. "Die Expansion in den USA hält an, aber die Prognose geht von einer Abschwächung nach dem Auslaufen der fiskalischen Anreize aus", erklärte der Fonds. Im vergangenen Jahr dürfte die weltgrößte Volkswirtschaft nicht zuletzt wegen der Impulse durch die Steuerreform von Präsident Donald Trump noch um 2,9 Prozent zugelegt haben. Zu den Gefahren für die amerikanische Konjunktur zählt der IWF einen länger anhaltenden Haushaltsstreit, durch den Hunderttausende Staatsbedienstete derzeit kein Geld erhalten.

Für die weltweite Nummer zwei China sagt der IWF sowohl für dieses als auch für kommendes Jahr ein Plus von 6,2 Prozent voraus. 2018 war das Wachstum mit 6,6 Prozent so gering ausgefallen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. "Chinas Wachstumsverlangsamung könnte stärker ausfallen als erwartet, besonders wenn die Handelsspannungen anhalten." Die USA und China haben sich im vergangenen Jahr gegenseitig mit Strafzöllen überzogen und suchen nach einem Ausweg aus dem Konflikt.

"Es gibt viele dunkle Wolken"

Der IWF veröffentlichte seine Prognose einen Tag vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) im schweizerischen Davos. Dort treffen sich ab morgen rund 3000 Teilnehmer aus der Politik- und Wirtschaftselite, um über Herausforderungen und Entwicklungen der globalen Konjunktur zu diskutieren.

WEF-Präsident Börge Brende warnte vor einem Einbruch der Weltwirtschaft. "Das globale Wachstum verlangsamt sich, es gibt viele dunkle Wolken da draußen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Dazu kämen "geopolitische Verwerfungen, die die Welt vergiften".

Es gebe kaum Spielraum der Notenbanken gegenzusteuern. Auch die Länder könnten nicht mehr mit stärkeren Staatsausgaben reagieren. "Deutschland und Norwegen könnten sich vielleicht noch höhere Staatsausgaben leisten, aber fast alle anderen Länder sind doch überschuldet. Es gibt auch große Herausforderungen in China", sagte Brende.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/AFP

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