Wirtschaft

Samwer hält an Zielen fest Rocket Internet erbrütet sattes Minus

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Ob es was wird, ist zumeist unsicher: Rocket will Online-Firmen in die Welt helfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Damit hatten Anleger wohl nicht gerechnet: Deutschlands prominentester Online-Firmen-Brüter muss erhebliche Wertberichtigungen auf seine Setzlinge vornehmen. Unter dem Strich bedeutet dies tiefrote Zahlen.

Die Startup-Schmiede Rocket Internet ist im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Grund sind Sonderbelastungen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Fehlbetrag summiert sich in den sechs Monaten auf 617 Millionen Euro. Das Ergebnis sei vor allem durch Abwertungen bei der Global Fashion Group gemindert worden. Insgesamt habe die Beteiligung, die eine Reihe von Modeonlinehändlern insbesondere aus den Schwellenländern unter ihrem Dach vereint, Verluste von 383 Millionen Euro zu dem Ergebnis von Rocket Internet beigetragen. Die Bewertung des Bereichs war bei der im April gestarteten Finanzierungsrunde von 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf eine Milliarde Euro gesunken.

Zudem sei das Ergebnis des Berliner Unternehmens durch weitere Sondereffekte wie Wertminderungen belastet worden. Im Vorjahr hatte Rocket den damaligen Daten zufolge im ersten Halbjahr einen Verlust von 45,9 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz habe sich auf 29 Millionen von 71 Millionen Euro verringert. Das Unternehmen begründete dies mit der Entkonsolidierung von Tochtergesellschaften.

Rocket Internet hält Beteiligungen an Online-Firmen, mit dem Fokus auf Online-Handel sowie Essenszustellung - etwa am Kochbox-Anbieter HelloFresh, dem Essenslieferdienst Delivery Hero und dem Möbelhändler Westwing sowie Home24. Rockets Geschäft - das Gründen von Startups nach dem Fließbandprinzip - verschlingt viel Geld. Anleger waren zuletzt verunsichert, ob es dem Konzern gelingen wird, dies über Verkäufe und Börsengänge jemals wieder einzuspielen.

"Ungeachtet dieser Sondereffekte hält Rocket Internet weiterhin an den ausgegebenen Zielen fest", sagte Unternehmenschef Oliver Samwer. "Nach wie vor erwarten wir, dass bis Ende 2017 mindestens drei unserer Beteiligungen profitabel sein werden, und die aggregierten operativen Verluste unserer wesentlichen Beteiligungen 2015 den Höchstpunkt hatten." Bisher schreiben sie allesamt rote Zahlen. Samwer betont, im Online-Handel seien Anfangsjahre mit hohen Investitionen und Verlusten nötig.

Händler zeigten sich in ersten Reaktionen überrascht: "Bei diesen Zahlen muss man zweimal hinschauen", sagte ein Marktteilnehmer zu dem Verlust. Zwar hätten sich hohe Wertberichtigungen bei der Global Fashion Group bereits angekündigt. Doch betrügen diese nur 383 Millionen der 617 Millionen Euro an Berichtigungen insgesamt. Für die Aktie dürfte es nach unten gehen, erwartet der Händler. Seit Jahresbeginn hat sie bereits ein Drittel an Wert verloren.

Die gesamten Halbjahreszahlen will das Unternehmen am 22. September vorlegen.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts/dpa