Wirtschaft

Eurozone in der Wachstumskrise Italien geht am Stock

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Das Kolosseum in Rom: altehrwürdig und baufällig wie die italienische Wirtschaft.

(Foto: Reuters)

Italien wird immer mehr zum Problemfall in der Eurozone: Die Nachfrageflaute aus dem In- und Ausland trifft die Industrie des Landes hart, die Auftragseingänge befinden sich seit fast zwei Jahren auf Talfahrt. Gleichzeitig verdüstert sich die Lage auch am Arbeitsmarkt zusehends. Die Erwerbslosenquote erreicht einen Rekordwert.

Frühlingsgefühle in der italienischen oder gar der Eurozonen-Konjunktur? Bisher ist davon nichts zu spüren, eher geht es noch tiefer in die Rezession: Die Geschäftsaktivität im verarbeitenden Gewerbe ist im April noch stärker gesunken als zunächst berichtet. Dabei wiesen im April alle vier "Schwergewichtsländer" erstmals in diesem Jahr einen Produktionsrückgang auf. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Sektor fiel auf 45,9 Punkte und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit 34 Monaten, wie der Datendienstleister Markit mitteilte. Im März hatte der Index bei 47,7 Punkte gelegen. Der PMI liegt nun seit neun Monaten unter der Schwelle von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Bei der ersten Veröffentlichung war ein Rückgang auf 46,0 Zähler ausgewiesen worden. Volkswirte hatten eine Bestätigung dieses ersten Ausweises erwartet.

Spanien bereitet Sorgen

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland fiel auf den niedrigsten Stand seit 33 Monaten. Auch in Frankreich signalisiert der PMI eine rückläufige Aktivität, der PMI der Industrie stieg nur auf 46,9 Punkte zu. Vorläufig war ein Anstieg auf 47,3 von 48,4 im März berichtet worden.

In Spanien fiel der Einkaufsmanagerindex der Industrie auf 43,5 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit 34 Monaten. Auch in Griechenland verschärfte sich die Talfahrt. Über der Marke von 50 Punkten hielten sich lediglich Österreich und Irland.

Weiterer Schritt in die Rezession

Markit-Chefökonom Chris Williamson zufolge zeigen die Daten, dass die Industrie der Eurozone im April noch tiefer in die Rezession geschlittert ist. Die jüngste Prognose der Europäischen Zentralbank eines nur leicht rückläufigen Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr dürfte sich bereits überholt haben, sagte Williamson.

Die Ergebnisse basieren auf der Befragung von rund 3000 Industrieunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland. Diese Länder repräsentieren etwa 90 Prozent der industriellen Geschäftstätigkeit in der Eurozone.

Italien kämpft an vielen Fronten

Der italienische PMI sank im Sog einbrechender Neuaufträge unerwartet stark und verzeichnete mit 43,8 Zählern den niedrigsten Stand seit sechs Monaten. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 46,7 erwartet, nachdem der Index im März bei 47,9 Punkten gelegen hatte. Die Nachfrageflaute aus dem In- und Ausland sorgte dafür, dass die Auftragseingänge seit nunmehr elf Monaten in Folge auf Talfahrt sind: Mit einem Indexwert von 39,2 Zählern wurde das niedrigste Niveau seit März 2009 erreicht.

Auch am Arbeitsmarkt verdüstert sich die Lage zusehends. Die Erwerbslosenquote stieg im März auf den Rekordwert von 9,8 Prozent: Höher war die Quote noch nie seit Beginn der monatlichen Arbeitslosenstatistik im Januar 2004. Zuletzt hatte auch Ministerpräsident Mario Monti seine Prognose für die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf minus 1,2 von minus 0,4 Prozent nach unten korrigiert. Italien kämpft mit Defizitproblemen und ist im Sog der schweren Haushalts- und Bankenkrise in Spanien wieder verstärkt ins Visier der Finanzmärkte geraten.

Finanzmärkte reagieren

Die überraschend schwachen italienischen Konjunkturdaten blieben nicht ohne Auswirkungen an den europäischen Börsen. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,32 Dollar und der Leitindex der Mailänder Aktienbörse drehte ins Minus. Dax und EuroStoxx50 grenzten ihre Gewinne ein.

Parallel dazu verkauften Investoren italienische Staatsanleihen. Die Renditen der zehnjährigen Papiere zogen auf 5,551 Prozent an. Angesichts der wieder gestiegenen Nachfrage nach Bundesanleihen machte der Bund-Future seine Anfangsverluste komplett wett und notierte unverändert bei 141,09 Punkten.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ