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Renaissance der Kryptowährung? Warum Bitcoins wiederauferstehen können

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Immer mehr Händler akzeptieren Bitcoin. Steht die Krypto-Währung vor einer Renaissance?

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Die wichtigste Börse wurde gehackt, eine halbe Milliarde Dollar verschwand, der Kurs stürzte ins Bodenlose: Pleiten und Skandale haben den Bitcoin arg gebeutelt. Doch noch ist die Luft aus dem Digitalgeld noch nicht raus.

2014 war ein schwarzes Jahr für Bitcoin-Besitzer. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da verschwanden aus Mt. Gox, der damals größten Handelsplattform für die Krypto-Währung, Hunderttausende Bitcoins. Fast eine halbe Milliarde Dollar war weg. Mt. Gox meldete Insolvenz an. Mark Karpeles, der Chef der Börse, tauchte ab.

Das Vertrauen in das neue Digitalgeld verpuffte. Der Kurs schmierte ab. Ende Dezember 2013 war ein Bitcoin über 1100 Dollar wert. Heute sind es gerade noch 257 Dollar. Rund 80 Prozent des Wertes sind verpufft. Vergangenes Jahr wurden laut der Technologie-Beratungsfirma Juniper Research Bitcoins und anderes Digitalgeld im Wert von rund 72 Milliarden Dollar gehandelt. In diesem Jahr werden es wohl gerade mal noch etwas über 30 Milliarden Dollar sein, schätzen die Juniper-Analysten.

Der Markt hat sich von den Skandalen bis heute nicht richtig erholt. Doch ein Jahr nach der Pleite von Mt. Gox gibt es aber auch eine Reihe von ermutigenden Signalen. Bis Ende 2019 wird sich die Zahl der aktiven Bitcoin-Nutzer auf 4,7 Millionen fast vervierfachen, schätzt Juniper. Womöglich steht dem Bitcoin nach dem brutalen Absturz eine Renaissance bevor.

Wie sicher sind die Börsen?

Die Sicherheit ist derzeit das größte Problem. Als virtuelle Währung, die in Computern geschaffen und gespeichert wird, sind Bitcoins chronisch durch Hackerangriffe gefährdet. Nicht nur auf Mt. Gox, auch auf den Bitcoin-Börsen Flexcoin und Bitstamp sind im vergangenen Jahr mit Server-Attacken Tausende Bitcoins gestohlen worden. US-Ankläger sehen im ehemaligen Mt.-Gox-Chef Mark Karpeles gar den Kopf hinter Silk Road, dem anonymen Online-Netzwerk, auf dem Schmuggler Waffen und Drogen mit Bitcoins bezahlten, bevor die US-Behörden es 2014 endgültig schlossen. Karpeles hat das zurückgewiesen. Die Ermittler vermuten, der Börsen-Chef habe mit dem Online-Schwarzmarkt den Handel mit Bitcoins in Schwung bringen wollen.

Als anonymes Geld, das von keinem Staat überwacht wird, sind Bitcoins attraktiv für allerlei Kriminelle. Damit die Online-Währung massentauglich wird, müsste sie aber raus aus der Schmuddelecke. Eigentlich gibt es eine Reihe gute Gründe dafür: Anders als bei staatlichen Währungen wie Dollar oder Euro sind die Aufbewahrungskosten von Bitcoins gering. Für Bitcoin-Geschäfte fallen zudem kaum Transaktionskosten an. Bei einer Banken-Überweisung in die USA gehen zwei Prozent des Geldes für Gebühren drauf. Auch bei Zahlungsanbietern wie Paypal fallen saftige Gebühren an. Bitcoins sind dagegen per Definition grenzenlos und unterliegen deshalb auch keinen grenzüberschreitenden Gebühren.

Ebay soll an Bitcoin-System basteln

Damit Bitcoins zum Massen-Zahlungsmittel werden, müssten Firmen, Online-Shops und Händler sie wie normales Geld akzeptieren. Nach Microsoft, Expedia oder Dell akzeptiert inzwischen nun auch der "Time"-Verlag Bitcoins als Zahlungsmittel. Auch Ebay und Paypal sollen die Einführung von Bitcoins als Zahlungsmittel planen.

Was die Massentauglichkeit angeht, ist Juniper Research allerdings deutlich zurückhaltender. Die Tech-Analysten gehen davon aus, dass das Digitalgeld trotz allem ein Nischenprodukt bleiben wird. Denn für die Masse der Online-Shopper dürfte die am Computer errechnete virtuelle Währung nur schwer zu verstehen sein.

Einen großen Schub versprechen sich Anhänger der Krypto-Währung aber davon, dass mit Coinbase inzwischen die erste Bitcoin-Börse in den USA eine staatliche Zulassung ergattert hat. Die großen Kursschwankungen könnten damit der Vergangenheit angehören. Und noch mehr große Händler motivieren, das Digitalgeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren: Expedia und Dell arbeiten bereits mit Coinbase zusammen.

Die klassische Finanzindustrie glaubt offenbar an das neue Digitalgeld: Banken, Wagniskapitalgeber und die New Yorker Börse haben 75 Millionen Dollar in das Startup aus San Francisco investiert. Das ist nur logisch: Mehr als die Hälfte der weltweiten Transaktionen mit Krypto-Geld wurden im vergangenen Jahr in Nordamerika abgeschlossen, sagt Juniper Research.

Quelle: n-tv.de

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