Wirtschaft

Geopolitisches Risiko für Firmen "Technologie ist ein Machtinstrument geworden"

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Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge bewegt sich auf einer Autobahn auf der Krim.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Immer neue politische Krisen fordern Firmen heraus, ihr Geschäft wird verwundbarer. Geopolitik gehört deshalb ganz oben auf die Agenda jedes Geschäftsführers, fordern zwei renommierte Berater. Im Krisenfall drohe sonst von heute auf morgen das Geschäftsmodell ausgeknipst zu werden.

Da ist nicht nur die unruhige Großmacht Russland und die Krise in der Ukraine. Oder der Stress um Lieferketten, der Klimawandel und der Chipmangel. Oder die Systemrivalität zwischen USA und China. Es ist eine Bündelung von Risiken, die heute Unternehmen immer wieder einem Stresstest unterziehen. Diese Fragmentierung und Auflösung der alten Weltordnung fordern von Unternehmen eine neue Form der Strategieplanung.

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Katrin Suder wird von Ursula von der Leyen im Bundesverteidigungsministerium am Bendlerblock mit einer feierlichen Serenade verabschiedet.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa)

"Unternehmen müssen einen politischen Muskel aufbauen", sagt Katrin Suder, Strategieberaterin und zuvor Staatssekretärin im Verteidigungsministerium im Podcast "Die Stunde Null". "Ich muss mich im Vorstand mehr damit beschäftigen." Jedem Unternehmen müsse klar sein: Je nachdem, in welcher kritischen Industrie man spiele, könne in einer Krise im Extremfall von heute auf morgen jemand in China oder USA "das Geschäftsmodell ausknipsen" - oder zumindest es erschweren.

Suder hat mit Jan Kallmorgen, dem Gründer der Beratung Berlin Global Advisors, ein Buch veröffentlicht: "Das geopolitische Risiko". Kernthese: Geopolitik gehört ganz oben auf die Agenda jedes Vorstandes, weil die Risiken zunehmen. Die Krise in der Ukraine sei nur ein Beleg von vielen. "Die wichtigste Lehre lautet: Sei vorbereitet", sagt Suder. Wo sitzen Mitarbeiter in Russland oder der Ukraine? Produziere ich dort, was ist mit meinen Lieferketten? Was wäre, wenn das Zahlungssystem SWIFT gegen Russland eingesetzt wird?

"Unternehmen müssen stärker in Szenarien denken und planen und die politischen Landkarten beobachten und verstehen", sagt Kallmorgen im Podcast. Dazu gehöre auch die Frage: Wie kommt es eigentlich dazu, dass Russland die europäische Ordnung infrage stellt? "Wladimir Putin spürt, dass die Gelegenheit günstig ist", so der Strategieberater, der Unternehmen an der Schnittstelle zwischen Geopolitik und Wirtschaft berät.

Die beiden Autoren wollen den Begriff der Geopolitik erweitern - mit zentralen Themen wie ESG, Technologie bis zum Konflikt zwischen den USA und China. "Technologie war lange Zeit ein Kostenfaktor", erklärt Suder, die vor ihrer Zeit im Verteidigungsministerium bei McKinsey war. "Dann war es ein Innovationstreiber. Jetzt ist es ein politisches Machtinstrument geworden." Das durchziehe Fragen der Chips-Lieferketten bis zur Datenregulierung.

Die Marschroute heißt laut Suder: "Technologiepolitik ist Industriepolitik, ist Innovationspolitik, ist Geopolitik, ist Sicherheitspolitik. Das erfordert ein neues strategisches Denken, das wir in Europa lange nicht üben mussten." In dem Buch liefern die beiden Experten konkrete Anleitungen für Unternehmen, wie sie jenseits der Lobbyarbeit diese Risiken in ihre Szenarioplanung aufnehmen.

Das geopolitische Risiko: Unternehmen in der neuen Weltordnung, Campus, 232 Seiten. Weitere Infos zum Buch finden Sie hier.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Was passiert, wenn eine Sportlerin in China "Freiheit für die Uiguren" ruft
  • Ob Deutschland als Exportnation zwischen USA und China zu zerreiben werden droht
  • Wie ein Treffen der Atlantik-Brücke die Wurzeln für das Buch legte

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, jki

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