Wirtschaft

Zockerskandal mit Folgen Moody's nimmt UBS aufs Korn

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Werden Banken zu lasch kontrolliert?

(Foto: REUTERS)

Der Zockerskandal bei der UBS könnte die Schweizer Großbank teuer zu stehen kommen: Wegen des spektakulären Milliardenverlustes, den ein Händler der Bank eingebrockt hat, gerät die Bonitätsbewertung des Instituts ins Visier der Ratingagentur Moody's. Bei der UBS stellt man sich derweil die Frage nach der internen Risikokontrolle.

Als Reaktion auf einen von einem Mitarbeiter der Schweizer Großbank UBS verursachten Milliardenschaden erwägt die Ratingagentur Moody's eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Bank. Moody's hatte erst vor zwei Tagen die französischen Banken Société Generale und Crédit Agricole wegen ihrer Engagements in Anleihen von europäischen Schuldenstaaten abgestuft.

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Die Londoner Polizei äußert sich zur Verhaftung des UBS-Händlers.

(Foto: Reuters)

Der Schaden bei der UBS von umgerechnet fast 1,5 Mrd. Euro, den der 31 Jahre alte Investmentbanker durch nicht genehmigte Transaktionen verursacht habe, zeige erneut "Schwächen im Risikomanagement" der UBS auf, erklärte die Agentur. Es sei zwar anzunehmen, dass die Bank den Verlust verkrafte. Hingegen sei fraglich, ob sie zur Reorganisation ihrer Geschäftsabläufe fähig sei, hieß es. Wegen des anhaltend schwachen Risikomanagements prüft die Agentur nach eigenen Angaben eine Herabstufung des Langfristratings ("Aa3").

Der Vorfall war bekannt geworden, nachdem die Londoner Polizei den betroffenen UBS-Mitarbeiter festgenommen hatte. Nach unbestätigten Medienberichten handelt es sich bei dem Mann um Kweku A., der in London seit fünf Jahren für den Bereich der Exchange Traded Funds (ETF) zuständig gewesen sein soll, mit denen Anleger in die Entwicklung von Börsenindizes investieren können. Der Mann soll aus Ghana stammen. Weder Bank noch Polizei machten offizielle Angaben zur Identität des Mannes.

"Beträchtliche kriminelle Energie"

Die "Neue Zürcher Zeitung" zitierte die UBS jedoch am Morgen mit der Aussage, die Verluste habe ein "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" verursacht. Damit stellt sich bei der UBS die Frage nach der internen Risikokontrolle. Analyst Jemej Omahen von Goldman Sachs erklärte, am gravierendsten sei der neuerliche Reputationsverlust für die Bank. Der finanzielle Verlust sei zu verdauen, insgesamt sei der Vorfall aber ein Anlass, das Investmentbanking deutlich zu verkleinern.

Die größte Schweizer Bank gehört in Europa zu den Banken, die am schwersten von der Finanzkrise getroffen wurden. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Mrd. Franken an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden. Mit 60 Mrd. Franken wurde die Bank schließlich gestützt. Mehr als 10.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Anfang des Jahres hatte sich der Credit-Suisse-Konkurrent noch auf dem Wege der Besserung gezeigt.

Wo bleibt die Reglementierung?

Der Frankfurter Bankenexperte Martin Faust fordert vor dem Hintergrund dieses erneuten Falles von milliardenschweren Spekulationsskandals eine strenge Reglementierung des Eigenhandels der Banken. "Ich plädiere dafür, dass der reine Eigenhandel der Banken, hinter dem kein Kundenauftrag steht, stark eingeschränkt wird", sagte Faust, der an der FrankfurtSchool of Finance and Management lehrt, der "Frankfurter Rundschau".

"Volkswirtschaftlich bringt es keinen Nutzen, dafür aber enorme Risiken, wenn Banken, die dabei Verluste erleiden, mit Staatsgeldern gestützt werden müssen." Zum aktuellen Fall der UBS sagte Faust: "Man wird sehen, ob es sich um einen einzelnen Mitarbeiter handelt oder ob weitere Personen beteiligt sind, die das Verhalten unterstützt oder sogar toleriert haben."

Unkultur des Casino Royals

Im Investmentbanking, zu dem der Eigenhandel der Banken gehöre, bestehe ein hoher Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern und es herrsche eine "Kultur des Nicht-Versagen-Dürfens" vor. "Wer Fehler macht, riskiert sofort entlassen zu werden", sagte Faust. "Deshalb neigen häufig gerade junge Händler dazu, immer mehr zu riskieren, um einen Fehler wieder gut zu machen. Sie handeln dann wie Spieler im Casino, die nach jedem Verlust ihren Einsatz verdoppeln. Das geht häufig gut, kann aber auch schnell in der Katastrophe enden."

Quelle: n-tv.de, ddi/AFP/dpa/DJ

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