Wirtschaft

Zurück zu den Wurzeln US-Startup erfindet den Strohhalm neu

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Startup-Gründer am Steuer: In Maine sollen Roggenähren das Ende des Ölzeitalters einläuten.

(Foto: strawstraws.com)

Tag für Tag gehen allein in den USA mehrere Millionen Plastikhalme über den Ladentisch. Ein Ex-Marine aus Maine will den Trinkhalmmarkt nun aufrollen - per Crowdfunding und mit einer Öko-Idee aus Deutschland.

Ein Strohhalm heißt Strohhalm, ist aber in der Regel aus Plastik. Als Jungunternehmer Alex Bennett nach seiner Militärzeit bei einem seiner Besuche in Deutschland auf eine verblüffend naheliegende Alternative aus echtem Stroh stieß, begann in seinem Kopf ein Geschäftsmodell zu reifen, das nicht nur die großen Fastfoodketten ins Ökozeitalter katapultieren könnte. Bennett will die revolutionäre Idee aus Deutschland in die USA übertragen und nebenbei dazu beitragen, eine riesige Menge an Plastikmüll zu vermeiden.

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Den Trinkhalm von Grund auf revolutionieren: Auf Kickstarter sucht Strawstraws nach Unterstützern.

Der Name für Bennetts Startup war schnell gefunden: Strohhalme heißen im Englischen schlicht "Straws". Das, was Bennett anbieten will, ist ein Trinkhalm aus Stroh, ein "Straw Straw" - wiederverwertbar, lebensmittelecht und ausgestattet mit einem smarten Flair transatlantischer Trinkkultur. Mit einer Kickstarter-Kampagne unter dem Namen "Strawstraws" will der Ex-Marine jetzt per Crowdfunding genügend Mittel auftreiben, um den Traum vom umweltfreundlichen Saug- und Nuckelvergnügen Wirklichkeit werden zu lassen.

Roggen aus Maine

Seit dem Frühjahr treiben auf einem Acker im US-Bundesstaat Maine junge Getreidepflanzen aus. Zusammen mit alteingesessenen Landwirten aus seiner Heimat im Nordosten der USA hat Bennett rechtzeitig ausgesäht. Was in den fruchtbaren Böden Neuenglands heranreift, ist nichts anderes als naturbelassener Roggen. Bis daraus ein versandfähiger Trinkhalm wird, ist es allerdings noch ein weiter Weg.

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Importiert Öko-Ideen aus Europa: Alex Bennett (M.) mit Assistenten.

(Foto: strawstraws.com)

Bennett  muss den Roggen länger stehen lassen als üblich. Ihm geht es ja nicht um das Korn, sondern nur um den Halm. Ist der Roggen erst einmal ausgereift, werden Bennett und seine Helfer die Rohlinge mit einem in Deutschland erprobten Spezialverfahren ernten. Grob vereinfacht: Der Schnitt erfolgt tiefer als üblich, und das Stroh wird nach der Ernte weder gepresst noch gehäckselt, sondern von Hand eingefahren und weiterverarbeitet. Und die vollreifen Öko-Ähren? Die gehen als Nebenprodukt in den regionalen Handel. Die kostbaren Halme dagegen werden schonend sterilisiert und nach internationalen Lebensmittelstandards aufbereitet.

Öko-Schick statt Plastikmüll

"Wir haben oben in Maine zwei Farmen, in denen wir Roggen anpflanzen und unsere Produktionsmethoden verfeinern", erklärt Strawstraws-Gründer Bennett im Gespräch mit n-tv.de. "Wir glauben an die Idee. Über kurz oder lang wollen wir so viele Plastikhalme wie möglich durch biologisch abbaubare Strawstraws ersetzen. Je mehr Plastikmüll wir dadurch vermeiden können, desto besser für uns alle."

Bis die Geschäfte mit dem Roggen aus Neuengland voll anlaufen können, muss das junge Unternehmen mit Sitz in Boston allerdings noch auf die biologisch abbaubaren Vorbilder aus der Alten Welt zurückgreifen. Dort ist Idee bereits weit verbreitete. Mehrere Anbieter liefern Trinkhalme aus Stroh. "Wir importieren im Moment noch Roggen-Trinkhalme von Strohmi aus Deutschland", erklärt Bennett. Bevor er jedoch die in den USA in Szenebars und Edelrestaurants heiß begehrten Halme an seine Kunden schicken kann, lässt Bennett die Ware umpacken.

Die Plastikumwicklung der deutschen Partner wandert in Boston ins Recycling. Strawstraws verschickt die saugstarken Öko-Halme in Kartons aus Altpapier, eingehüllt in umweltverträgliches Bio-Zellophan.

Quelle: ntv.de

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