Wirtschaft

Wohin mit dem Geld? Zehn Tipps für mehr Erfolg an der Börse

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(Foto: imago images/McPHOTO)

Dax-Rekord, Corona-Crash, Wirecard - das Börsenjahr 2020 hatte in der ersten Halbzeit unfassbar viel zu bieten. Vor allem aber kann man daraus viel lernen, wenn man einige Regeln verinnerlicht.

Das Börsenjahr 2020 ist bisher spannend wie kein zweites. Es unterstreicht aber auch, wie wichtig einige Regeln für private Anleger sind.

1. Börsenpsychologie ist das A und O Ihrer Geldanlage. So simpel es klingen mag, sind Aktien dann am attraktivsten, wenn sie keiner haben will. Sind alle dagegen entspannt, sollte man vorsichtig sein. Prima abzulesen ist dies am Angstbarometer VDAX-New, das Euphorie und Panik anzeigt

2. Die USA geben den Takt an der Börse vor. Wenn die US-Notenbank mit Geld den Markt flutet, dann sucht dieses Geld einen Hafen - also etwa die Aktienmärkte. Auch in den USA ist es aber wichtig, auf Stimmungen zu achten. Ob diese gerade sehr gut oder sehr schlecht ist, das aggregiert der Fear & Greed-Index. Zwischen 1 und 97 war 2020 bisher alles drin. Je näher an der 100, desto euphorischer sind die Anleger. Im März lag der Index bei 1.

3. Crash-Propheten sind gut, und sie helfen Anlegern - aber bitte nur als Kontraindikatoren. Wenn die sogenannten Propheten am lautesten schreien, dann ist ein Einstieg bei Aktien am interessantesten. Wer ihnen folgt, verpasst Rendite. Die in Deutschland bekanntesten Crash-Propheten haben die Rally im Dax seit 8000 Punkten nahezu vollständig verpasst. Ein teurer Spaß für alle, die Untergangspredigern folgen.

4. Ein gutes Depot sollte intelligent gewichtet sein. Einzelne Aktien oder Positionen dürfen niemals das Portfolio aus dem Gleichgewicht bringen. Weder Netflix noch Tesla sollten mit zehn oder noch mehr Prozent in einem Depot gewichtet sein.

5. Deutsche Anleger lieben Verlierer. Zu den am meisten gehandelten Aktien 2020 im Frühjahr zählten Wirecard oder die Autobauer, aber leider nicht Zoom, Netflix, Tesla oder Amazon. Gefallene Engel mögen in Sachen Bewertung attraktiv scheinen, Investoren gerade aus den USA kaufen aber lieber Fantasie und Zukunft.

6. Jeder Anleger hat einen persönlichen "Bias". Das bedeutet, dass man bestimmte Aktien meidet oder eine bestimmte Schwäche beim Handeln hat. Der eine mag keine Technologie-Titel, der andere ist skeptisch gegenüber Aktien auf Rekordhoch, wieder andere kaufen zu oft gefallene Engel. Diesen "Bias" muss man kennen, um ihn auszutricksen.

7. Der wichtigste Faktor an der Börse ist Geduld. Niemand wird den perfekten Einstiegszeitpunkt finden, doch 2020 zeigt, dass selbst ein Dax-Einstieg bei 11.000 Punkten nur wenige Wochen lang ein Verlustgeschäft war, danach sich aber schon der Erfolg einstellte. Börsengewinne sind sehr oft Schmerzensgeld sehr - erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.

8. Vermeiden Sie bitte Gier und lassen Sie davon ab, punktuell genau den Markt treffen zu wollen. Sowohl bei Absicherungen als auch bei Käufen im Markt sollte man Stück für Stück vorgehen. Auch dabei gilt, dass die Stimmung ein guter Seismograf ist. Sind alle positiv gelaunt, erhöht man also Cash-Quote und Reserven. Man stelle sich am Aktienmarkt immer vor, man sei an einer Spargelbude. Anfang der Saison ist er teuer und das Angebot gering. Am Ende der Saison sind viele gesättigt, das Angebot ist hoch, die Preise fallen.

9. Hören Sie nicht auf heiße Tipps an der Börse und seien Sie skeptisch bei Geschäften, die angeblich auf jeden Fall gutgehen werden. Zu oft entpuppen sich diese Ideen als Flops. Investieren, anlegen, Aktien sparen, das ist Arbeit und braucht Zeit und Geduld. Es lohnt sich aber, da man gezielt ein Vermögen aufbauen kann.

10. Erinnern Sie sich bitte immer an den "unsichtbaren" Contango. Von Contango spricht man bei Rohstoffen, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum steigen wie häufig bei Rohöl. Bei Aktien bedeutet dies, dass sie über Jahrzehnte im Schnitt pro Jahr sieben Prozent abwerfen. Mit anderen Worten: Wer in den Aktienmarkt investiert, hat bei geduldigem Vermögensaufbau einen unsichtbaren Verbündeten in der durchschnittlichen Rendite, die Aktien über lange Zeit abwerfen. Eine positive Einstellung gegenüber Aktien als Risikoinvestment wird seit Jahrzehnten belohnt und dieser Lohn wird umso größer, je niedriger im Vergleich Zinsen auf dem Sparbuch sind.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von einzelnen Aktien dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an. Dort können Sie sich auch für Trainingskurse registrieren.

Quelle: ntv.de