Wirtschaft

Makler lobt Bestellerprinzip "Unseriöse Anbieter würden verschwinden"

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Schlechte Makler "erpressen" ihre Provision vom Käufer, kritisiert Peter Eppich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Peter Eppich ist Immobilienmakler und arbeitet seit Jahren erfolgreich nach dem umstrittenen Bestellerprinzip. Wenn der Auftraggeber zahle, habe das Vorteile für Käufer, Verkäufer und auch für seriöse Makler, erklärt der Geschäftsführer der Freiburger Firma Sonnenland Immobilien im Interview mit n-tv.de. Für sinkende Kosten werde das Bestellerprinzip - anders als von manchen Politikern erhofft - allerdings kaum sorgen.

n-tv.de: Vertreter der Maklerbranche laufen Sturm gegen den Plan, bei Wohnimmobilienkäufen das Bestellerprinzip einzuführen, also in der Regel den Verkäufer die Courtage zahlen zu lassen. Sie handhaben das mit ihrem Unternehmen Sonnenland Immobilien ganz freiwillig schon seit Jahren so. Warum?

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Der Freiburger Immobilienmakler Peter Eppich steht ganz auf der Seite seiner Auftraggeber, die ihn auch ganz bezahlen.

Für mich hat das Bestellerprinzip den Vorteil, dass ich nur einen Auftraggeber und damit auch nur einen Vertragspartner habe. Das macht zunächst einmal bürokratisch vieles unkomplizierter. Vor allem aber muss ich in den Preisverhandlungen nicht den Spagat hinbekommen, die Interessen sowohl des Verkäufers als auch des Käufers zu vertreten. Meines Erachtens ist das auch überhaupt nicht möglich, obwohl ein Makler, dessen Provision sich beide Parteien teilen, juristisch dazu eigentlich verpflichtet wäre. Der Stress, ständig etwas Unmögliches versuchen zu müssen, bleibt mir erspart.

Und warum beauftragen Verkäufer Sie, wenn andere Makler ihnen ihre Leistung praktisch umsonst anbieten?

Es liegt auf der Hand, dass es auch für den Verkäufer von Vorteil ist, wenn der Makler ausschließlich und ganz eindeutig seine Interessen vertritt. Ich frage meinen Kunden: 'Wenn der Notar und der Makler vom Käufer bezahlt werden, wer steht dann eigentlich auf deiner Seite?' Die meisten sehen das ganz schnell ein. Finanziell kommt unter dem Strich ohnehin dasselbe dabei heraus. Die Provision steckt am Ende natürlich im Kaufpreis drin - was allerdings auch einen kleinen Vorteil für den Käufer bietet. Denn eine Maklercourtage darf nicht aus der Baufinanzierung bezahlt werden. Ist die Provision allerdings im Gesamtpreis enthalten, kann der Käufer sie auch mitfinanzieren.

Das heißt auf der anderen Seite aber auch, dass das Bestellerprinzip aus Ihrer Sicht nicht zu massiv sinkenden Kosten für Immobilienkäufer führen wird, wie manche Politiker das derzeit versprechen.

Grundsätzlich dürfte sich da nicht viel ändern. Es gibt ja die Spekulation, dass durch das Bestellerprinzip ein Konkurrenzdruck ausgelöst wird, der dann zu sinkenden Maklergebühren führt. Aber diese Konkurrenz gibt es ja schon. Manche Makler bieten ihre Arbeit ja für die Hälfte der marktüblichen Provision oder - für den Verkäufer – umsonst an. Meine Hoffnung ist, dass eine Konkurrenz beim Bestellerprinzip stärker über die Qualität stattfinden würde. Derzeit können auch schlechte Makler ihre Provision angesichts des angespannten Marktes vom Käufer schlicht erpressen. Solche unseriösen Anbieter würden wahrscheinlich vom Markt verschwinden, oder sie müssten ihre Leistung steigern. Andererseits ist die derzeitige Situation auch ganz bequem für mich persönlich. Da ich mich mit meinem Vorgehen von anderen Anbietern abhebe.

Müssen sie mit Immobilienverkäufern bei der Akquise hart verhandeln um ihre Provision?

Meine Provision beträgt 7,14 Prozent, und ich bin in der glücklichen Lage, dass ich darum in der Regel nicht verhandeln muss. Bei Akquisegesprächen geht es stattdessen vor allem darum, welche Leistungen wir bieten und was die dem Verkäufer bringen: Etwa wie virtuelle 3D-Rundgänge die Zahl der Besichtigungstermine reduzieren, wie wir beraten, wie wir Informationen für alle Beteiligten bereitstellen, und vieles andere.

Trotz all Ihrer Argumente protestieren die Maklerverbände gegen das Bestellerprinzip. Wie reagieren Kollegen auf Ihr Vorgehen und Ihre Argumente?

Als die Diskussion um das Bestellerprinzip bei Vermietungen vor einigen Jahren das erste Mal hochkochte, da gab es schon den einen oder anderen Kollegen, der das nicht so gut fand, was ich mache. Die Mehrheit der Makler ist tatsächlich dagegen, und die Verbände müssen sich halt nach der Mehrheit ihrer Mitglieder richten. Aber es gibt durchaus einige Kollegen, die gut aufgestellt sind mit ihrem Angebot, und die teils auch schon nach dem Bestellerprinzip arbeiten. 

Mit Peter Eppich sprach Max Borowski.

Quelle: n-tv.de

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