Wirtschaft

"Unternehmen bleibt deutsch" Kuka-Chef verteidigt Verkauf

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Till Reuter hat sich für den Verkauf an die Chinesen stark gemacht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Till Reuter ist sich sicher, dass der Verkauf seines Konzerns Kuka an den chinesischen Haushaltskonzern Midea der richtige Schritt ist. Der Vorstandschef erwartet keine Probleme, die mit dem Außenwirtschaftsgesetz zusammenhängen.

Der Vorstandschef von Kuka, Till Reuter, erwartet nicht, dass es noch Probleme beim Verkauf des Robotorherstellers an einen chinesischen Investor geben wird - auch nicht durch die Prüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz, die die Bundesregierung plant: "Ich halte das für beherrschbar. Das Außenwirtschaftsgesetz geht ja in Richtung Rüstung und Sicherheit - beides Bereiche, in denen wir in Deutschland nicht tätig sind", sagte der Manager der "Süddeutschen Zeitung".

Gleiches erwartet Reuter im Fall der USA, wo die Behörden prüfen, welche Auswirkung der Deal auf die nationale Sicherheit hat. "Kuka ist kein Hersteller von militärischen Produkten. Unser Geschäft im verteidigungsnahen Bereich in den USA ist sehr, sehr klein", sagte Reuter.

Reuter hat kein Problem damit, wenn Kuka am Ende 80 oder sogar 90 Prozent der Aktien besitzen werde: "Ich kann damit leben, natürlich. Das ist die Entscheidung der Aktionäre. Die Investorenvereinbarung verleiht uns eine große Freiheit, egal ob Midea 60, 80 oder gar über 90 Prozent hält. Entscheidend ist, dass wir Kuka in der Industrie 4.0, im Bereich Consumer Robotics und im Asiengeschäft weiterentwickeln können." Durch den Verkauf an Midea bleibe Kuka "als zusammenhängende Firma bestehen", sagte Reuter weiter. "Man hätte sich auch Szenarien mit anderen Investoren vorstellen können, bei denen das nicht der Fall gewesen wäre."

"Vor sieben Jahren von Bank zu Bank gelaufen"

Zu den Versuchen der Bundesregierung, für Kuka ein deutsches oder europäisches Gegenangebot zu organisieren, sagte Reuter: "Es ist völlig legitim, dass die Politik ihre Interessen vertritt, und der Dialog mit der Politik ist uns wichtig. Aber wir sind eine freie Marktwirtschaft. Und da muss ich als Vorstandschef die Interessen von Kuka vertreten, und am Ende treffen die Aktionäre die Entscheidung. Vor sechs Jahren war die Aktie zehn Euro wert, heute zahlt Midea 115 Euro. Vor siebeneinhalb Jahren, da bin ich von Bank zu Bank gelaufen, und niemand hat uns eine Finanzierung gegeben. Damals hat niemand gesagt, wir brauchen eine europäische Lösung."

Reuter betonte: "Kuka ist und bleibt deutsch. Wir haben eine deutsche AG mit einem Vorstand, der unabhängig und frei ist. 5000 der 13.000 Mitarbeiter sind an den deutschen Standorten. Wir haben hier in Augsburg die besten Entwickler, um die Robotik und Software von morgen zu entwickeln. Das ist unabhängig davon, wem wir gehören."

Auf die Frage, was geschehe, wenn die Chinesen sich an die Zusagen aus der Investorenvereinbarung nicht halten und doch Jobs in Deutschland abbauen, so Reuter: "Das hätte rechtliche Konsequenzen, und das Investment würde sich außerdem für Midea nicht rechnen." Eine Rückabwicklung der Übernahme nach drei oder fünf Jahren hält er aber auch in diesem Fall nicht für denkbar: "Es gibt kein Zurück. Sich an die Investorenvereinbarung zu halten, ist auch im Interesse von Midea. Denn nur so können wir mit den richtigen Leuten unsere Visionen umsetzen."

Dazu zählt Reuter auch den Einstieg in das Geschäft mit Robotern für den Hausgebrauch, also nicht bloß für die industrielle Fertigung: "Wir wollen mit Midea auch Roboter für zu Hause bauen. Als Haushaltsgerätehersteller kennen die Chinesen das Konsumentengeschäft sehr gut." Die ersten Roboter für den privaten Gebrauch könnten in "circa drei bis fünf Jahren" auf den Markt kommen.

Quelle: ntv.de, wne

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