Wirtschaft
Immer schön langsam ...
Immer schön langsam ...(Foto: REUTERS)
Dienstag, 28. Juni 2011

Und wenn die Umschuldung gelingt?: S&P beißt Zähne zusammen

Die Ratingagentur Standard & Poor's hält sich mit Äußerungen zur griechischen Umschuldungsfrage plötzlich ungewohnt bedeckt. Europaweit werden derzeit Gespräche über ein freiwilliges Engagement der Banken geführt. Erst vor kurzem hatten Moody's und S&P getönt, eine Umschuldung komme in ihrem Urteil auch einer Pleite gleich. Jetzt heißt es, man wolle erst einmal die Details abwarten.

Sind das die Zeichen eines Sinneswandels? Nachdem die US-amerikanischen Ratinsagenturen sich einen Namen gemacht haben, mit ihren Bonitätsbewertungen wie mit der Tür ins europäische Haus zu fallen, hält die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sich nun bedeckt zu den möglichen Auswirkungen einer Beteiligung privater Gläubiger an neuen Hilfen für Griechenland.

Die Ratingagenturen können mit ihren Bonitätsbewertungen über Ach und Wehe eines Landes entscheiden.
Die Ratingagenturen können mit ihren Bonitätsbewertungen über Ach und Wehe eines Landes entscheiden.(Foto: picture alliance / dpa)

Es sei zu früh, um die Folgen eines solchen Schritts für die Bonitätsbewertung einzuschätzen, sagte S&P-Experte Moritz Krämer dem österreichischen Fernsehen. Noch fehlten die nötigen Informationen. "Wir haben ganz einfach die Details nicht", sagte Krämer.

Derzeit laufen europaweit Verhandlungen über ein freiwilliges Engagement der Finanzwirtschaft bei einem neuen Rettungspaket für Griechenland. Krämer wurde gefragt, ob er sich eine Lösung vorstellen könne, die nicht zu einer Herabstufung des Ratings führen würde. Der Experte wollte sich dazu nur vage äußern: "Es ist vorstellbar abhängig von der Situation".

Umschuldung = Pleite?

Eine endgültige Schlussfolgerung zu ziehen in der derzeitigen Situation, sei "überhaupt nicht möglich". S&P hatte ebenso wie die Konkurrenzagentur Moody's deutlich gemacht, dass jede Art der Umschuldung als Zahlungsausfall gewertet würde. Bei einem solchen Schritt befürchten viele Fachleute und Politiker unkontrollierbare Reaktionen an den Finanzmärkten.

Die Ratingagenturen stehen derzeit unter verschärfter Beobachtung. Viele ihrer Urteile werden heute von Experten als Fehleinschätzungen gewertet. Die neue europäische Finanzaufsicht will neue Regularien und Standards für Bewertungen von Firmen und Ländern einführen und hat den US-amerikanischen Ratingagenturen zu verstehen gegeben, dass sie in Europa künftig nicht mehr das alleinige Sagen haben werden.

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Quelle: n-tv.de