Wirtschaft

Immer größere Wohnungen Warum den Deutschen mehr Platz wichtig ist

f4b149308e84a82de116a6a5923ac7ba.jpg

Corona-Krise lässt Nachfrage nach mehr Raum wachsen.

(Foto: dpa)

Videokonferenzen im Wohnzimmer führen und Kinder in der Küche unterrichten - die Corona-Krise hat nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch das Wohnen in Deutschland verändert. Mehr Raum muss her. Seit Jahren vergrößern sich die Deutschen. Aber nicht alle können sich das leisten.

Die Menschen in Deutschland wohnen in zunehmend größerem Raum. Trotz steigender Mieten und Mangel an adäquaten Wohnungen in den Städten steigt die Quadratmeteranzahl an. Im Durchschnitt sind die Wohnungen knapp 92 Quadratmeter groß. Laut dem Statistischen Bundesamt macht das 47 Quadratmeter pro Kopf - ein Trend, der sich seit 1950 fortsetzt.

Weil die Nachfrage besonders in Städten und deren Einzugsgebieten wächst, wird auch mehr gebaut. Zwei Millionen Wohnungen sind seit 2010 deutschlandweit dazugekommen. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 277.000 Apartments für Mieter geschaffen. Allerdings gehen Experten von einem noch höheren Bedarf aus. Insgesamt gibt es derzeit 42,5 Millionen Wohnungen im Land. Die Fläche der Wohnungen wuchs laut den Destatis-Berechnungen im vergangenen Jahr auf knapp 3,9 Milliarden Quadratmeter.

Dass die Deutschen immer mehr Wert auf ausreichend Platz legen, liege unter anderem daran, dass es deutlich mehr Single-Haushalte gibt und seltener mehrere Generationen unter einem Dach leben, erklärt Wohnpsychologe und Buchautor Uwe Linke ntv.de. Auch der Anteil an Zweit-Wohnsitzen am Arbeitsort sei größer geworden.

Viele können sich aber den zusätzlichen Platz gar nicht leisten. Besonders in Ballungsgebieten und Städten sind Mieten hoch. Bei Neuverträgen geben sich viele Mieter dort deshalb auch mit weniger Fläche zufrieden. "Die Deutschen wollen in der Regel nicht mehr Geld für das Wohnen ausgeben", sagt Wohnpsychologe Linke. "Mieten und Nebenkosten zählen europaweit ohnehin zu den höchsten."

Corona verändert Einstellung zum Wohnen

Die Folgen der Pandemie lassen viele Menschen ihr Wohnkonzept überdenken. Vor allem, weil der Wohnraum während der Corona-Krise immer mehr zum Arbeitsplatz umfunktioniert wird. Viele Menschen bleiben vorsichtshalber lieber zu Hause, statt auszugehen. Damit steige der persönliche Wert der eigenen vier Wände, heißt es in einem Papier des Analysehaus Empirica. Demnach steigt die Nachfrage und auch der Geldwert von Eigenheimen und Wohnungen in der Corona-Krise weiter an.

Wohnungspsychologe Linke sieht darin einen neuen Zukunftstrend: "Wenn man gezwungen ist, die meiste Zeit des Tages zu Hause zu verbringen und dort auch regelmäßig arbeitet, merkt man, dass mehr Raum auch mehr Komfort, aber auch mehr Rückzugsmöglichkeit bedeutet." Vor allem Randgebiete von Städten, aber auch der Wohnungsmarkt auf dem Land würden für viele wieder attraktiver.

Weil die Pandemie Arbeitsort und -zeit langfristig verändert, brauche es jetzt neue Wohnraumkonzepte, so der Wohnpsychologe. "Voll funktionsfähige Arbeitsräume werden in Zukunft ein neues Thema sein."

Quelle: ntv.de, lmw