Wirtschaft

Ernste Zweifel am Schuldenschnitt Moody's gibt Athen ein "C"

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Noch haben die Gläubiger dem Schuldenschnitt nicht zugestimmt: Finanzminister Evangelos Venizelos.

(Foto: REUTERS)

Nach Standard & Poor's senkt nun auch Moody's den Daumen über der Kreditwürdigkeit Griechenlands. Das Land steht damit in der Systematik von zwei der drei großen Ratingagenturen knapp vor "Zahlungsausfall". Die Gefahr einer Staatspleite sehen die Analysten mit dem anstehenden Anleihentauschs noch lange nicht gebannt.

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Teures Pflaster Griechenland: Oma Asimina ist 70 und muss zusammen mit ihrem Mann mit 600 Euro im Monat auskommen.

(Foto: AP)

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf das niedrigste Niveau ihrer Bonitätsskala herabgestuft. Das hochverschuldete Land stehe am Beginn eines Zahlungsausfalls, hieß es. Die Bewertung werde von "Ca" auf die Notenstufe "C" gesenkt - das ist die letzte Stufe vor "D" für Zahlungsausfall ("Default").

Die griechische Regierung reagierte gelassen auf die erneute Herabstufung. Man habe den Schritt erwartet, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos. Es sei Sache der Agentur, die Bewertung vorzunehmen. In Athen ging man aber davon aus, dass eine bessere Bewertung erfolgen werde, sobald der Schuldenschnitt unter Dach und Fach sei. Ähnlich hatte sich die Regierung schon nach der Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) geäußert.

Zur Begründung führte Moody's die Einigung über den mit den privaten Gläubigern an. Die zu dem Forderungsverzicht verkündeten Vereinbarungen hätten zur Folge, dass den beteiligten Inhabern griechischer Schuldverschreibungen bedeutende wirtschaftliche Verluste entstünden, teilte Moody's mit. Es sei zu erwarten, dass die prozentuale Differenz bei einem Tausch der Staatsanleihen die Marke von 70 Prozent noch überschreiten werde. Außerdem sei davon auszugehen, dass auch nach Vollzug des Schuldenschnitts weiter ein hohes Risiko für einen Zahlungsausfall bestehe.

Den ansonsten üblichen Ausblick auf anstehende Ratingveränderungen lieferte Moody's diesmal nicht mit. Einen Ausblick auf die weitere Entwicklung könne deshalb nicht gegeben werden, da die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls weiter hoch sei, sich Griechenland aber bereits auf der niedrigsten Bewertungsstufe befinde.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Als Vertreter der Gläubigerseite hatte sich der internationale Bankenverband IIF in der vergangenen Woche bereiterklärt, auf Forderungen in Höhe von 107 Mrd. Euro zu verzichten. Dazu sollen sie ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere eintauschen. Offen ist derzeit noch, ob die übrigen privaten Gläubiger neben den im IIF organisierten Kreditinstituten der Einigung zustimmen. Dazu zählen neben Versicherungen, Hedgefonds und Pensionskassen auch unzählige Kleinanleger.

Die Aktion soll Mitte März abgeschlossen sein. Zum Die Rettung der Griechen gehören überdies neue Milliarden-Hilfen der Euro-Länder in Höhe von 130 Mrd. Euro, für die Griechenland im Gegenzug einen strikten Spar- und Reformkurs einhalten muss. Der griechische Schuldenberg von derzeit rund 350 Milliarden Euro soll auf diese Weise bis zum Jahr 2020 auf 120,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken.

Moody's gibt keine Aussicht auf Verbesserung

In der vergangenen Woche hatte S&P bereits mit einer erneuten Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands auf den Schuldenschnitt reagiert. Die bereits als mangelhaft S&P belastet Griechenland . Das neu eingeführte Kürzel "SD" steht dabei für "Selective Default", also für einen "teilweisen" Zahlungsausfall.

Ein kompletter Zahlungsausfall wäre deshalb so problematisch, weil damit Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte. Damals war es nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers zu einer CDS-Bombe ist Rohrkrepierer gekommen.

Die Analysten von S&P sehen die Perspektiven Griechenlands in einem etwas freundlicheren Licht als Moody's: Wenn genügend Anleihenbesitzer ihre Wertpapiere wie vorgeschlagen umtauschten, könne sich die Kreditsituation für Griechenland schnell wieder entspannen, hieß es. Die Ratingagentur stellte für diesen Fall eine Hochstufung auf "CCC" in Aussicht. Dies wäre zwar deutlich besser als "SD", Griechenland würde aber noch immer als Land mit gehörigem Ausfallrisiko gelten.

Wie reagieren die Anleger?

Moody's stellte hingegen keine Verbesserung seiner Bewertung in Aussicht. Selbst wenn der Schuldenschnitt wie geplant erfolge, bleibe das Risiko eines Zahlungsausfalls hoch, erklärte die Agentur. Schließlich werde der Schuldenberg Griechenlands mehrere Jahre lang weit über hundert Prozent des BIP liegen. Das neue Moody's-Urteil wurde aus naheliegenden Gründen erst nach Handelsschluss an der New Yorker Wall Street bekannt gegeben. So sollten Kurzschlussreaktionen an den Märkten vermieden werden.

Doch schon die Herabstufung durch S&P hatte an den Märkten kaum Bewegung ausgelöst. Dennoch wirkte sich die erneute Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands unmittelbar auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aus: Der EZB-Rat beschloss, griechische Staatsanleihen sowie von Griechenland garantierte Wertpapiere vorübergehend nicht mehr als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren.

Die griechische Regierung sah sich nach dem S&P-Votum gezwungen, umgehend für Schadensbegrenzung zu sorgen: Die Banken des Landes seien nicht gefährdet, hieß es aus Athen. Die Zentralbank und der Euro-Rettungsfonds hätten vorgesorgt. Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte Gelassenheit demonstriert. Der Schritt von Standard & Poor's sei erwartet worden. Erst am Montag hatte der Deutsche Bundestag dem 130 Milliarden Euro schweren neuen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Einer der Kernpunkte ist der freiwillige teilweise Forderungsverzicht privater Gläubiger Athens.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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