Wirtschaft

Mafia-Methoden beim Tech-Riesen Lockt Amazon Zulieferer in Knebelverträge?

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Amazon bewertete seine Optionsscheine im letzten Quartalsbericht mit 2,8 Milliarden US-Dollar.

(Foto: imago images / Cord)

Der Vorwurf, dass Amazon seine Marktmacht ausnutzt, ist nicht neu, doch nun kommt ein weiteres Kapitel hinzu. In einigen Kooperationsverträgen mit Zulieferern soll der Onlinehändler ein Vorkaufsrecht auf deren Aktien verankert haben, mit der Möglichkeit, die Papiere unter Marktwert zu erwerben.

Wer vom großen Amazon-Kuchen etwas abhaben will, muss bereit sein, Opfer zu bringen. Einige Zulieferer des Onlineversandhändlers müssen Amazon vertraglich ein Vorkaufrecht auf ihre Aktien einräumen. Das berichtet das "Wall Street Journal" und beruft sich auf Unternehmensdokumente und Insideraussagen. Mindestens ein Dutzend börsennotierte Unternehmen sollen Amazon so Optionsscheine zugesichert haben, mit denen der Tech-Riese in Zukunft Anteile unter Marktwert kaufen kann.

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Neben den öffentlich gehandelten Gesellschaften soll Amazon auch Anteile an 75 privat geführten Unternehmen halten, in manchen Fällen sogar Mehrheitseigner sein. Insgesamt summieren sich die laufenden und potenziellen Beteiligungen Amazons auf mehrere Milliarden US-Dollar und decken die unterschiedlichsten Bereiche ab. Bei Call-Center-Diensten, Flugzeugverleihern bis hin zu Erdgas-Anbietern soll Amazon laut Bericht seine Finger im Spiel haben.

Für die Zulieferer ist das Angebot von Amazon Verlockung und Druck zugleich, denn ihnen winken über das Netzwerk große Verträge. Gleichzeitig steigen die Wertpapiere der Unternehmen durch die Kooperation mit dem Tech-Riesen. Den Vorstoß auf das Recht zum Kauf der Aktie könne man daher nicht ablehnen, selbst wenn man damit ein Stück weit Kontrolle über das eigene Unternehmen abgebe, erklärte ein Insider dem "Wall Street Journal". Denn die Deals sollen Amazon in einigen Fällen noch weitere Rechte einräumen, so wie die Vertretung im Vorstand und die Möglichkeit, Übernahmeangebote anderer Unternehmen zu überbieten.

Vom möglichen Push, den die Amazon-Partner erhalten, profitiert der Tech-Riese quasi umgehend. Steigen die Aktien des Partners, bleibt Amazon dank der Optionsscheine die Möglichkeit, Papiere für einen festgesetzten Preis unter Marktwert zu erwerben. In seinem jüngsten Quartalsbericht bewertete das Unternehmen seine Optionsscheine mit 2,8 Milliarden US-Dollar, den eigentlichen Wert - sollten die Optionsscheine eingelöst werden - verschweigt der Großkonzern allerdings.

Die neuen Vorwürfe stellen ein weiteres Kapitel dar, wie Amazon seine Marktmacht ausnutzen soll, um seinen Wert zu steigern und seine Position zu stärken. Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber haben das Unternehmen in der Vergangenheit bereits wegen seiner Wettbewerbspraktiken unter die Lupe genommen. So sollen Kooperationspartner des Onlinehändlers in einigen Fällen vertraglich zur Nutzung anderer Amazon-Dienste gezwungen oder kleine Anbieter mit Amazon-Eigenmarken aus dem Wettbewerb gedrängt worden sein. Die Vorgehensweisen verteidigt Amazon stets mit der Aussage, so bessere Angebote für Kunden bereitstellen zu können.

Quelle: ntv.de, mba

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