Wirtschaft

Kauf-Welle rollt weiter Wie Anleger das Übernahmefieber nutzen

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(Foto: imago/Westend61)

Die weltweite Einkaufstour der Unternehmen treibt die Börsenkurse nach oben. Davon können auch Anleger profitieren. Sie müssen aber gezielt vorgehen.

Das Volumen der weltweit getätigten Unternehmenszusammenschlüsse und Fusionen (M&A) bewegt sich auf Rekordniveau. Alleine im vergangenen Jahr summierten sich die entsprechenden Transaktionen auf 6100 Milliarden US-Dollar. Das waren 27 Prozent mehr als 2014. Ein Abebben der globalen M&A-Welle ist nicht in Sicht. Zuletzt lieferten sich der US-Konzern Marrriott und der chinesische Versicherer Anbang eine milliardenschwere Übernahmenschlacht um die amerikanische Hotelkette Starwood, bevor die Chinesen Ende vergangener Woche überraschend aus dem M&A-Gefecht ausstiegen.

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Das Übernahmefieber wird durch die weltweit hohen Barmittelbestände der Unternehmen befeuert. Dazu kommen, bedingt durch das historisch niedrige Zinsniveau, die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Davon profitieren auch Private-Equity-Fonds, die mit hohen Finanzvolumina ebenfalls die Märkte weltweit nach Übernahmezielen abgrasen. Selbst Family Offices sind zuletzt mangels anderer Renditealternativen auf der Suche nach Direktbeteiligungen.

Die Übernahmewelle hat die Aktienmärkte mit nach oben getrieben. Denn bei den Transaktionen zahlen die Käufer zurzeit Aufschläge von durchschnittlich 30 bis 50 Prozent. Angesichts der hohen Volumina schlägt sich das auch in den Aktienindizes nieder.

Die Luft wird dünner

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Thomas Wukonigg verantwortet bei der Capital-Forum AG u.a. das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 28 Jahre Berufserfahrung.

Das Übernahmefieber dürfte angesichts der niedrigen Zinsen vorerst kaum abklingen. Den weltweiten Börsen könnte aber dennoch kurzfristig die Puste ausgehen. Denn nach einer so starken Aufwärtsbewegung ist eine Konsolidierungsphase üblich. Dafür sprechen auch verschiedene fundamentale Aspekte. So sind vor allem in den USA die Bewertungen schon wieder recht ambitioniert. Außerdem dürfte die Erholung des Ölpreises erst einmal pausieren. Mit ein Grund dafür ist das weiterhin nur geringe Wachstum der Weltwirtschaft. Die jüngsten Konjunkturdaten wie der deutsche Einkaufsmanagerindex oder das US-Verbrauchervertrauen fielen schwächer als erwartet aus.

Da die weltweite Konjunktur sich zwar schwach, aber nicht rückläufig entwickelt, ist außerdem von Seiten der Notenbanken kurzfristig kaum mit weiterer Unterstützung zu rechnen. Im Gegenteil: In den USA könnte das Thema Zinserhöhungszyklus in den kommenden Wochen wieder Fahrt aufnehmen. Unter dem Strich ist vorerst nicht unbedingt mit weiter steigenden Aktienbörsen zu rechnen. Die sinkende Kauflaune der Anleger spiegelt sich bereits an den rückläufigen Börsenumsätzen wider.

Um in diesem eher neutralen Umfeld trotzdem weiter von den bei Übernahmen und Firmenzusammenschlüssen gezahlten Aufschlägen zu profitieren, sollten Anleger selektiv vorgehen. Nicht der Kauf des Gesamtmarkts – zum Beispiel per Indexfonds – verspricht Erfolg, sondern eine gezielte Auswahl von Einzelwerten, also ein Stock-Picking-Ansatz.

Europäischer Mittelstand im Fokus

Bei den weltweiten M&A-Aktivitäten spielen zunehmend Käufer aus Asien – und hier besonders aus China - eine bedeutende Rolle. Diese wollen zum einen ihr Geschäft globalisieren. Zum anderen geht es um den Kauf von Know-how aller Art. Im Fokus stehen dabei der europäische und hier vor allem der deutsche Mittelstand. Besonders gefragte Sektoren sind zurzeit die Informationstechnologie, die Agrochemie und der Tourismus. Zuletzt beflügelten zum Beispiel bei Aixtron, einem Hersteller von Anlagen zur Halbleiterproduktion, Übernahmegerüchte den Aktienkurs.

Anleger, die sich bei potenziellen Übernahmekandidaten positionieren, sollten aber immer darauf achten, dass sich entsprechende Investments auch ohne M&A-Fantasie rechnen. Kommt es dann noch zu einem Übernahmeangebot mit entsprechendem Aufschlag, ist das ein willkommener Zusatzertrag.

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Quelle: n-tv.de