Wirtschaft

Schicksalszahlen am Abend Wer glaubt an Apple?

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Wieder einmal warten auf Zahlen. Gibt es heute noch eine Überraschung?

(Foto: REUTERS)

Intel, Ebay, Google und Microsoft - sie alle enttäuschen in der US-Berichtssaison. Nun Apple: Die Erwartungen sind gering. Die Analysten gehen von schrumpfenden Gewinnen und stagnierenden Umsätzen aus. Doch ganz ist der Glaube an ein Wunder aus der Apple-Kirche noch nicht erloschen.

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Apple liefert am Abend Zahlen, und die Stimmung erreicht einen neuen Tiefpunkt. Analysten rechnen bestenfalls mit Schadensbegrenzung und schlimmstenfalls mit neuen Horrormeldungen. Die Gewinnentwicklung dürfte mittlerweile um zwei Jahre hinterherhinken, der Umsatz stagnieren, heißt es. Apple, diese Kathedrale der Technik-Jünger, ist nicht mehr der wertvollste Konzern der Welt: der Börsenwert hat sich gar innerhalb eines Jahres fast halbiert. Die Apple-Aktie ist seit ihrem Höchststand von mehr als 700 Dollar im vergangenen Jahr um rund 40 Prozent gefallen, allein seit Jahresbeginn waren es fast 20 Prozent. Der Nasdaq-Index legte im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent zu.

Bereits beim letzten Quartalsbericht musste Apple einen Gewinnrückgang beichten. Entsprechend korrigierten die Analysten ihre Erwartungen für dieses Mal deutlich nach unten. Sie prognostizieren für das dritte Geschäftsquartal des Konzerns im Durchschnitt nun einen Umsatz von 35,02 Mrd. Dollar. Damit würden die Erlöse exakt auf Vorjahresniveau liegen. Der Gewinn wird bei 7,31 Dollar pro Aktie gesehen, das wäre im Vorjahresvergleich ein Minus von 20 Prozent. Apple selbst hat Umsätze zwischen 33,5 und 35,5 Mrd. Dollar und eine Bruttomarge zwischen 36 und 37 Prozent in Aussicht gestellt.

Noch wichtiger als die Zahlen für das abgelaufene Quartal ist für die Börsianer wie immer der Ausblick für die kommenden drei Monate. Sie setzen auf leicht steigende Umsätze von 37 Mrd. Dollar und einem Gewinn von 7,93 Dollar pro Aktie und könnten empfindlich reagieren, wenn diese Erwartungen enttäuscht werden. Das bekamen zuletzt Intel und Microsoft zu spüren – die Aktien der Tech-Riesen knickten nach der Vorlage der Bilanzen deutlich ein.

One more thing, please!

Eine Sache liegt den Börsianern besonders schwer im Magen: Apple hat in den vergangenen drei Monaten nicht ein neues Produkt vorgestellt. Gleichzeitig greifen die Apple-Kunden immer lieber zum günstigeren iPad-Mini und zu den billigeren älteren iPhone-Modellen, was auf die Margen drückt. Die weltweit größten Zuwachsraten auf dem globalen Smartphone-Markt werden zudem derzeit vor allem mit Billig-Smartphones erzielt, die Apple gar nicht im Angebot hat.

Eine neue Revolution à la iPod oder iPhone, "the next big thing", muss also her. Allein, es sieht bisher nicht danach aus, als ob Apple derzeit so etwas in der Hinterhand hat. Zwar gibt es Gerüchte über eine 13-Zoll-Variante des iPad, ein "iPad-Maxi", oder über ein iPhone 5S für das Weihnachtsgeschäft, doch das alleine dürfte nicht für Begeisterungsstürme reichen. Ebenso wenig wie die viel kolportierte "iWatch", über deren Nutzen schon gestritten wird, bevor es sie überhaupt gibt.

Besonders schmerzhaft für Apple-Anhänger: Erzrivale Samsung beweist mit Leichtigkeit, dass sich mit Smartphones Geld verdienen lässt. Lagen die beiden Konkurrenten 2011 mit jeweils 20 Mio. Smartphones noch gleichauf, verkaufen die Südkoreaner mit 74 Mio. Stück mittlerweile dreimal so viele Smartphones wie Apple. Entsprechend werden die Südkoreaner in diesem Quartal womöglich mehr verdient haben, als die Wettbewerber aus Kalifornien. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie in Höhe von 7,31 Dollar, das entspräche einem Überschuss von knapp 7 Mrd. Dollar. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch Microsoft und Intel darum kämpfen müssen, an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. Ebenso wie die Branchenkollegen bereitet Apple zudem das China-Geschäft Sorgen, denn dieser wichtige Absatzmarkt hat zuletzt überraschend stark an Dynamik verloren.

Raum für Überraschungen

Insgesamt kommt der Pessimismus der Analysten also nicht von ungefähr. Doch gerade die nach unten gefahrenen Erwartungen machen Platz für freudige Überraschungen, den Microsoft oder Intel zuletzt nicht hatten. "In der Aktie ist schon viel von den schlechten Nachrichten eingepreist", meinen die Analysten von Feingold Research. Das habe zu einem extrem verlockenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,7 geführt, besonders im Vergleich mit Yahoo, Google oder Amazon. Allerdings dürften die Gewinnschätzungen nun nicht weiter sinken. "Sonst kann das 'G' in KGV nicht mehr mithalten", so die Experten.

Auch die von Apple-Chef Tim Cook angekündigte Erhöhung der Quartalsdividende um 15 Prozent auf 3,05 Dollar je Aktie könnte Aktionäre anlocken, heißt es weiter bei Feingold Research. "Selten hatte man vor Quartalszahlen also eine derart spannende Patt-Situation. Die hohen Cash-Reserven Apples, die Dividende sowie die günstige Bewertung auf der einen, und der Margendruck und fehlendes Umsatzwachstum auf der anderen Seite", so die Analysten. Die Zahlenvorlage am Abend werde so wieder zu einer reinen Glaubensfrage. Wer daran glaube, dass Apple weiter "hip" sei und auch im zweiten Quartal genug Käufer anlocken konnte, für den passe die Bewertung. Und für eine kleine, versteckte Andeutung auf das nächste Produkt, wenn es denn eines gibt, ist ohnehin immer Platz und Zeit.

Quelle: n-tv.de

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