Wirtschaft

Yuan wird IWF-Reservewährung So mächtig sind die Chinesen

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China ist in den letzten 30 Jahren zur wirtschaftlichen Supermacht geworden - den Preis bezahlen Volk und Umwelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der internationale Währungsfonds nimmt China in den Club der wichtigsten Devisenmächte auf: Das Reich der Mitte ist in drei Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Supermacht geworden. Doch der Aufstieg wurde teuer erkauft. Und bleibt riskant.

Es ist ein Achtungszeichen: Neben Dollar, Euro, Yen und Pfund wird die chinesische Währung Yuan ab Oktober 2016 zur fünften Reservewährung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Mit der Entscheidung rückt China nun offiziell in den Kreis der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt auf. Es ist ein großer Prestigeerfolg für das Reich der Mitte.

Zwar liegt Chinas Ziel, dem Dollar den Rang abzulaufen, immer noch in weiter Ferne. Derzeit werden gerade mal drei Prozent aller weltweiten Finanzgeschäfte in Yuan abgewickelt. Auch deshalb, weil trotz aller Versprechen der chinesischen Führung der Wechselkurs immer noch nicht frei schwankt, sondern von Peking in einem strengen Rahmen fixiert wird.

Doch mit dem Ritterschlag erkennt der IWF eine neue Realität an: China ist in den letzten 30 Jahren zu einer neuen wirtschaftlichen Supermacht geworden, auch wenn das Land für seinen beachtlichen Aufstieg einen hohen Preis bezahlt hat.

Aus dem Nichts zurück in die Weltspitze

Seitdem Deng Xiaoping China mit seinem berühmten Motto "Reich werden ist glorreich" ab 1979 schrittweise für Kapital und Ideen aus dem Ausland öffnete, hat die Volksrepublik einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. Gemessen an der Kaufkraft ist China inzwischen die größte Wirtschaft der Welt. Schon Ende 2014 hat das Reich der Mitte laut IWF erstmals die USA überholt.

Seit den 80er Jahren ist das Land im Schnitt um fast zehn Prozent jährlich gewachsen. Chinas Anteil an der Weltwirtschaft hat in dieser Zeit laut IWF von gerade zweieinhalb auf inzwischen über 17 Prozent zugelegt. Der Anteil der EU sank spiegelbildlich von über 30 auf jetzt noch knapp 17 Prozent. Washingtons Beitrag ging von 22 auf rund 16 Prozent zurück.  

Natürlich muss man den Erfolg ins Verhältnis zur Größe des Landes setzen: Schließlich leben in China 1,4 Milliarden Menschen, in den USA dagegen nur rund 320 Millionen. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen sind die USA (56.000 Dollar) kaufkraftbereinigt immer noch rund viermal so groß wie China (14.200 Dollar). Doch auch hier haben die Chinesen kräftig aufgeholt.   

Historisch gesehen kehrt die Welt damit nur wieder zur Normalität zurück. Als bevölkerungsreichstes Land der Erde war China eigentlich immer schon die größte Wirtschaft. Um 1800 lagen die USA und China beim Pro-Kopf-Einkommen laut IWF etwa gleichauf. Bis 1950 weitete sich der Abstand auf das 21-Fache und ist seitdem wieder auf den Faktor vier zurückgeschrumpft. China nimmt wieder den Stellenwert ein, der seiner Größe entspricht und der ihm durch den westlichen Kolonialismus im Industriezeitalter in den letzten 200 Jahren verwehrt wurde.

Das Wachstum erstickt Millionen

Doch der Fortschritt hat einen enormen Preis gefordert. Chinas Elite ist durch und durch korrupt. Im aktuellen Ranking von Transparency International belegt China nur Platz 100 von 174. Die Top-Funktionäre der Kommunistischen Partei haben sich im Wirtschaftsboom hemmungslos die Taschen vollgemacht. Die Familie von Ex-Premierminister Wen Jiabao hat dank ihrer Macht Milliarden zusammengerafft, enthüllte die New York Times schon 2012. Und auch der neue Staatspräsident Xi Jinping steht unter massivem Korruptionsverdacht.

Berichte darüber werden jedoch in China streng zensiert. Laut Reporter ohne Grenzen ist China immer noch eines der unfreisten Länder der Welt. Bei der Pressefreiheit liegt das Reich der Mitte weltweit auf Rang 176, noch hinter Iran, Somalia und Saudi-Arabien. Nur Syrien, Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea knebeln ihre Journalisten noch schlimmer.

Zudem ist fraglich, wie lange die Erfolgsgeschichte weitergeht. Chinas Wirtschaft gerät nach fast drei Jahrzehnten ungebremster Expansion ins Stocken. Zombie-Fabriken hemmen die Produktivität. Die Banken ächzen unter einem Riesenberg fauler Kredite. Selbst die Regierung rechnet für die nächsten fünf Jahre nur mit 6,5 Prozent Wachstum. Und immer mehr Beobachter fragen sich, ob Pekings optimistische Zahlen überhaupt wahr sind, oder China sich mit kreativer Statistik ein großes Stück größer macht, als es eigentlich ist.

Sicher ist dagegen, dass Umwelt und Bevölkerung den Preis für den jahrzehntelangen Boom zahlen. China versinkt im Dreck. Siebzig Prozent aller Gewässer sind verseucht, ein Großteil des Wassers ungenießbar. 4000 Chinesen sterben täglich an den Folgen der dramatischen Luftverschmutzung. Nur einen Tag nachdem der IWF den Yuan zur neuen Reservewährung machte, musste China tausende Fabriken schließen. Wegen Smog.

Quelle: ntv.de

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