Wirtschaft

MDax-Neuling im Rampenlicht Wovon lebt Deutsche Wohnen?

Die Postbank scheidet mit Wirkung zum 8. Dezember aus der Liga der wichtigsten deutschen Nebenwerte aus. Ihren angestammten Platz im MDax nimmt die bislang wenig beachtete Deutsche Wohnen ein. Ein Blick auf den Neuling, der unter anderem mehrere tausend Haustüren sein Eigen nennt.

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Der Traum von der eigenen Haustür: Details der denkmalgeschützten Hufeisensiedlung in Berlin-Britz.

(Foto: www.deutsche-wohnen.com)

Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse hat es in seiner Sitzung Anfang Dezember entschieden: Mit dem Zugriff der Deutschen Bank auf die privatkundenstarke Postbank muss die frühere Post-Tochter den MDax verlassen. Deutschlands größtes Geldinstitut hatte sich im Rahmen der geplanten Übernahme die Mehrheit der Postbank-Aktien gesichert. Damit verliert das MDax-Mitglied nach dem Abstieg aus dem Dax im Frühjahr 2009 nun auch noch seinen Platz in der Auswahl der wichtigsten deutschen Nebenwerte. Der Grund: Der im MDax erforderliche Anteil an Aktien im Streubesitz fällt mit dem Einstieg der Deutschen Bank unter die maßgebliche Schwelle von 10 Prozent.

Der außerplanmäßige Rauswurf verhilft dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen (DW) zu neuen Ehren. DW-Chef Michael Zahn reagierte hoch erfreut auf den neuen Rang, der dem Unternehmen eine breiteren Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und unter Investoren verschaffen dürfte. "Die Aufnahme in den MDAX macht uns stolz", ließ Zahn mitteilen. "Dieser Aufstieg bestätigt die Tragfähigkeit und Solidität unseres Geschäftsmodells".

Die Deutsche Wohnen gilt immerhin als Deutschlands zweitgrößte Wohnungsgesellschaft. Gewichtiger in Sachen privat genutzter Immobilien ist hierzulande nur die ebenfalls im MDax gelistete Gagfah. Die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen ähneln sich in den Grundzügen. Im Kern geht es um die Bewirtschaftung und die Entwicklung eines umfangreichen Bestands an Wohnungen. Einnahmen erzielen die Unternehmen aus der Vermietung.

Regional aufgestellt an Rhein, Mosel und Spree

Die Schwerpunkte der Deutsche Wohnen liegen dabei in der Rheinland-Pfalz, im südlichen Hessen und im Großraum Berlin, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz unterhält. Das Immobilienportfolio der Deutschen Wohnen beinhaltet derzeit rund 47.000 Wohneinheiten und 456 Gewerbeimmobilien. Letztere verweisen auf ein weiteres Standbein im Geschäftsfeld Pflege: Unter der Dachmarke "Katharinenhof" betreibt eine Konzerntochter spezielle Seniorenwohnanlagen und Pflegeheime. Angesichts des sich abzeichnenden demografischen Wandels rechnen Experten hier generell "Wir brauchen neue Wege" .

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Meilenstein deutscher Wohnkultur: Berlin Siemensstadt.

(Foto: www.deutsche-wohnen.com)

Alles in allem beschäftigt die Deutsche Wohnen knapp 1300 Menschen. Im Hauptgeschäftsfeld "Wohnen" kümmern sich 350 Mitarbeiter um die Verwaltung und den Ausbau des Immobilienbestands. "Alle Aktivitäten zielen darauf ab, den Wert unseres Portfolios kontinuierlich zu optimieren", heißt es in einer Selbstdarstellung des Unternehmens. Die wichtigsten Stellschrauben seien die "Entwicklung der Kernbestände" sowie "Zukäufe und Veräußerungen".

Um den Wert der Objekte zu steigern, muss die Deutsche Wohnen nicht nur die demographischen Entwicklungen im Blick halten, sondern auch auf die neuen Nutzungsanforderungen eingehen. So hat sich zum Beispiel in den vergangenen Jahrzehnten der Platzbedarf pro Person deutlich vergrößert.

Neue gesellschaftliche Realität

Auch die Mieterstruktur verändert sich immer stärker: Neben herkömmlichen Familienkonzepten sollen vermietbare Wohnobjekte zunehmend auch Raum für moderne Lebensentwürfe bieten. Die wachsende Zahl alleinstehender Personen in den Großstädten zählt dabei noch zu den einfachen Herausforderungen. Schwieriger wird es, wenn der Vermieter den gesellschaftlichen Vorstellungen von Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationen-Häusern baulich im Bestand Rechnung tragen will.

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Vorbildbauten wie die Weiße Stadt haben das Antlitz viele Wohnviertel geprägt.

(Foto: www.deutsche-wohnen.com)

Die Deutsche Wohnen setzt zur Wertsteigerung eigenen Angaben zufolge auf eine "nachhaltige Bewirtschaftung der Wohnimmobilien" auf Basis "ökonomischer und ökologischer Faktoren". In der Praxis geht es dabei vor allem um die Energieeffizienz der Gebäude, die Investitionen in zum Teil großflächige Sanierungsarbeiten erforderlich machen - die immerhin staatlich gefördert werden.

Mit Immobilien von herausragendem Wert kennt man sich bei der Deutschen Wohnen aus: In den Immobilienbeständen befinden sich drei Baudenkmäler der "Berliner Moderne", die als Welterbe der Menschheit auf der Unesco-Liste stehen. Die "Hufeisensiedlung Britz", die "Weiße Stadt" und die "Ringsiedlung Siemensstadt" gelten als Meilensteine im sozialen Wohnungsbau, der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Wohn- und Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten verbessern wollte.

Zahn sucht neue Ziele

Strategisch strebt die Deutsche Wohnen in Richtung Expansion. Drei Jahre nach der Übernahme der Berliner Gehag arbeitet das Management am nächsten großen Zukauf. Gemeinsam mit den Investmentbanken sei in den vergangenen Monaten ein Konzept für die Übernahme eines Konkurrenten erarbeitet worden, kündigte DW-Vorstandschef Zahn Ende November an.

Dabei machte er auch Andeutungen, wohin die Reise gehen könnte: "Eine Übernahme der GSW würden wir uns zutrauen." Der Börsengang der Berliner Firma war im Frühjahr gescheitert. Bislang hatte Deutsche Wohnen lediglich Interesse an einzelnen Wohnungsbeständen des Rivalen signalisiert.

Den Stimmungsumschung begründete Zahn zu diesem Zeitpunkt nicht nur damit, dass der Wettbewerbsdruck bei Wohnimmobilien in Deutschland stark anwachse, sondern auch mit dem Ziel, schnellstmöglich in den Nebenwerte-Index MDax aufsteigen zu wollen. Vor der Postbank-Entscheidung des Indexanbieters Deutsche Börse wäre der Königsweg in diese Richtung vor allem über eine Vergrößerung der Marktkapitalisierung verlaufen. Mit dem außerplanmäßigen Aufstieg hat Zahn diese Ziel früher erreicht als geplant.

Quelle: n-tv.de, mit rts

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