Wirtschaft

Subventionierter Spreu und Weizen Solarbranche wird ausgesiebt

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"Die sinkende Sonne verdoppelt die Schatten", wussten schon die alten Römer

(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Solarbranche steht Kopf: Statt von der Energiewende zu profitieren, häufen sich die Schreckensmeldungen bei Q-Cells & Co. Was Kleinanleger kalt erwischt, wundert Branchenkenner nicht. Subventionen streichen, wettbewerbsunfähige Firmen in die Pleite schicken und dann schauen, wer übrig bleibt. Ist das das Rezept für eine sonnige Zukunft?

Was ist bloß in der Solarbranche los? Statt das nach der Energiewende in Deutschland und Rekordverkaufszahlen die Sonne richtig aufgeht, gibt es fast täglich neue schlechte Nachrichten: Bei Q-Cells ist das Eigenkapital aufgezehrt, Conergy schreibt deutlich höhere Verluste als erwartet und Solon und Solar Millennium mussten bereits Insolvenz anmelden. In Berlin nimmt derweil das Gezänk um die staatliche Förderung von Solarstrom kein Ende. Und dann sind da noch die Chinesen, die mit Billigangeboten den Markt unter Druck setzen.

Die schlechten Nachrichten mitsamt den darauf folgenden Kurseinbrüchen haben viele Kleinanleger, die ihr Geld in die sonnigen, weil nachhaltigen Aktien gesteckt haben, auf dem falschen Fuß erwischt. Manche Analysten haben die Entwicklung jedoch schon lange vorhergesehen und vor der Branche gewarnt. Jahrelang hätten die Solarfirmen nur dank der Fördermittel vom Bund gut gelebt, sagt ein Analyst auf Nachfrage von n-tv.de. Solarwerte hat er Anfang Januar 2012 komplett von seiner Beobachtungsliste gestrichen - schlicht, weil es sich nicht länger lohnte. "Böse gesagt waren das 'Grüne Ökofreaks', die in einer Werkshalle auf einer Wiese Solarmodule gebastelt haben, ohne Unternehmensstrategie, ohne Produktpositionierung", meint der Marktbeobachter. Das habe jahrelang gut funktioniert, ein Unternehmen wie Solon sei da das beste Beispiel. Jahrelang habe Solon damit geprahlt, dass die Kunden ihnen die Module quasi vom Hof holten. Doch dann sei aus dem Verkäufermarkt ein Käufermarkt geworden, und da habe Solon das richtige Management gefehlt.

Wettbewerbsverzerrende Subventionen

Im Jahr 2011 wurden zwar so viele Solaranlagen in Deutschland verkauft wie nie. Die größten Profiteure waren jedoch die chinesische Firmen, die seit etwa fünf Jahren den Markt erobern. Da in vielen Solaranlagen sowohl deutsche als auch chinesische Technik zu finden ist, gibt es keine offiziellen Zahlen über den Marktanteil der chinesischen Hersteller. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch von einer Durchdringung zwischen 60 bis 80 Prozent gesprochen – unterfüttert mit deutschen Fördergeldern. Eine Entwicklung, die der Politik sauer aufstößt: Bundesumweltminister Norbert Röttgen wirft China eine gezielte Verdrängung deutscher Firmen und Monopolstreben in der Solarbranche vor.

Branchenanalysten sehen das weniger emotional: Aus wirtschaftlicher Sicht hätten die Chinesen alles richtig gemacht, heißt es. Deutschland habe dank der Subventionen die Nachfrage kreiert und China habe geliefert. Die Lehre daraus dürfe jetzt aber nicht heißen, noch mehr Fördermittel in den Markt zu drücken. Deutschland habe genug gezahlt, um die Solartechnik in der Welt voranzubringen. Wer jetzt dem Wettbewerb nicht standhalte, müsse halt in die Pleite gehen – wer die nächsten drei Jahre auch ohne Fördermittel überlebe, der sei auch in Zukunft dabei.

Für Solarworld-Chef Frank Asbeck ist China ein Reizthema und eine weitere Senkung der Fördermittel indiskutabel. Doch in einem Punkt ist Asbeck mit den Kritikern seiner Branche einer Meinung: 2012 und 2013 werden die entscheidenden Jahre für die Solarindustrie. "Jetzt trennt sich die Spreu von Weizen. Nur wer in der Vergangenheit seinen Fokus auf Effizienz und Kostenreduktion gelegt hat, wird noch mitspielen können, wenn mit der Netzparität, den gleichen Kosten für Solarstrom und konventionellen Strom, der endgültige Durchbruch für die Photovoltaik ansteht", erklärte Asbeck in einer Pressemitteilung.

Nicht sonnig genug

Fraglich bleibt dabei, ob Solarstrom überhaupt das richtige Produkt für Deutschland ist. Deutsche Energieriesen wie Eon oder RWE, die nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern sind, winken ab: Solarenergie aus Deutschland sei keine ertragreiche Idee. Sie setzen auf BiomasseMitverbrennung in deutschen Kohlekraftwerken oder auf Offshore-Windparks.

Im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit sind Offshore-Windparks und Biomasse für die meisten Anleger jedoch keine gute Anlage-Alternative. Tierschützer warnen vor der Belastung der Wale und Delfine bei den Offshore-Windparks. Bei Biomasse als Energiequelle bleibt das ungute Gefühl, Hungersnöten Vorschub zu leisten. Doch bis sich herauskristallisiert, welche der Solarfirmen tatsächlich überlebensfähig sind, bleiben Solaraktien wohl so etwas wie ein verspäteter New-Economy-Traum.

Quelle: ntv.de