Wirtschaft

Handyspiele und "Arcane"-Serie Wie Netflix bei Gamern auf Kundenfang geht

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"Arcane" überzeugt mit einem ganz eigenen Look und soll "League of Legends"-Spieler zu Netflix locken.

(Foto: Netflix)

Streaminganbieter suchen immer neue Wege, Kunden auf die eigene Plattform zu locken. Netflix punktet aktuell mit einer Animationsserie zum Online-Spiel "League of Legends". Kostenfreie Mobile Games in der App sollen das Angebot erweitern. Der Umfang lässt aber noch zu wünschen übrig.

Die Konkurrenz auf dem Streamingmarkt ist groß. Um Kunden langfristig zu binden oder neue Nutzer für die eigene Plattform zu werben, müssen sich die Betreiber schon etwas einfallen lassen. Während Eigenproduktionen im Bereich Film und Serie praktisch schon der Standard sind, versucht Netflix nun mit einem Strategie-Mix, Gaming-affine Kunden zu gewinnen. Animationsserien zu bekannten Videospielen und Mobile Games sollen es richten - allerdings braucht das Unternehmen für diese Strategie einen langen Atem.

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Die Spiele-Sparte bei Netflix darf man als "übersichtlich" bezeichnen.

Wer die App von Netflix auf seinem Smartphone öffnet, dem wird schnell die neue Rubrik "Spiele" ins Auge stechen. Sechs Mobile Games präsentiert der Streaming-Riese, für Abonnenten sind die Titel alle kostenlos. "Stranger Things: 1984" und "Stranger Things 3" spielen die Geschichte der beliebten Fantasy-Serie nach, in 8-Bit- und 16-Bit-Grafik. Das ist grafisch eher retro statt zeitgemäß - zumindest passt es zur Serie, die in den 80er-Jahren spielt. Neu sind die Titel auch nicht. Als Minispiele für mehrere Plattformen wurden beide Titel bereits 2017 und 2019 veröffentlicht.

Dazu kommen mit "Shooting Hoops" eine Mischung aus Basketball und Darts, "Bowling Ballers", das Poker-Spiel "Card Blast" und das Geschicklichkeitsspiel "Wippen". Im Umfang ist der Start der Gaming-Sektion damit überschaubar und inhaltlich nicht wirklich überzeugend. Laut Netflix soll das aber auch nur der Anfang sein zu "einem großartigen Spielerlebnis". Zocker wird das Ganze eher nicht als neue Kunden auf die Plattform locken.

"Arcane" verdrängt sogar "Squid Game"

Vielversprechender sind da für Netflix Videospieladaptionen im Serienformat: Mit "Castlevania" wurden bereits vier Staffeln zum gleichnamigen "Nintendo"-Klassiker um den Vampir-Jäger Trevor Belmont produziert. Der Hype hielt sich allerdings in Grenzen, weil das Spiel keine aktuellen Ableger hat und eher wenig gezockt wird. Mit "Arcane" ist Netflix nun allerdings ein großer Coup gelungen. Die Adaption und Origin-Story zum beliebten E-Sport-Titel "League of Legends" (LoL) schoss in 38 Ländern auf Platz eins und verwies "Squid Game" auf die Plätze.

Die Serie erzählt die Hintergrundgeschichte der Charaktere aus dieser Fantasywelt. Zocker erkennen in jeder Episode beliebte Figuren, Details und Elemente aus dem Spiel, das seit 2007 die Massen begeistert. Die Produktion ist entsprechend der Netflix-Standards selbst für eine Animationsserie aufwendig: 3D-Elemente werden mit dem klassischen 2D-Comic-Stil und Wasserfarben vermischt - die LoL-Welt bekommt so einen neuen und eigenen Look. Der Titelsong kommt von der Rockband "Imagine Dragons". Die Synchronsprecher hat man bereits in Serien wie "Breaking Bad" gehört. Dank der Handlungsstruktur, die Konflikte zwischen Arm und Reich, zwischen gut und böse, skizziert, ist die Geschichte von "Arcane" auch für weniger Gaming-affine Zuschauer ganz ohne Vorwissen leicht zugänglich.

Netflix lockt an zwei Fronten

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Bei "League of Legends" wird in 5er-Teams gegeneinander gezockt - 4,2 Millionen Menschen spielen täglich.

Einen echten Serienmarathon können Fans aber erst ab dem 20. November hinlegen. Die insgesamt neun Folgen von "Arcane" sind in drei Akte unterteilt, die zu je drei Episoden im Wochentakt veröffentlicht werden. Bei einem Monatsabo loggen sich die neuen Kunden bzw. LoL-Fans so mindestens dreimal ein und entdecken womöglich andere Serien und Filme auf der Plattform für sich.

Netflix lockt also an zwei Fronten mit Gamingbezug. Die eigenen Mobile Games sind das Experimentierfeld und für den Konzern der Einstieg in eine boomende Branche. Während sich viele Spieler weltweit eher auf Titel fokussieren, die Hollywood-Blockbustern ähneln, wird es beim Streamingdienst noch dauern, bis Spiele aus dem obersten Regal über die eigene Plattform erhältlich sein werden. Der Ansatz Gaming und das traditionelle Geschäft zu verknüpfen, war bei der Konkurrenz allerdings auch keine Erfolgsgeschichte. Mit Amazon Underground versuchte zum Beispiel der Onlinehändler Mobile Games und Shopping zu verknüpfen - 2019 wurde die App eingestampft. Google-Dienst Stadia läuft zwar noch, gilt aber als Flop und auch der AppleTV wird kaum für Gaming genutzt.

Die Serienadaptionen sind ein Feld, das Netflix daher auch in Zukunft ordentlich beackert. So hat sich der Streamingriese bereits die Rechte an einer ganzen Reihe von beliebten Videospielen gesichert und Animationsserien dazu angekündigt. "Assassin's Creed", "Cyberpunk 2077" oder auch "Far Cry" sollen in den nächsten beiden Jahren ihre Serien-Spin-offs bekommen. Temporär wird das Netflix immer wieder Neukunden aus der Gamingszene bescheren, sie dauerhaft an die Plattform zu binden, ist die große Herausforderung.

Quelle: ntv.de

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