Wirtschaft

Tencent steigt bei Tesla ein Musk verbrüdert sich mit Chinesen

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Tesla-Gründer Elon Musk will sein Prestigeprojekt "Model 3" unter anderem mit frischem Geld aus China realisieren.

(Foto: AP)

Um seine Vision von einem Elektroauto für den Massenmarkt zu verwirklichen, übt Elon Musk den Schulterschluss mit Tencent. Für den Tesla-Gründer ist der Deal mit dem chinesischen Facebook-Rivalen eine strategische Flucht nach vorn.

Tesla Motors (USD)
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Elon Musk hat viele ambitionierte Vorhaben. Gerade erst verkündete der Selfmade-Milliardär etwa, an einem Projekt zur Verschmelzung von menschlichen Gehirnen mit Computern zu arbeiten. Nebenbei treibt der US-Unternehmer die Entwicklung von Raumschiffen für Expeditionen zum Mars sowie zum Mond voran. Einem seiner Ziele ist Musk nun ein großes Stück nähergekommen – dank frischem Geld aus China.

Um seinen ehrgeizigen Zeitplan zum Angriff auf den Automarkt einhalten zu können, hat sich Musks Elektroauto-Konzern Tesla mit dem chinesischen Internetriesen Tencent verbrüdert. Laut der US-Börsenaufsicht SEC blätterte das Firmengeflecht aus Shenzhen rund 1,78 Milliarden Dollar (etwa 1,64 Milliarden Euro) hin, um knapp 8,17 Millionen Tesla-Aktien zu erwerben. Damit besitzt Tencent einen Anteil von 5 Prozent an und zählt ab sofort zu Teslas Großaktionären. Größter Anteilseigner bleibt Gründer Musk mit rund 20 Prozent.

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Unmittelbar nach dem Geschäft twitterte Musk, er sei glücklich, Tencent "als Investor und Berater" an Teslas Seite zu wissen. Wenige Stunden später antwortete Tencent-Präsident Martin Lau via Twitter, dass sich Tencent als "unterstützender Anteilseigner" auf die gemeinsame Zusammenarbeit freue. Darüber hinaus twitterte er: "Wir teilen Teslas Vision, eine bessere Zukunft für den Planeten zu schaffen." Mit der Milliardeninvestition hat Tencent zumindest Teslas Zukunftsaussichten enorm verbessert. Für den Elektroautobauer kommt die Finanzspritze aus Asien zur rechten Zeit, denn er ist mit Tesla mittlerweile zum Erfolg verdammt.

Strategische Flucht nach vorn

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Vor Kurzem hatte Firmenchef Musk das ehrgeizige Ziel bekräftigt, pünktlich im Sommer mit der Massenfertigung des "Model 3" zu beginnen. Mit dem Elektroauto will Tesla den Sprung von der Luxus- in die Mittelklasse schaffen und somit den lukrativen Massenmarkt erobern. Für die Realisierung des Vorhabens hatte das Unternehmen jüngst im Zuge einer Kapitalerhöhung mehr als eine Milliarde Dollar eingestrichen. Zudem wurden neue Aktien und Anleihen aufgelegt.

Der Tencent-Deal ist für Tesla eine Flucht nach vorn: Denn mit dem Prestigeprojekt "Model 3" ist Musk ein hohes unternehmerisches Risiko eingegangen. Zwar legte Tesla starke Umsatzzahlen im vergangenen Quartal vor, doch der Konzern schreibt seit Jahren rote Zahlen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, muss Tesla bis 2018 mehr als 2 Millarden Dollar an Geldgeber zurückzahlen. Die Investoren werden langsam nervös.

Damit die Rückzahlung gelingt, sollen im letzten Quartal 2017 wöchentlich bis zu 5000 "Model 3" vom Band rollen. Im kommenden Jahr sollen es dann sogar insgesamt etwa eine halbe Million Elektroautos sein. Finden die 35.000 Dollar (etwa 32.000 Euro) teuren Fahrzeuge keinen Absatz, dürfte Musks Vision von einem Elektroauto für den Massenmarkt gescheitert sein. Derzeit sieht es allerdings danach aus, als sei das frische Geld aus Asien gut investiert. Nach Bekanntwerden des Geschäfts kletterte die Tesla-Aktie um rund 2,7 Prozent nach oben.

Auch mit Blick auf die marktstrategische Ausrichtung scheint das Tencent-Investment ein kluger Schachzug von Musk zu sein. Experten rechnen damit, dass das Geschäft ein weiterer Schritt von Tesla in Richtung China ist. Auf dem größten Automarkt der Welt bringen sich viele Unternehmen für die E-Revolution in Stellung - zumal die chinesische Regierung ein Quotensystem für Elektroautos plant.

Geld vom ambitionierten Facebook-Rivalen

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Betrachtet man den Tesla-Tencent-Deal genauer, handelt es sich dabei ohne Frage um eine Win-Win-Situation. Mit seinem Einstieg bei Tesla hat Tencent seine Position als wertvollster chinesischer Technologiekonzern gestärkt. Das 1998 gegründete Unternehmen betreibt bereits Chinas größtes Online-Netzwerk "WeChat", das weltweit etwa 889 Millionen monatliche Nutzer hat. Damit ist Tencent größter Rivale von Facebook auf dem asiatischen Markt.

Die Finanzspritze für Tesla ist Teil von Tencents zweigleisiger Investitionsstrategie: Zum einen ist der Konzern bestrebt, zunehmend Fuß abseits des heimischen Marktes zu fassen. Erst im Juni kaufte sich Tencent im großen Stil für rund 8,6 Milliarden Dollar beim finnischen Spieleentwickler Supercell ein, der das Onlinespiel "Clash of Clans" produziert. Auch an der US-Firma Riot Games, die mit "League of Legends" ebenfalls ein Trendspiel entwickelt, hält Tencent Mehrheitsanteile.

Vor allem aber stärkt der ambitionierte Facebook-Konkurrent mit seinem Investment bei Tesla seine Position auf dem Elektromobilitätsmarkt. So investierte Tencent in der Vergangenheit schon kräftig in den heimischen Tesla-Konkurrenten NextEV und in das Elektroauto-Start-up Future Mobility, das ebenfalls aus China kommt. Zudem hält Tencent bereits Anteile am Kartendienst Here von Audi, BMW und Daimler.

Der Blick auf die Konzernbilanz lässt erahnen, weshalb sich Elon Musk mit Tencent verbrüdert: Der Umsatz des Firmengeflechts schwoll im vergangenen Jahr von 102,86 Milliarden Yuan im Vorjahr auf 151,93 Milliarden Yuan (etwa 20,5 Milliarden Euro) an, was einem Plus von satten 48 Prozent entspricht. Der Gewinn stieg um fast 43 Prozent von 28,8 Milliarden Yuan auf rund 41,5 Milliarden Yuan. Von solchen Zahlen kann Musk bislang nur träumen.

Quelle: n-tv.de

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