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Auf die Rennstrecke, fertig, los! Wer macht mit bei der Dax-Rally?

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So manch Anleger hat Lust, jetzt noch einen Gang höher zu schalten. Kann Spaß machen, ist aber nicht ohne Risiko.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Dax ist im Rallymodus und die 10.000 Punkte zum Greifen nah. Wer jetzt den schnellen Erfolg sucht, kann mit Faktor-Zertifikaten am besten von einem zügigen Anstieg profitieren. Die Nachteile sind aber nicht zu übersehen.

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Mutige Anleger, die noch auf die Rekordfahrt des Dax in Richtung 10.000 Punkte aufspringen wollen, können Hebelpapiere wie Optionsscheine oder sogenannte Turbos einsetzen. Eine besonders einfache Spielart der Turbos sind Faktor-Zertifikate. Der Name ist verwirrend, weil es sich nicht um Anlage-Zertifikate handelt, sondern um reinrassige Hebelinstrumente.

Einfach in der Anwendung sind die Faktor-Zertifikate, weil sie jeden Tag die Kursentwicklung im Basiswert - wie zum Beispiel im Dax - mit dem gleichen Faktor hebeln. Der Hebel ist also tagtäglich konstant und wird nicht wie bei anderen gehebelten Wertpapieren wie Optionsscheinen oder Turbos verwässert. Zu kompliziert? Wie wäre es mit einem Rechenbeispiel?

Hebel für jeden Geschmack

Faktor-Zertifikate sind mit unterschiedlich hohen Hebeln ausgestattet. So können Anleger flexibel vom Auf und Ab der Märkte profitieren. Liegt der Hebel eines Dax-Faktor-Zertifikats zum Beispiel bei fünf, so profitiert er fünf Mal so stark an der Dax-Performance. Läuft der Markt gegen ihn, sind die Verluste aber auch fünf Mal so hoch.

Angenommen, der Dax steigt um zwei Prozent an einem Tag. Dann würde ein Dax-Long-Faktor-Zertifikat, das bei steigenden Kursen gewinnt, mit einem konstanten Hebel von fünf um ganze zehn Prozent zulegen. Ein Short-Faktor-Zertifikat auf den Dax mit gleicher Hebelwirkung würde in diesem Fall zehn Prozent einbüßen. Die Wertentwicklung hängt also lediglich von der Kursentwicklung des Basiswerts ab.

Der besondere Charme dieser Papiere liegt aber darin, in Trendphasen stärker zu gewinnen oder weniger zu verlieren als andere Hebelpapiere. Der Nachteil besteht wiederum in schwankungsintensiven Märkten. Allerdings ist auch klar: Alle Faktor-Zertifikate unterliegen, wie andere Hebelpapiere auch, einem Totalverlustrisiko. Läuft der Markt jedoch wie gewünscht, zeigen die Papiere ihre Stärke.

Schneller Gewinn, schneller Verlust

Diese Eigenschaften der Faktor-Zertifikate liegen in der Konstruktion begründet. Um das zu verdeutlichen, hier zwei weitere Rechenbespiele. Angenommen eine Aktie, die einem Faktor-Zertifikat zugrunde liegt, notiert bei 100 Euro und steigt 20 Prozent in zwei Tagen, täglich zehn Prozent. Am zweiten Tag notiert sie dann bei 120 Euro. Ein Long-Faktor-Zertifikat auf diese Aktie mit einem Hebel von zwei legt am ersten Tag bereits um 20 Prozent auf 120 Euro zu. Beim Anstieg um zehn Prozent an Tag zwei, gewinnt das Long-Faktor-Zertifikat jetzt zehn Prozent von 120 Euro, weil das Papier als Berechnungsbasis für die tägliche Performance immer den Schlusskurs des vorangegangenen Tages heranzieht. Der konstante Hebel bezieht sich immer auf die Tagesperformance. In diesem Fall sind das 144 Euro am Ende des zweiten Tages (120 Euro + 24 Euro Gewinn, also 20 Prozent von 120 Euro).

Ein vergleichbarer, herkömmlicher Turbo mit einem Hebel von zwei hätte bei einer solchen Bewegung um zwanzig Prozent einen Wert von 140 Euro erzielt (100 mal 20 Prozent mal Hebel 2). Entscheidend ist bei Faktor-Zertifikaten die tägliche Performance, weshalb sich auch die Berechnungsbasis verschiebt. Bei fallenden Kursen verliert ein Long-Faktor-Zertifikat entsprechend weniger als ein gewöhnlicher Turbo, weil die Berechnungsbasis mit sinkenden Kursen kleiner wird.

Die Nachteile werden dagegen in einer schwankungsintensiven Phase sichtbar. Fällt in unserem Beispiel nämlich die Aktie an Tag zwei um zehn Prozent, ist sie wieder an ihren Ausgangspunkt gefallen und der herkömmliche Turbo ebenfalls. Das zweifach gehebelte Faktor-Papier landet in diesem Fall aber bei 96 Euro, weil die tägliche Performance sich auf die 120 Euro beziehen. Zwanzig Prozent hiervon sind 24 Euro und ergibt am Ende des Tages einen Stand von 96 Euro (120 Euro – 24 Euro).

Und was bedeutet das für Dax-Anleger? Wer mit einem anhaltenden Aufwärtstrend im Dax nach dem jüngsten Rekordhoch rechnet, kann mit Faktor-Zertifikaten mehr rausholen als mit gängigen Turbos. Allerdings sollte es ohne kräftige Rücksetzer nach oben gehen. Wer dagegen erwartet, dass es nur unter Schwankungen nach oben oder unten geht, der ist mit den herkömmlichen Turbos besser bedient.

Quelle: n-tv.de

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