Wirtschaft

Ein Quadratmeter, schallisoliert Japaner sollen in Zellen am Bahnhof arbeiten

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Was japanischen Angestellten fehle, ist eine Möglichkeit, auch am Bahnhof "produktiv" zu sein - glaubt zumindest der Hersteller der Telecubes.

(Foto: AP)

Japans Büroangestellte arbeiten teilweise mehr als 80 Stunden in der Woche. Es gibt aber noch Momente, in denen sie nicht produktiv für ihren Arbeitgeber sind. Unterwegs zum Beispiel. Das soll der Telecube nun ändern.

Japans Arbeitswelt ist nicht gerade für ihre Wohlfühlatmosphäre bekannt. Dutzende Todesfälle durch Erschöpfung in den Büros des Landes und Tausende Selbstmorde zeugen davon. Überarbeitung infolge des hohen psychologischen Drucks und Wochenarbeitszeiten von teilweise mehr als 80 Stunden gelten als das größte Problem. Nun könnte Klaustrophobie dazukommen dank des Telecube. So heißt die neueste Innovation, die japanischen Angestellten das Arbeiten auch außerhalb ihres Firmenbüros erleichtern soll.

Bei den Telecubes handelt es sich um telefonzellenartige Boxen mit einer Grundfläche von etwas mehr als einem Quadratmeter und zwei Metern Höhe. Sie sind mit Strom- und Internetanschluss, einer Arbeitsfläche, Bildschirm für Videotelefonate und einem Stuhl ausgestattet. Um den Albtraum eines unter Raumangst leidenden Menschen perfekt zu machen, sind die Telecubes "vollständig" schallisoliert.

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Günstiger und ruhiger als Co-Working-Büros: der Telecube.

(Foto: Okamura)

Der Hersteller - ein Joint-Venture des Immobilienriesen Mitsubishi Estate und des Büromöbelherstellers Okamura - kündigt nun an, in den kommenden Jahren rund 1000 der Bürozellen an öffentlichen Orten in Japan wie Bahnhöfen und Flughäfen aufzustellen. In der eigenen Firmenzentrale stehen bereits welche zu Testzwecken und auch andere Unternehmen sollen etwa in den Lobbys ihrer Bürogebäude Telecubes aufstellen können.

Das Ganze diene dazu, den Trend zum flexiblen Arbeiten von jedem Ort zu unterstützen und die "Produktivität der Nutzer" zu erhöhen. "Wenn Sie etwa auf dem Rückweg von einem Verkaufsgespräch 15 Minuten Wartezeit am Bahnhof haben, wollen sie vielleicht ein kurzfristigen Arbeitsplatz nutzen", erläutert der Telecube-Chef Hiroyuki Mashita laut "Bloomberg" das Geschäftsmodell. Buchen und öffnen können die Nutzer die Boxen per App. Bezahlt wird je nach Nutzungsdauer - eine Viertelstunde soll 250 Yen (2,11 Euro) kosten. Firmen könnten für ihre Mitarbeiter auch Flatrates buchen.

Ein erfolgreicher Test mit 22 Prototypen habe den Bedarf an dieser "neuen Art von Telearbeit" bestätigt, heißt es in der Mitteilung von Telecube. Es habe sich gezeigt, dass beim Arbeiten in den Zellen auch die "Nachteile" des Arbeitens in Co-Working-Büros vermieden würden, die in Japan immer beliebter werden: etwa die störende Geräuschkulisse und der "Mangel an Privatsphäre". Vor allem aber seien die Boxen auch noch billiger.

Quelle: n-tv.de, mbo

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