Wirtschaft

Absatzkrise in Europa Opel plant Kurzarbeit

Der Autobauer Opel führt Gespräche mit der IG Metall und dem Betriebsrat über die Einführung von Kurzarbeit in Rüsselsheim. Hintergrund ist die Auftragsflaute in Europa.

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Opel-Beschäftigte in Rüsselsheim.

(Foto: picture alliance / dpa)

Opel muss wegen des Absatzeinbruchs die Bänder langsamer laufen lassen und will Beschäftigte in Zwangspause schicken. Die Geschäftsleitung verhandele derzeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall über Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung, sagte ein Sprecher des Automobilherstellers. Ein Ergebnis der Verhandlungen sei kurzfristig zu erwarten. Es gehe um das Stammwerk in Rüsselsheim mit fast 14.000 Beschäftigten, wo das Topmodell Insignia und der kompakte Astra vom Band laufen. Aus Firmenkreisen verlautete, auch das Komponentenwerk in Kaiserslautern mit 2500 Mitarbeitern sei betroffen.

In der Produktion in Rüsselsheim arbeiten 3500 Menschen. Vor allem für viele von ihnen dürfte Opel Kurzarbeit anmelden wollen. Unklar sei noch, wie die Arbeitszeit in der Verwaltung reduziert werden könne, sagte der Sprecher. Die angeschlagene GM-Tochter hatte den Produktionsrückgang bisher durch Arbeitszeitkonten aufgefangen. Diese Möglichkeit sei nun ausgeschöpft, hieß es.

General Motors (GM)
General Motors (GM) 36,65

Opel leidet besonders unter der Absatzkrise in Europa und kann die Produktion kaum noch auslasten. Auf den Höfen reihen sich unverkaufte Autos, wodurch enorme Summen an Kapital gebunden sind. Im zweiten Quartal hatte die GM-Europa-Tochter 361 Mio. Euro Verlust eingefahren - der US-Autokonzern hat in den vergangenen zehn Jahren in Europa insgesamt 14 Mrd. Dollar verloren.

Seit Jahren wird der traditionsreiche Autobauer Opel nun schon saniert, die Debatte um Werksschließungen kocht aber immer wieder hoch. Genannt wird immer wieder die Fabrik in Bochum. Das Werk in der Ruhrgebietsstadt hat derzeit aber gut zu tun, weil der Familienwagen Zafira gefragt ist. Auch in Eisenach, wo der Corsa vom Band läuft, plant Opel derzeit keine Kurzarbeit.

Gespräche laufen

Opel hat bereits Kontakt zur Arbeitsagentur in Darmstadt aufgenommen. Ein erstes Gespräch habe schon im Juli stattgefunden. Dabei sei es um Grundsatzfragen gegangen, sagte eine Sprecherin. Derzeit finde ein Folgetreffen statt. Konkrete Vereinbarungen seien bisher nicht getroffen worden. Opel dürfte auf das konjunkturelle Kurzarbeitergeld zielen, das gezahlt wird, wenn ein Unternehmen als Folge einer Auftragsflaute die Belegschaft nicht mehr auslasten kann. Kurzarbeitergeld wird seit Anfang dieses Jahres bei neuen Anträgen nur noch für sechs Monate gezahlt. Kurzarbeiter bekommen - wie beim regulären Arbeitslosengeld - 60 Prozent (Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent) des ihnen durch den Arbeitsausfall entgehenden Nettolohns erstattet.

Die Kurzarbeit, mit der Auftragsflauten ohne Entlassungen überbrückt werden können, ist weit von den Höchstständen der Jahre 2008/2009 entfernt. Damals schwoll die Zahl der Beschäftigten mit Zwangspausen in der Konjunkturkrise auf gut 1,4 Millionen an. Derzeit sind es nach Hochrechnungen der BA (nach letzten Zahlen für den Mai) gut 80.000, eine seit einigen Monaten kaum gestiegene Zahl. Allein die Metallindustrie, zu denen die Autobauer gehören, zählt nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall mehr als 40.000 Kurzarbeiter.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa

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