Wirtschaft

Hohe Zuwachsraten Türkei-Comeback mit Störgeräuschen

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Die Touristenzahlen der Türkei sind im vergangenen Jahr wieder deutlich angestiegen.

(Foto: imago/Westend61)

Die Türkei ist bei den deutschen Urlaubern wieder deutlich beliebter. Die Tourismuskrise scheint überwunden, doch die Misstöne zwischen beiden Ländern verstummen nicht.

Die Türkei hat auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin ein hohes Wachstum bei deutschen Touristen präsentiert. Im vergangenen Jahr machten demnach 4,5 Millionen Deutsche Urlaub in der Türkei, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein stolzes Plus von 26 Prozent.

Auf der Messe hatte der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy also viele positive Zahlen im Gepäck. Die touristischen Krisenjahre sind vorbei und die Stimmung bei den Hoteliers und Reiseveranstaltern ist wieder besser geworden. Das ist auch für die gesamte türkische Wirtschaft ein positives Signal, denn der Tourismus ist für das Land einer der wichtigsten und größten Wirtschaftszweige. "Deutschland ist für die Türkei stets ein sehr wichtiger Markt", sagt Ersoy. "Ausgehend von den Rückmeldungen können wir sagen, dass die deutschen Gäste auch in diesem Jahr mit steigender Tendenz unser Land bevorzugen werden."

Die Türkei ist eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen und liegt gleich hinter Spanien und Italien. Bei Nachfragen zur aktuellen politischen Situation wird Ersoy nicht müde, von "deutsch-türkischer Freundschaft" zu reden.

"Erhöhtes Festnahmerisiko"

All das täuscht nicht darüber hinweg, dass es laute Misstöne gibt. So hatte der türkische Innenminister Süleyman Soylu laut türkischen Medienberichten bei einem Wahlkampfauftritt jüngst gesagt, wer in Deutschland oder anderen europäischen Ländern an Kundgebungen von "Terrororganisationen" teilnehme und danach in die Türkei zum Urlaub komme, werde bei der Einreise festgenommen. Er bezog sich dabei speziell auf die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in der Türkei wie in Deutschland als Terrororganisation verboten ist.

Allerdings gelten in der Türkei auch die islamische Gülen-Bewegung und diverse weitere in Deutschland legale Oppositionsgruppen als Terrororganisation. In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Deutsche oder Deutsch-Türken bei Reisen in die Türkei unter dem Vorwurf der Propaganda oder der Unterstützung einer solchen Organisation festgenommen. Die Vorwürfe stützten sich oft auf Äußerungen in Online-Netzwerken. Der türkische Außenamtssprecher Hami Aksoy erklärte, die Äußerungen des Innenministers seien "bewusst aus dem Zusammenhang gerissen und verzerrt" worden.

Und dann ist da noch der Reisehinweis des Auswärtigen Amts, demzufolge in der Türkei "weiterhin von einem erhöhten Festnahmerisiko auszugehen" sei. Für Minister Ersoy ist all das kein Grund zur Aufregung: "Unter Freunden gibt es manchmal auch Meinungsverschiedenheiten."

Quelle: n-tv.de, mit AFP

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