Wirtschaft

Krise schürt Ängste Konzerne ziehen sich aus Katalonien zurück

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Die Caixabank ist die größte Bank in Katalonien und Nummer drei in Spanien.

(Foto: REUTERS)

Katalonien wird womöglich am Dienstag seine Unabhängigkeit von Spanien ausrufen. Alleine dieses Szenario bringt große Unternehmen dazu, ihren Sitz an einen anderen Ort zu verlegen. Dazu gehört die Caixabank. Andere überlegen, ob sie nachziehen.

Nach der spanischen Bank Sabadell und dem Sekthersteller Freixenet könnten weitere Unternehmen Konsequenzen aus einer möglichen einseitigen Unabhängigkeitserklärung Kataloniens ziehen. Die Caixabank kündigte an, sie werde ihren rechtlichen Sitz "angesichts der aktuellen politischen und sozialen Lage in Katalonien" aus der Region nach Valencia verlegen. Die Caixabank ist das drittgrößte Geldhaus Spaniens.

Zudem will der Versorger Gas Natural seinen Hauptsitz von Barcelona nach Madrid verlegen, um "die Interessen des Unternehmens, seiner Kunden, Mitarbeiter, Gläubiger und Aktionäre" zu schützen. Dies gelte, "solange die Lage anhalte", teilte das Unternehmen mit und deutete damit an, dass der Umzug nur vorübergehend sein könnte. Auch der katalanische Anbieter von Druckdienstleistungen und Dokumentenmanagement, Service Point Solutions, teilte mit, im Unternehmen werde über einen Umzug diskutiert.

Noch bevor bekannt war, dass der Firmensitz der Caixabank verlegt wird, äußerten sich Bankkunden in Katalonien besorgt. "Die Leute haben Angst, dass sie sich auf einmal ohne Arbeit wiederfinden oder bei den Banken kein Geld mehr bekommen", sagte die 63-jährige Asunción García, die ihre Ersparnisse bei der Caixabank deponiert hat. In ihrem Bekanntenkreis gebe es viele, die alle nicht notwendigen Ausgaben aufschöben, solange unklar sei, wie sich die Situation weiter entwickeln werde.

Ruft Puigdemont die Unabhängigkeit aus?

Spaniens Regierung hat am Freitag ein Dekret erlassen, das für Unternehmen einen Umzug aus der Autonomieregion in andere Landesteile erleichtert. Nach den neuen Vorschriften, die am 8. Oktober in Kraft treten, müssen Unternehmen für eine Verlegung ihres Sitzes nur dann die Genehmigung ihrer Aktionäre einholen, wenn ihre Satzung das ausdrücklich vorschreibt. Andernfalls kann der Board allein entscheiden.

"Es ist sehr traurig, dass wir sehen, wie wichtige Unternehmen Katalonien verlassen", sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos. "Aber das ist nicht die Schuld der Unternehmen, das ist die Schuld einer unverantwortlichen Politik, die Grund zur Besorgnis gibt."

Bei dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, das die Regierung in Madrid und die Europäische Kommission als illegal brandmarkten, hatten am Sonntag den Angaben zufolge 90 Prozent der Wähler für die Loslösung von Spanien gestimmt. Allerdings lag die Wahlbeteiligung dabei nur bei 42 Prozent. Die Abstimmung wurde von schweren Ausschreitungen begleitet.

Als nächster Schritt wird nun erwartet, dass die Regionalregierung in Barcelona die Unabhängigkeit Kataloniens ausruft. Der Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, will am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur "aktuellen politischen Lage" beziehen. Eine ursprünglich für Montag geplante Plenarsitzung des Regionalparlaments wurde abgesagt. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Sitzung verboten.

Quelle: ntv.de, hul/DJ/AFP

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