Wirtschaft

Virus als Vermögensbooster Superreiche scheffeln trotz Krise Milliarden

2017-01-16T120000Z_1153327940_RC14D71EC0C0_RTRMADP_3_DAVOS-MEETING-INEQUALITY.JPG

Microsoft-Gründer Bill Gates, Investment-Urgestein Warren Buffett und Amazon-Chef Jeff Bezos (von l.).

(Foto: REUTERS)

In der Pandemie geht die Schere zwischen Arm und Reich noch einmal schneller auseinander. Seit März ist der Club der US-Milliardäre um eine satte Billion Dollar reicher geworden. Die UN richtet einen dringenden Appell an die Bezos und Gates dieser Welt.

Corona wirkt für die Reichsten der Reichen immer mehr wie ein Vermögensbooster. Während am anderen Ende des Spektrums die Armutsrisiken wachsen, weil die Pandemie allein in den USA Millionen Menschen arbeitslos gemacht hat, konnten sie ihren Reichtum - trotz Rezession - in den vergangenen sechs Monaten um stattliche 29 Prozent steigern.

Laut dem Institute for Policy Studies, einer der fünf großen unabhängigen Denkfabriken in Washington D.C., haben Jeff Bezos und Bill Gates zusammen mit den anderen US-Milliardären 845 Milliarden Dollar verdient. Die Studie stützt sich dabei auf Daten von "Forbes". Die 643 reichsten US-Amerikaner verfügen damit zusammen mittlerweile über ein Gesamtvermögen von 3,8 Billionen Dollar - fast 1 Billion mehr als im März. Um die Größenordnung zu veranschaulichen: Die Summe entspricht in etwa dem BIP von Belgien und Österreich zusammen.

Bedanken dürfen sich die Top-Verdiener der Welt hierfür vor allem bei den Notenbanken. Sie zündeten mit ihrer fortgesetzten lockeren Geldpolitik den Turbo an den Aktienmärkten. Allein Amazon-Papiere legten in diesem Jahr um 40 Prozent zu. Konzernchef Jeff Bezos, der das größte Aktienpaket hält, ist dadurch seit Februar um 55,2 Milliarden Dollar reicher geworden. Die Gründerfamilie von Walmart ist heute sogar 60 Milliarden Dollar schwerer. Und Tesla-Chef Elon Musk hat binnen eines halben Jahres sogar 70 Milliarden Dollar mehr auf der hohen Kante.

"Krasser Unterschied" zwischen Arm und Reich

Die Zahlen seien schockierend, zitiert der US-Sender CNN Studienautor und Institutsdirektor Chuck Collins. "Der Unterschied zwischen den Gewinnen der Milliardäre und dem weit verbreiteten wirtschaftlichen Elend in unserer Nation ist krass." Die Zahlen zeigten, wie ungleich die Opfer sind, die die Menschen bringen müssten. Die Zahlen zeigten aber auch "die Profit-Orientierung an der Spitze".

"Dies ist ein beunruhigender Meilenstein in der Geschichte des konzertierten Reichtums und der Macht in den USA", zitierte das Branchenportal Marketwatch Instituts-Direktor Collins bereits im vergangenen Monat. "Das ist einfach zu viel wirtschaftliche und politische Macht in den Händen von zwölf Menschen. Aus der Sicht einer demokratischen Selbstverwaltungsgesellschaft kann man dies ein 'oligarchisches Dutzend' nennen". Zu diesem Dutzend gehören Bezos, Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates oder auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Am anderen Ende des Vermögens-Spektrums sieht es unterdessen trist aus: Die Pandemie hat die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 33 Prozent zum Vorjahr schrumpfen lassen und den Arbeitsmarkt in die schlimmste Krise seit der Wirtschaftskrise gestürzt. Mehr als 40 Millionen US-Amerikaner haben in den vergangenen Monaten Arbeitslosengeld beantragen müssen, allein in der vergangenen Woche waren es weitere 860.000, die sich erstmals registrieren ließen. Im April - im schlimmsten Monat der Pandemie - stieg die Arbeitslosenquote auf 14,7 Prozent. Im August sank sie zwar wieder auf 8,4 Prozent, trotzdem sind laut CNN 11,5 Millionen Jobs verloren gegangen. Außerdem gibt es immer noch vier Mal so viele Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wie vor der Pandemie.

UN: Zeit, den Hungernden zu helfen

Mehr zum Thema

Ungleich größer ist die Not in ärmeren Regionen der Welt, wo die Pandemie noch viel tiefere Spuren hinterlassen hat. In einem eindringlichen Appell wandte sich der Chef des Welternährungsprogramms (WFP) deshalb am Donnerstag an die Milliardäre dieser Welt, im Kampf gegen den Hunger zu helfen. "Wir brauchen 4,9 Milliarden Dollar, um ein Jahr lang alle 30 Millionen Menschen zu ernähren, die ohne die Hilfe des WFP sterben werden", sagte David Beasley vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

Weltweit gebe es etwa 2000 Milliardäre mit einem Nettovermögen von zusammen 8 Billionen Dollar. Etliche hätten ihr Vermögen während der Corona-Pandemie um Milliarden vermehrt. "Ich bin nicht dagegen, dass Menschen Geld verdienen", sagte er. "Aber die Menschheit steht vor der größten Krise, die wir je in unserem Leben gesehen haben." Es sei an der Zeit, dass diejenigen, "die am meisten haben, vortreten und denen helfen, die in dieser außergewöhnlichen Zeit der Weltgeschichte am wenigsten haben", so Beasley weiter. "Die Welt braucht Sie jetzt und es ist an der Zeit, das Richtige zu tun."

Quelle: ntv.de, ddi